Justiz

Weil das Kind zu viel weinte: Vater (26) soll Säugling ermordet haben

Im Juni starb ein Baby in Herne einen qualvollen Tod. Sein eigener Vater soll den Säugling getötet haben, weil er zu viel weinte. Jetzt steht der 26-Jährige vor Gericht – es geht um Mord.
Den Angeklagten verbirgt sein Gesicht kurz vor Prozessbeginn. © Werner von Braunschweig

Ein Lkw-Fahrer aus Herne soll im Juni sein gerade einmal zehn Wochen altes Baby ermordet haben. Mutmaßlicher Grund: Das Schreien und Weinen seines kleinen Jungen soll den 26-Jährigen derart gestört haben, dass er nicht bereit war, es weiter hinzunehmen.

Am Mittwoch hat vor dem Bochumer Schwurgericht der Mordprozess begonnen. Zu den Vorwürfen will der Angeklagte erst einmal schweigen. Während der Verlesung der Anklage hatte der Vater zuvor immer leise geschluchzt und sich die Hände vor das Gesicht geschlagen.

Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann geht davon aus, dass der am 8. April zur Welt gekommene Säugling am frühen Abend des 19. Juni in einer Mietwohnung in der Herner Innenstadt von seinem Vater unvorstellbare Gewalt erfahren hat. „Gegen 17.45 Uhr schlug der Angeklagte den Säugling mit seiner Faust oder aber einem stumpfen Gegenstand derart heftig in den Magen, dass es zu einer Rippenserienfraktur kam“, heißt es in der Anklage.

Baby erlitt schwerste innere Verletzungen

Den Rettungsdienst hatten die Eltern danach zwar selbst alarmiert. Das schockierende Ausmaß der Verletzungen rief in der Kinderklinik Datteln aber sofort einen Misshandlungsverdacht hervor. Ärzte stellten bei dem Babyjungen schwerste innere Verletzungen im Rumpfbereich fest. Gegen 21.50 Uhr hörte das kleine Herz schließlich auf zu schlagen.

Zum Motiv für den väterlichen Entschluss, sein eigenes Baby zu töten, heißt es in der Anklage: „Weil er mit dessen weinerlichen Wesen nicht mehr zurechtkam, obwohl er selbst die Ursache für dessen Schmerzen gesetzt hatte.“

Der Lkw-Fahrer soll dem Säugling nämlich bereits bei einem Gewaltausbruch drei Wochen zuvor am 31. Mai mehrere Rippen gebrochen haben. Aufgrund der Frakturen soll der kleine Babyjunge anschließend nachts so gut wie nicht mehr geschlafen und häufig geweint haben. Die Eltern waren zwar Anfang Juni bei einer Kinderärztin, sollen aber den wahren Grund für die Verletzungen verschwiegen haben.

Eltern logen über Ursache der Verletzungen

Bei einem weiteren Kinderarztbesuch sollen sie dann von einem Unfall durch ein vierjähriges Kind berichtet haben, dass sich angeblich aus Versehen auf den Säugling gesetzt habe. Die Mutter soll einer Kinderärztin hierbei erstmals offenbart haben, dass sie bei ihrem Baby stets „ein Knacken beim Atmen“ höre. Mehrere daraufhin vereinbarte Untersuchungstermine in einer Kinderchirurgie ließen die Eltern dann laut Staatsanwaltschaft trotzdem „aus Angst vor Entdeckung“ verstreichen.

„Vielmehr überließen sie den Säugling seinem schmerzhaften Schicksal“, so Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann. Das Baby soll in der Folgezeit immer unruhiger, weinerlicher und appetitloser geworden sein und zuletzt sein Köpfchen nur noch auf die rechte Seite gedreht haben.

Mutter ist mitangeklagt

Auch die Mutter des Säuglings ist in dem Mordprozess mitangeklagt. Allerdings nicht wegen Mordes, aber weil die 26-jährige Frau ihr Kind vor dem Gewalttod bereits böswillig im Stich gelassen und dadurch gequält haben soll, lautet die Anklage in ihrem Fall auf Misshandlung von Schutzbefohlenen.

Anders als der Vater sitzt die Mutter nicht in U-Haft. Für den Prozess hat das Bochumer Schwurgericht zunächst noch neun weitere Verhandlungstage bis zum 3. Februar 2021 anberaumt.

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