Missbrauch

Vertuschung von Kindesmissbrauch? Papst soll Kardinal Woelki überprüfen

Beim Thema Missbrauch hatte Kardinal Woelki stets volle Aufklärung versprochen. Allerdings hatte er Vorwürfe gegen einen Pfarrer nicht gemeldet. Jetzt soll der Papst Woelkis Handeln überprüfen.
Rainer Maria Woelki, Kardinal der römisch-katholischen Kirche, Erzbischof von Köln. © picture alliance/dpa

Nach Vertuschungsvorwürfen gegen den Kölner Kardinal Rainer Woelki will dieser nun den Papst einschalten. „Um die gegen mich erhobenen kirchenrechtlichen Vorwürfe zu klären, bitte ich den Heiligen Vater um eine Prüfung in dieser Frage“, sagte Woelki nach Angaben des Erzbistums vom Freitag.

Er hatte im Jahr 2015 Missbrauchsvorwürfe gegen einen Pfarrer aus seinem Zuständigkeitsbereich nicht dem Vatikan gemeldet. „Es bleibt dabei: Versäumnisse im Umgang mit sexualisierter Gewalt müssen offengelegt werden, unabhängig davon, gegen wen sie erhoben wurden. Dies bezieht auch mich ein“, erklärte Woelki. Zuvor hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet.

Unterdessen lässt der Bischof von Münster, Felix Genn, untersuchen, ob gegen Woelki kirchenrechtliche Untersuchungen aufgenommen werden sollen. Als dienstältester Bischof der Kölner Kirchenprovinz sei Genn in dem Fall rechtlich zuständig, sagte ein Bistumssprecher.

Forderung nach „personellen Konsequenzen“

Papst Franziskus habe 2019 in einem Schreiben dargelegt, wie vorzugehen sei, wenn ein Erzbischof – in diesem Fall Woelki – mit derartigen Vorwürfen konfrontiert sei. Genn sei unter bestimmten Voraussetzungen verpflichtet, eine kirchenrechtliche Untersuchung einzuleiten. Ob diese Voraussetzungen gegeben seien, werde nun geprüft.

Der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, äußerte sich „tief bestürzt“ über die Vorgänge im Erzbistum und forderte volle Transparenz. „Wenn es Verstöße gegeben hat, dann sind auch personelle Konsequenzen erforderlich“, sagte Sternberg am Freitag laut Mitteilung.

Das Erzbistum hatte am Donnerstag bestätigt, dass Woelki den Vorwurf des Kindesmissbrauchs gegen einen Priester seinerzeit nicht nach Rom weitergegeben hatte. Zur Begründung hieß es, der Gesundheitszustand des mittlerweile verstorbenen Geistlichen habe damals eine weitere Untersuchung des Falls verhindert.

Vorwürfe beziehen sich auf eine Tat aus den späten 1970ern

Zudem habe der Anzeigenerstatter deutlich gemacht, dass er sich nicht weiter zu der Sache äußern wolle. „Dies führte dazu, dass die Einleitung einer kanonischen Voruntersuchung und damit auch eine Meldung an die Glaubenskongregation unterblieben ist“, erklärte das Erzbistum.

„In der kirchenrechtlichen Bewertung dieses Sachverhalts gibt es in der Berichterstattung der vergangenen Tage verschiedene Rechtsauffassungen in der Frage, ob dennoch eine kanonische Voruntersuchung hätte durchgeführt werden müssen, deren Ergebnis dann an die Glaubenskongregation hätte gemeldet werden müssen“, teilte das Erzbistum mit.

Als Konsequenz schalte Woelki nun Papst Franziskus ein. Sobald eine Prüfung in Rom erfolgt sei, werde das Erzbistum dies öffentlich mitteilen. Nach Recherchen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ geht es bei den Vorwürfen um eine Tat aus den späten 1970ern. Das Opfer, damals ein Junge im Kindergartenalter, habe den Missbrauch im Jahr 2010 beim Bistum angezeigt.

Gutachten zum Umgang mit Kindesmissbrauch nicht veröffentlicht

Woelki habe von den Vorwürfen 2011 erfahren, als er noch Weihbischof war. 2014 wurde er Erzbischof von Köln. Nach Sichtung von Personalunterlagen habe er dann 2015 entschieden, dass den Vorwürfen gegen den 1929 geborenen Pfarrer Johannes O. nicht weiter nachgegangen werden solle.

Die Aufarbeitung, wie das Erzbistum Köln mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Priester umgegangen ist, sorgt seit geraumer Zeit für Schlagzeilen. Woelki hatte dazu ein Gutachten bei einer Münchner Kanzlei in Auftrag gegeben – nach der Fertigstellung aber beschlossen, es doch nicht zu veröffentlichen. Dafür führte er rechtliche Bedenken an. Stattdessen beauftragte er einen Kölner Strafrechtler mit einem neuen Gutachten, das im März fertig werden soll.

dpa

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