Gedenkminute vor dem Spiel: Auch (v. l.) Andreas Möller, Tomasz Hajto und Jiri Nemec haben am 11. September anderes im Kopf als Fußball. © dpa
Schalke 04

Als die Welt stillstand – aber Schalke und Athen Fußball spielen mussten

Heute vor 20 Jahren hatte der FC Schalke 04 das erste Champions-League-Spiel der Vereinsgeschichte. Aus dem erhofften Feier-Tag wurde ein Spiel im Schockzustand. Denn die Welt hielt den Atem an.

Die Deutsche Meisterschaft war Schalke zwar in der dubiosen Nachspielzeit von 4:38 Minuten genommen worden, doch eines war den Königsblauen nach dem Ende der Saison 2000/01 nicht mehr streitig zu machen: Die Vize-Meisterschaft bedeutete die erste Champions-League-Teilnahme der Vereinsgeschichte.

Trauer statt Feier

Alles war angerichtet für einen großen Fußball-Feiertag. Gegner Panathinaikos Athen war zwar nicht der ganz prominente Name, aber Schalke war es im Prinzip egal. Der erste Tag in der Königsklasse, bei der die Blau-Weißen bis dahin nur Zuschauer waren, sollte zelebriert werden. Doch dann kam alles anders, und Fußball sollte so ganz und gar keine Rolle mehr spielen. Denn am 11. September 2001 stand die Welt still.

Die Bilder der Flugzeuge, die Terroristen ins World-Trade-Center manövriert hatten, waren um die ganze Welt gegangen, zum Teil waren die Aufnahmen sogar live gesendet worden. Jeder weiß noch, wo er die schrecklichen Attentate damals verfolgt hat, die einem zunächst wie ein schlechter Film vorkamen, bis die Erkenntnis reifte, dass das alles tatsächlich passiert war bzw. gerade passiert.

„Wir hätten nicht gespielt“

Die Welt stand unter Schock, hielt den Atem an. Und natürlich bekamen auch die Spieler des FC Schalke 04 und von Panathinaikos Athen mit, was sich da ereignet hatte. Weil die Welt Trauer trug, galt eine Absage des Spiels als wahrscheinlich. „Wenn wir Ausrichter gewesen wären, hätten wir auch nicht gespielt“, sagte Schalkes damaliger Manager Rudi Assauer, als der in jeder Hinsicht traurige Abend vorbei war.

Aber Schalke ist nicht Ausichter, verantwortlich für die Champions League ist die Uefa. Der europäische Fußball-Verband drängt auf strikte Einhaltung des Spielplans. Hinter den Kulissen laufen die Telefondrähte heiß zwischen Schalke, dem Bundeskanzleramt und der Uefa. Schalke drängt auf Absage. Es ist kein Tag zum Fußballspielen, außerdem sind durch die Attentate in den USA die Koordinaten für die gefühlte Sicherheit auch in Deutschland völlig verschoben worden.

Rahmenprogramm gestrichen

Was bleibt, ist ein unbehagliches Gefühl und die Unerbittlichkeit der Uefa. Schalke gelingt es wenigstens noch, das feierlich angelegte Rahmenprogramm von der Tagesordnung zu streichen. Es ist und bleibt still in der Arena, vor dem Spiel, währenddessen und danach. 52.333 Zuschauer haben andere Dinge im Kopf. „Es gibt Tage, die eignen sich nicht zum Fußballspielen“, sagt Peter Peters, damals Schalkes Geschäftsführer.

Der 11. September 2001 war zweifellos so ein Tag. Schalke verliert 0:2. An dem Tag ist das maximal eine Randnotiz.

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