Thomas Zigahn (38) verdient sein Geld mit Upcycling. Er zeigt, wie man in wenigen Schritten aus alten Dingen etwas Neues machen kann. © Dennis Görlich
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Upcycling: Thomas Zigahn schenkt alten Dingen ein neues Leben

Wohin mit den Sachen, die zu Hause ausgedient haben? Mit kreativen Ideen lassen sich einfach neue Dinge daraus machen. Wir zeigen, wie es geht. Das Motto: Selbermachen statt Wegwerfen.

Aus alten Dingen etwas Neues zu machen, haben die meisten bereits im Kindergarten gelernt. So entstanden aus Klopapierrollen, Joghurtbechern und Zeitung kleine Geschenke für die Eltern. „Upcycling“ wird aber auch bei Erwachsenen immer beliebter.

Upcycling: Alte Gegenstände aufwerten

Thomas Zigahn ist einer der Menschen, denen das Thema Müllvermeidung schon lange am Herzen liegt. „Ich habe schon immer Sachen nicht weggeworfen, sondern ich habe sie repariert, bis es nicht mehr ging oder habe geschaut, ob ich ihnen eine neue Funktion geben kann“, so der 38-Jährige. Seit 2015 betreibt Zigahn die Upcycling-Werkstatt „Tanz auf Ruinen“ in Dortmund.

Der Begriff Upcycling setzt sich aus den englischen Wörtern „Up“ (nach oben) und „Recycling“ (Wiederverwertung) zusammen. Ziel des Upcycling ist es, Gegenstände nicht nur wiederzuverwenden, sondern ihnen mit der neuen Funktion auch einen höheren Wert zu verleihen.

Aus Alt wird Neu. In nur wenigen Schritten lassen sich Dinge wie Vinylschüssel, Kronkorken-Schlüsselanhänger oder Tetrapak-Portmonee herstellen. © Dennis Görlich © Dennis Görlich

So entstehen in Zigahns Ideenschmiede Ringe aus alten Münzen oder geflochtene Tragetaschen aus Hochglanz-Magazinen. Die Idee, mit Upcycling Geld zu verdienen, kam Zigahn, als ihm 2013 der Gürtel riss und er sich einen Ersatz aus einem alten Fahrradreifen produzierte.

„Dann haben Freunde und Freundesfreunde gefragt, ob ich denen auch einen Gürtel machen kann. Da war schnell klar, dass ich das auf Dauer nicht umsonst machen kann, sondern da irgendwie Geld für verlangen musste, weil ich keine Zeit mehr für etwas anderes hatte.“

Seinen Job als Pädagoge gab er auf, um sich voll auf das Upcycling konzentrieren zu können.

Zahlreiche Ideen sind im Internet zu finden

Die Ideen, die Zigahn umsetzt, sind oft nicht neu. Eines seiner ersten Produkte war das Tetrapak-Portmonee. „Das gibt es schon ewig, das ist keine Erfindung von mir“, gibt der gelernte Sonderpädagoge zu. So gibt es zahlreiche Upcycling-Ideen im Internet, von denen auch er sich inspirieren lässt.

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Selbstgemacht: Die Vinylschüssel

Regelmäßig bekommt Zigahn Materialspenden und muss sich dann überlegen, wie er dem „Müll“ ein zweites Leben schenken kann. Andersrum gibt es aber auch Anfragen nach bestimmten Produkten und er prüft, welches Material er dafür verwenden kann.

„Du kannst fast aus jedem Material so gut wie alles herstellen“, weiß der Upcycling-Profi. Aber: Der Aufwand und die Kosten der Produktion müssten immer in einem Verhältnis zum Nutzen des Produktes stehen.

Bei Gebrauchsgegenständen eignen sich laut Zigahn zudem manche Materialien nur für bestimmte Dinge. „Wenn man eine Tasche aus Fahrradschlauch nähen würde, würde die acht Kilo wiegen. Geht auch, ist aber nicht sinnvoll.“

Daher eignen sich die alten Schläuche besser als Hilfsprodukt, wie als Gummiband oder zur Verstärkung einer Tasche. Sein wissen über das Thema gibt Thomas Zigahn in Workshops weiter.

