Coronavirus

Weihnachtsgottesdienst in der Kirche? Das ist der aktuelle Stand in NRW

Kirchen dürfen selbst entscheiden, ob sie an Weihnachten Präsenzgottesdienste abhalten oder nicht. Ein klare Linie zeichnet sich bei den NRW-Gemeinden nicht ab. Ein Überblick.
Einige Gemeinden wollen an Präsenzgottesdiensten an Weihnachten festhalten - unter strengen Hygieneregeln. © picture alliance/dpa

Darf man an Weihnachten trotz Corona an einem Gottesdienst teilehmen? Die Kirchen in NRW geben darauf unterschiedliche Antworten. So rät die evangelische Kirche in Westfalen dringend von Präsenzgottesdiensten ab, im Rheinland aber nicht. Auch bei den Katholiken gibt es bisher keine Verbote. Eine Übersicht.

Evangelische Kirchen sind noch uneins

Die Evangelische Kirche von Westfalen hatte bereits am Dienstag (15. Dezember) mitgeteilt, es sei ein Gebot der Vernunft, auf Versammlungen von Menschen möglichst zu verzichten. Deshalb empfehle man den Kirchengemeinden dringend, ab sofort und über die Weihnachtsfeiertage und voraussichtlich bis zum 10. Januar auf alle Präsenzgottesdienste und andere kirchliche Versammlungen in Gebäuden und unter freiem Himmel zu verzichten. Die sehr hohen Infektionszahlen zeigten, dass die Corona-Pandemie derzeit außer Kontrolle sei.

Auch die Lippische Landeskirche empfahl am Mittwoch „dringend, ab sofort bis zum 10. Januar alle Präsenzgottesdienste abzusagen“. Das gelte für drinnen wie draußen.

Der Kirchenkreis Herne folgt der Empfehlung der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) von Dienstagabend. In ihr heißt es: Wir empfehlen den Gemeinden der EKvW „dringend, ab sofort und über die Weihnachtsfeiertage – voraussichtlich – bis zum 10.01.2021 auf alle Präsenzgottesdienste und andere kirchliche Versammlungen (in Gebäuden und unter freiem Himmel) zu verzichten“.

Claudia Reifenberger, Superintendentin des Kirchenkreises Herne / Castrop-Rauxel, schließe sich dem Rat an, sagt Arno Röbbelen, Sprecher des Kreises. Ob die Gemeinden der Empfehlung folgen, liege in ihrer Hand: „Ich gehe aber davon aus, dass sie sich anschließen“, prognostiziert der Kirchensprecher.

Anders der rheinische Präses Manfred Rekowski: Er schrieb in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief, die Frage müsse jeweils von den Gemeinden nach Lage vor Ort entschieden werden. „Es gibt gute Gründe, Weihnachtsgottesdienste in präsenter Form und mit bewährten und behördlich abgestimmten Schutzkonzepten zu feiern“, sagte Rekowski. „Aber es gibt nicht den einen, den einzig richtigen Weg.“ Beides, die Durchführung von Präsenzgottesdiensten wie auch die Feier in anderen Formen, etwa online, könne in Ordnung sein.

Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, hat da eine andere Meinung. Sie rät den Gläubigen, zu Hause zu bleiben. „Es ist viel Verunsicherung in den Gemeinden, und deshalb hoffen wir, dass diese Botschaft jetzt nicht als eine Negativbotschaft verstanden wird, sondern in dem positiven Sinne aufgegriffen wird, dass wir versuchen, den Menschen ein Gefühl von Sicherheit zu geben und deshalb genau auf Präsenzgottesdienste zu verzichten“, sagte sie im WDR.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm rief zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Gottesdiensten auf: „Unser Glaube hängt nicht an der Form, in der wir die Weihnachtsbotschaft in unsere Herzen aufnehmen“, sagte er.

Bistümer der katholischen Kirche wollen am Präsenzgottesdienst festhalten

In der katholischen Kirche wurde bisher noch nicht von Präsenzgottesdiensten abgeraten. Die Verantwortung dafür liegt bei den einzelnen Bistümern. Felix Genn, Bischof von Münster, hat angekündigt, dass sein Bistum an Präsenzgottesdiensten auch zu Weihnachten festhält. Man verhalte sich regelkonform, habe die Schutzmaßnahmen gerade zu Weihnachten noch einmal erhöht und sehr verantwortungsvolle Konzepte.

Man wisse, so heißt es in einer Stellungnahme auf Anfrage unserer Redaktion, dass viele Menschen diese Entscheidung sehr kritisch sehen. Gleichwohl halte man daran fest, weil Gottesdienste Trost, Hoffnung und Zuversicht vermitteln würden. Im Übrigen habe die Kirche beim ersten Lockdown Kritik einstecken müssen, weil sie auf Präsenzgottesdienste verzichtet habe. Viele hätten gefragt, wo die Kirche in dieser Krise gewesen sei und den Menschen Halt gegeben habe.

Ähnlich begründet das Erzbistum Paderborn das Festhalten an Präsenzgottesdiensten an Weihnachten. Auch hier heißt es, man wolle sich streng an die geltenden Auflagen halten. „Wir würden im Erzbistum Paderborn keine Entscheidung treffen, die – nach aller Wahrscheinlichkeit und Plausibilität – dazu führen könnte, das Infektionsgeschehen zu erhöhen“, heißt es in einer Stellungnahme des Erzbistums.

Auch das Erzbistum Köln teilte mit, dass Gottesdienste unter Einhaltung der vorgegebenen Regeln stattfinden könnten. Im Kölner Dom sind schon alle Plätze für Heiligabend-Gottesdienste reserviert.

dpa/rej

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