Coronavirus

Vierte Impfung, Booster-Regeln, Impfzentren: Wie es in NRW nun weitergeht

Im Kampf gegen Omikron werden Impfungen immer wichtiger. Die Impfpflicht soll bald kommen, Biontech arbeitet an einem angepassten Impfstoff. Das ist der aktuelle Stand bei den Impfungen.
Booster, Impfpflicht, Impfzentren: In Sachen Corona-Impfung gilt es noch einige Fragen zu klären. (Symbolbild)
Booster, Impfpflicht, Impfzentren: In Sachen Corona-Impfung gilt es noch einige Fragen zu klären. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Im Kampf gegen das Coronavirus und die aktuelle Omikron-Welle soll die Impfkampagne deutschlandweit gestärkt werden. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat angekündigt, bis Ende des Monats bei den Erstimpfungen bundesweit eine Quote von mindestens 80 Prozent zu erreichen. Bislang erreichen dieses Ziel nur das Saarland, Bremen und Hamburg. Nordrhein-Westfalen weist bei den Erstimpfungen eine Quote von 78,6 Prozent auf (Stand 12. Januar).

Doch nicht nur die Erstimpfungen stehen im Fokus von Bund und Ländern, sondern angesichts der hohen Zahlen an Omikron-Fällen auch die Booster-Impfungen. In NRW gelten seit Donnerstag vereinfachte Regeln für Geboosterte. Inzwischen wird aber auch die Frage diskutiert, ob es eine vierte Impfung geben wird. Auch ein neuer Impfstoff gegen Omikron wurde bereits versprochen.

Die wichtigsten Punkte zum aktuellen Stand bei den Corona-Impfungen im Überblick.

Müssen sich Geimpfte bald eine vierte Impfung holen?

In Deutschland haben inzwischen mehr als 44 Prozent der Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten, wie aus den Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom 12. Januar 2022 hervorgeht. In NRW liegt die Quote der geboosterten Personen mit knapp 47 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Während manche Menschen erst in den vergangenen Wochen ihre dritte Impfung erhalten haben, liegt die Auffrischung gerade bei Senioren und Menschen mit Vorerkrankung teils Monate zurück.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben deshalb am Mittwoch (12. Januar) bei ihrer ersten regulären Konferenz in diesem Jahr über eine mögliche vierte Impfung gegen das Coronavirus beraten.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, hat ein Angebot einer vierten Impfdosis gegen das Coronavirus für jeden bis zum Sommer gefordert. „Jeder sollte die Möglichkeit erhalten, bis zum Sommer ein viertes Impfangebot mit den aktuell verfügbaren Wirkstoffen in Anspruch nehmen zu dürfen“, sagte Brysch den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Der Intensivmediziner Christian Karagiannidis, der auch Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung ist, riet hingegen davon ab, schon jetzt eine vierte Impfung anzubieten. „Mit einer systematischen vierten Impfung sollten wir warten, bis ein angepasster Impfstoff da ist“, sagte er den Funke-Zeitungen.

Wie ist die aktuelle Studienlage zu der vierten Impfung?

Die Frage, ob eine vierte Impfung oder ein zweiter Booster sinnvoll ist, lässt sich vor allem mit Blick auf die Situation in Israel sagen. Dort haben bereits rund 70.000 Menschen eine vierte Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Die Wirksamkeit eines solchen zweiten Boosters scheint laut aktueller Studien jedoch enttäuschender zu sein, als es sich die Forscher erhofft hatten.

„Wir sehen einen bestimmten Anstieg der Antikörper, aber der Anstieg ist nicht sehr beeindruckend“, sagte Professor Gili Regev, Leiterin einer israelischen Studie zur Wirksamkeit einer vierten Corona-Impfung, der israelischen Nachrichtenseite „ynet“ am Mittwoch zu vorläufigen Ergebnissen der Studie. Man sei kurz nach der vierten Impfung wieder auf demselben Antikörper-Stand wie kurz nach der dritten, sagte Regev. Sie habe sich von einer zweiten Booster-Impfung mehr erhofft. Es könne nicht das Ziel sein, sich etwa alle vier Monate erneut gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Wann ist mit einem auf Omikron angepassten Impfstoff zu rechnen?

Die Omikron-Variante des Coronavirus hat in vielen Ländern bereits für einen Anstieg der Fallzahlen gesorgt. Auch in Deutschland werden immer mehr Infektionen mit Omikron registriert. Um die Bevölkerung besser vor der Variante zu schützen, sollen die aktuell verfügbaren Impfstoffe angepasst werden.

Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer haben bereits mit der Produktion eines an die Omikron-Variante angepassten Corona-Impfstoffs begonnen. Das teilte Biontech-Chef Ugur Sahin am Dienstag auf einer Gesundheitskonferenz der US-Bank J.P. Morgan mit. Ende Januar werde eine klinische Studie zu dem Impfstoff beginnen. „Wir gehen davon aus, dass wir bis März für eine Belieferung des Markts bereit sind, wenn die behördlichen Genehmigungen vorliegen.“

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat bislang noch nicht erklärt, ob sie einen an Omikron angepassten Impfstoff mit einer anderen Zusammensetzung als bei dem derzeit verwendeten Vakzin für notwendig hält.

Pfizer-Konzernchef Albert Bourla sagte, das Unternehmen habe auf eigenes Risiko mit der Produktion des angepassten Impfstoffs begonnen. Er wisse nicht, ob das Mittel gebraucht werde oder wie es verwendet werde. „Aber wir werden bereit sein“, sagte Bourla am Montag. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte am Dienstag, man erwarte bis Ende März oder Anfang April etwa 50 Millionen bis 100 Millionen Dosen des neuen Impfstoffs vorproduziert zu haben.

Kann ich mich über den Winter hinaus in Impfzentren impfen lassen?

Die Laufzeit für die Impfzentren in Deutschland soll bis Ende 2022 verlängert werden. Das haben Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) und die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) am Montag angekündigt. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) habe zugesagt, „dass die Finanzierung bis Ende des Jahres gesichert ist“, sagte Grimm-Benne nach einer Videokonferenz der Gesundheitsminister von Bund und Ländern.

Bachmann, die den Antrag aus dem Saarland einbrachte, lobte die Verständigung. „Mit dieser Entscheidung können das Land, die Kreise und Kommunen, aber insbesondere auch die Mitarbeiter, die in den Impfzentren Großartiges leisten, zuverlässig für das Jahr 2022 planen“, teilte sie mit. „Es wäre fatal gewesen, die Maßnahmen aus der Vergangenheit zu wiederholen und die Finanzierung vorzeitig auszusetzen.“

Was sind die aktuellen Regelungen für Geboosterte in NRW?

Geboosterte Menschen werden in NRW in vielen Bereichen von der zusätzlichen Testpflicht befreit. Wer die Auffrischungsimpfung hat, muss unter anderem im Freizeitsport keinen Test mehr vorlegen. Diese Erleichterung werde auch für jene gelten, die zweimal geimpft und innerhalb der vorangegangen drei Monate von einer Corona-Infektion genesen seien, erklärte Laumann am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Maßnahmen. Sie könnten wie Geboosterte Sport treiben oder Gaststätten besuchen, ohne einen zusätzlichen Test machen zu müssen.

Die Ausnahmestellung Geboosteter wird von der Deutsche Stiftung Patientenschutz als falsch kritisiert. Impfen und Testen dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, weil das Impfen vor allem Dingen die Person selbst schütze und das Testen eine wichtige Maßnahme gegen die Weitergabe des Virus sei.

Wann kommt die allgemeine Impfpflicht?

Gut eine Woche vor seinem Amtsantritt hatte Scholz sich nach monatelanger Ablehnung für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen und gleich zwei Daten mitgeliefert, zu denen sie in Kraft treten soll: „Deshalb, finde ich, wäre es richtig, wenn sie für alle gilt, ab Anfang Februar, Anfang März.“

Wer Daten und Zahlen nennt, wird später an ihnen gemessen, das ist eine einfache Spielregel in der Politik. Das Problem: Scholz hat ebenfalls schon im November klar gesagt, dass er den Bundestag in der Pflicht sieht, die Impfpflicht durchzusetzen – und die Bundesregierung in einer passiven Rolle.

Am Dienstagabend hat SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich einen Zeitplan für die Entscheidung über die Impfpflicht präsentiert. Ende Januar sollen Eckpunkte für einen Gesetzentwurf vorgelegt werden. Auf dieser Grundlage soll mit Abgeordneten anderer Fraktionen über einen gemeinsamen Gruppenantrag gesprochen werden. Und bis Ende März soll dann die Entscheidung fallen – nicht ganz so schnell, wie der Kanzler sich das gewünscht hat.

mit dpa

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