Workshops zum Thema Nachhaltigkeit

Seine ersten Workshops gab er bereits vor Eröffnung seines Ateliers. „Mein letzter Arbeitgeber war ein Jugendzentrum, da habe ich mit den Jugendlichen auch viele Projekte zum Thema Müll gemacht, weil die immer ihren Müll liegen gelassen haben“, was Zigahn störte.

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Selbstgemacht: Der Kronkorken-Schlüsselanhänger

Er habe aber den Eindruck, dass das Interesse an Nachhaltigkeit zunimmt. Auch bei den Schulen. „Schulen haben auch das Thema Nachhaltigkeit auf der Agenda, da passt Upcycling gut mit rein. Wir basteln nicht nur, sondern sprechen auch darüber, warum wir das machen.“

Warum er das macht? „Es geht nicht nur darum, coole Dinge aus Müll herzustellen, sondern auch zu zeigen: Du kannst aus allem Alten noch was machen und musst nicht immer neu kaufen.“ Der Klassiker auf den Workshops ist der Kronkorken-Schlüsselanhänger, der sich mit wenig Material und in einfachen Schritten herstellen lässt.

Aber auch die Älteren interessieren sich häufiger für Anleitungen zum Upcycling: „Der Trend geht dahin, dass immer mehr Leute nach Workshops fragen.“

Die Bildungsarbeit und zu zeigen, wie man selbst Dinge herstellt, sei eine schöne Abwechslung zum Verkauf von Produkten. Der Stand vor wenigen Jahren bei Zigahn noch im Fokus: „2016 und 2017 war ich jedes Wochenende auf Messen und Märkten – bundesweit. Mittlerweile mache ich aber nur noch etwa 15 Märkte pro Jahr.“

Auf den Märkten, in der Werkstatt und über seine Internetseite habe Zigahn in den vergangenen sieben Jahren über 25.000 Artikel verkauft, die er eigenhändig hergestellt hat.

„Upcycling ist keine Lösung, das Problem ist der Müll“

Für Thomas Zigahn steht aber fest: „Upcycling ist keine Lösung. Das Problem ist der Müll. Es gibt viel zu viel Müll, den kann man gar nicht alles verarbeiten. Ich kann aber dazu beitragen, weniger neuen Müll zu produzieren.“

Das führe bei ihm dazu, dass er so gut wie keinen Müll mehr produziere und nicht mehr neu kaufe, weil er sich alles selber reparieren oder herstellen könne.

Bei persönlichen Gesprächen stelle Zigahn häufig fest, dass viele nicht wüssten, dass Plastik aus Erdöl hergestellt wird. Er findet: „Es ist Unsinn, Wegwerfprodukte aus Erdöl herzustellen.“ Schließlich sei diese Ressource endlich. Der Großteil des in Deutschland entsorgten Plastiks wird zudem nicht recycelt, sondern energetisch verwertet, also verbrannt.

Es können jedoch nicht nur aus Müll neue Produkte entstehen. Auch Dinge, die keine Verwendung mehr haben, können durch Upcycling neu verwendet werden. „Funktionierende Disketten sind eigentlich kein Abfall, weil sie eben noch funktionieren. Aber kein Mensch nutzt sie heute noch.“ So macht Zigahn daraus unter anderem Notizbücher.

Während sich viele Upcycling-Projekte ohne Werkzeug umsetzen lassen, gibt es auch für aufwendigere Arbeiten entsprechend ausgerüstete Orte. Diese sogenannten „Offenen Werkstätten“ gibt es in nahezu jeder größeren Stadt.

Über den Autor
Volontär
1989 im Ruhrgebiet geboren, dort aufgewachsen und immer wieder dahin zurückgekehrt. Studierte TV- und Radiojournalismus und ist seit 2019 in den Redaktionen von Lensing Media unterwegs.
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Dennis Görlich

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