Das Foto zeigt den Angeklagten neben seinem Verteidiger Bernd Kachur. © Jörn Hartwich
Prozess

Streit um Geld eskaliert: 46-Jähriger ermordet besten Freund

Ein Mann aus Essen geht mit einem Hammer und einem Messer auf seinen besten Freund los und tötet ihn. Vor Gericht spricht von Notwehr. Doch das glauben ihm die Richter nicht.

Es passierte in einer dunklen Sackgasse, am Rande eines Essener Friedhofs: Am 14. April 2021 hat ein Mann aus Essen seinen besten Freund getötet. Hintergrund war ein Streit um Geld. Jetzt ist der 46-Jährige verurteilt worden. Die Strafe: lebenslange Haft wegen Mordes.

Die beiden Männer kannten sich schon ihr halbes Leben. Sie halfen sich, wo sie nur konnten. Das Vertrauen war riesengroß. Doch jetzt ist einer tot.

Elf Mal zugestochen

Die Richter am Essener Landgericht haben keinen Zweifel, dass der Angeklagte dem späteren Opfer regelrecht aufgelauert hat. Laut Urteil schlug er erst mit einem Hammer zu, nahm dann ein Messer. Die Ärzte hatten später elf Einstiche in Brust und Oberkörper gezählt. Bauch, Leber und Herz waren getroffen. Es gab keine Überlebenschance.

Die Richter gehen davon aus, dass der Angeklagte von seinem Freund 31.000 Euro zur Aufbewahrung erhalten hatte, die er nicht zurückzahlen konnte. „Wir sind überzeugt, dass Sie das Geld für sich verbraucht haben“, sagte Richter Jörg Schmitt bei der Urteilsbegründung. Der 46-Jährige habe seit Jahren über seine Verhältnisse gelebt und sei mit über 70.000 Euro komplett überschuldet gewesen. Die zweite Privatinsolvenz habe unmittelbar bevorgestanden.

Opfer verächtlich gemacht

Um das verbrauchte Geld nicht zurückzahlen zu müssen, habe der Angeklagte sich entschlossen, seinen Freund zu töten.

Im Prozess hatte der 46-Jährige den Angriff zwar gestanden, aber von Notwehr gesprochen. Außerdem behauptete er bis zuletzt, dass sein Freund in kriminelle Machenschaften verstrickt gewesen sei. Darauf gibt es laut Urteil jedoch überhaupt keine Hinweise.

„Sie haben sich leider auch noch entschlossen, ihr Opfer verächtlich zu machen“, so Schmitt in Richtung des Angeklagten. „Das ist sehr unschön.“

Zufälliger Zeuge

Der 46-Jährige war nach der Bluttat geflohen, hatte aber schnell gefasst werden können. Ein Passant war zufällig Zeuge geworden. Er war genau dort hergelaufen, wo um diese späte Uhrzeit – es war 21.30 Uhr – in der Regel niemand mehr hergeht. Der Grund: Er hatte offenbar Liebeskummer und brauchte Ruhe.

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Gerichtsreporter

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