Der Angeklagte kurz vor Urteilsverkündung im Duisburger Landgericht. Er hat seinen erst drei Monate alten Sohn erwürgt. © Jörn Hartwich
Landgericht Duisburg

Vater erwürgt Baby – Richter glauben nicht an einen Blackout

Nur drei Monate lang durfte der kleine Alessio leben. Seine Mutter war bei der Geburt gestorben, sein Vater soll ihn erwürgt haben. Jetzt stand der 38-Jährige deswegen vor Gericht.

Der kleine Alessio wurde nur drei Monate alt. Als er im Oktober 2020 mit einem Rettungswagen in ein Duisburger Krankenhaus gebracht wurde, war es schon zu spät. Die Ärzte schlossen das Baby zwar noch einmal an ein Sauerstoffgerät an, doch es gab keine Hoffnung. Am Dienstag ist der Vater des Jungen verurteilt worden. Die Strafe: sieben Jahre Haft wegen Totschlags.

Richter Joachim Schwartz sprach bei der Urteilsbegründung von einem „mit massiver Gewalt ausgeführten Würgevorgang“. Mindestens vier Minuten lang habe der Angeklagte seinem Baby die Luft abgedrückt und ihm dabei sogar noch den Unterkiefer gebrochen. Das Motiv? Völlig unklar. „Hier kann man nur Vermutungen anstellen“, so Schwartz.

Mutter bei der Geburt gestorben

Alessios Mutter war bei der Geburt des Kindes im Juli 2020 gestorben. Seitdem hatte sich der Angeklagte alleine um seinen Sohn gekümmert. „Liebevoll“ sei er gewesen, hatten Zeugen den Richtern erzählt. Und „fürsorglich“.

Das muss sich jedoch geändert haben, als der 38-Jährige einen Alkoholrückfall erlitt. Fast „Mantra artig“, so Richter Schwartz, habe der Angeklagte Rettungssanitätern und Polizisten immer wieder gesagt, dass er trockener Alkoholiker sei und wieder getrunken habe.

Das konnte auch eine Freundin bestätigen, die ihn Stunden vor der schrecklichen Tat besucht hat. Außerdem wurden in seiner Wohnung leere Bierflaschen und eine leere Schnapsflasche gefunden. Die Richter gehen von einer Alkoholintoxikation von rund 2,6 Promille aus.

Der Angeklagte schweigt im Prozess

Der Angeklagte selbst hatte im Prozess geschwiegen. Einer vom Gericht hinzugezogenen psychiatrischen Sachverständigen gegenüber hatte er zuvor jedoch von einem völligen Blackout gesprochen. Er sei morgens auf dem Fußboden seiner Küche aufgewacht und habe sich gewundert, dass sein Sohn keine Geräusche mache. Daraufhin habe er etwas aufgeräumt, sei wieder eingeschlafen und habe schließlich eine Familienpflegerin informiert. Sie hatte sofort den Notruf abgesetzt.

Die Erinnerungslücke haben ihm die Richter jedoch nicht geglaubt. „Die geschilderte Amnesie hat es nicht gegeben“, so Richter Schwartz. Dagegen spreche ein Chatverkehr über WhatsApp, den der Angeklagte am Morgen nach der Tat mit einer Freundin geführt habe. Darin hieß es unter anderem: „So wie ich gestern Abend gewesen bin, möchte ich nicht noch einmal sein.“

Ein Leben voll Aggression und Alkohol

Die Verteidigung hatte eine komplette Schuldunfähigkeit nicht ausgeschlossen. Soweit wollten die Richter jedoch nicht gehen. Sie attestierten dem Angeklagten eine nicht ausschließbare verminderte Steuerungsfähigkeit und ordneten an, dass der 38-Jährige einen Teil der Haftstrafe in einer geschlossenen Therapieeinrichtung verbringen muss, um sein Alkoholproblem und seine damit verbundene Aggressivität in den Griff zu bekommen. Dass der Angeklagte die Tat bereut – davon gehen die Richter aus.

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Gerichtsreporter