Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit Covid 19 steigt weiter extrem stark. Und auch die Zahl der Neuinfektionen ist nach Wochen der Stagnation wieder auf einem exponentiellen Wachstumskurs. © picture alliance/dpa/Europapress
Coronavirus

Wachstum bei den Corona-Toten und -Infizierten ist außer Kontrolle

Der Wochenvergleich der Zahl der Corona-Toten und -Infizierten ist so schockierend, dass klar wird: Der harte Lockdown war unumgänglich. Das Corona-Wachstum ist außer Kontrolle geraten.

Das exponentielle Wachstum der Corona-Neuinfektionen sei durch den Teil-Lockdown im November gestoppt worden, hieß es Ende November immer wieder. Doch der positive Trend ist spätestens seit den vergangenen Tagen definitiv vorbei. Während im Wochenvergleich die Werte bis zum Montag vor zwei Wochen noch stagnierten oder sogar sanken, sind sie seither wieder gestiegen. Und das nicht nur leicht, sondern exponentiell.

Das bedeutet: Es gibt ein unbegrenztes Wachstum, sowohl bei der Zahl der Neuinfizierten, sondern auch bei der Zahl der an oder mit Covid 19 gestorbenen Menschen. Damit ist die Entwicklung außer Kontrolle geraten. Die Folge: Die Gesundheitsämter sind nicht mehr in der Lage, bei jedem Einzelfall die Kontakte nachzuverfolgen und Quarantänemaßnahmen anzuordnen und zu überwachen. Die schon jetzt arg belasteten Intensivstationen geraten an ihre Kapazitätsgrenzen.

In der zurückliegenden Woche gab es 153.423 Neuinfektionen. Das sind gut 23.700 mehr als in der Woche zuvor. In der Woche zuvor hatte der Anstieg gegenüber der Vorwoche nur bei rund 5.000 gelegen. Mindestens genauso schlimm ist die Entwicklung bei den Todesfällen.

Schlimme Zahl von Todesfällen

Die Werte sind desaströs. Noch Mitte Oktober, als die Zahl der Neuinfektionen jeden Tag neue Höchstwerte erreichte, so dass letztlich der Teil-Lockdown ab November beschlossen wurde, gab es trotz allem wenigstens eine gute Nachricht: Bei der Zahl der Todesfälle gab es nur einen leichten Anstieg zu verzeichnen.

Das hat sich inzwischen extrem verändert. Mittlerweile steigt die Zahl der Todesfälle in rasendem Tempo auf immer neue Rekordhöhen. Die Werte haben mittlerweile ein exponentielles Wachstum erreicht. Zuletzt wurde am Mittwoch (9. Dezember) mit 590 Todesfällen an einem Tag ein neuer Höchstwert registriert. Es steht zu befürchten, dass es nicht der letzte Rekordwert bleiben wird.

Wie ernst die Lage wirklich ist, wird deutlich, wenn man die Entwicklung von Woche zu Woche betrachtet. In der Woche vom 5. bis 12. Oktober, als die Zahl der Neuinfektionen in die Höhe schoss, gab es in ganz Deutschland gerade einmal 87 Todesfälle. Das waren zwar mehr als zu schlimmsten Zeiten im Sommer, als im Juli etwa in einer Woche nur 22 Tote gezählt worden waren, aber immer noch vergleichsweise wenige.

Die Wende kam Ende Oktober

Das änderte sich Ende Oktober, Anfang November auf dramatische Art und Weise. In der Woche vom 26. Oktober bis 2. November gab es 474 Todesfälle, in der Woche darauf mit 822 schon fast doppelt so viele. In der Woche zwischen dem 23. und 30. November waren es 2.136 Todesfälle, in der Woche zwischen dem 30. November und 7. Dezember waren es 2.671 und in der vergangenen Woche zwischen dem 7. und 14. Dezember waren es 3.056 Tote. Der Höchstwert vom Frühjahr (13. bis 20. April: 1.605 Corona-Tote) wirkt da schon fast vergleichsweise niedrig. Und das Schlimme jetzt im Dezember: Von einem Abflachen der Kurve kann auch nicht im Ansatz die Rede sein.

Zwischen Anfang März und dem 12. Oktober gab es in Deutschland innerhalb von siebeneinhalb Monaten 9.621 Corona-Tote. Zwischen dem 13. Oktober und dem 14. Dezember starben 12.354 Menschen. Die Zeitspanne beträgt dabei aber nicht mehr als sieben Monate, sondern gerade einmal neun Wochen.

Die Zahlen für Nordrhein-Westfalen entsprechen der schlimmen Entwicklung auf Bundesebene. In den siebeneinhalb Monaten zwischen Anfang März und dem 12. Oktober wurden in NRW 1.913 Todesfälle in Zusammenhang mit Covid 19 registriert. In den neun Wochen zwischen dem 13. Oktober und dem 14. Dezember sind es 2.576.

All jene, die bereits im Oktober gewarnt hatten, dass die hohen Zahlen bei Neuinfektionen auch zeitversetzt zu höheren Todesraten führen werden, haben recht behalten.

Die Zahlen belegen, dass der Teil-Lockdown nur eine begrenzte Wirkung hatte. Das ist auch der Hintergrund für den jetzt beschlossenen harten Lockdown, der mindestens bis zum 10. Januar das öffentliche Leben in Deutschland weitgehend lahm legen wird.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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