Schalkes Ex-Profi Christian Pander arbeitet heute als Mentaltrainer: „Diese Komponente wird im Leistungssport immer bedeutender.“ © RHR-FOTO
Schalke 04

„Brandfackeln“ von links: Ex-Schalker Christian Pander findet Nachfolger

Von 2002 bis 2011 spielte er auf Schalke, wurde Nationalspieler: Im Interview spricht Christian Pander (38) auch über Thomas Ouwejan, der eine ähnliche Spielweise wie er selbst hat.

Schalkes früherer Trainer Ralf Rangnick sprach von „Brandfackeln“, wenn er über die Qualitäten von Christian Pander sprach. Damit waren die scharfen Flanken und Freistöße des gebürtigen Münsteraners gemeint, die jeden Gegner in Angst und Schrecken versetzten. Aktuell scheint Pander einen Nachfolger in Sachen „linker Klebe“ im Schalker Kader gefunden zu haben: Thomas Ouwejan bringt mit seinen Aktionen ebenfalls höchste Gefahr für jeden Gegner. Pander hat Ouwejan vor einiger Zeit näher kennengelernt, wie er im Interview mit dieser Zeitung verrät.

Kannten Sie Thomas Ouwejan, bevor er zum FC Schalke 04 gewechselt ist?

Pander: Nein. Ich habe ihn aber kürzlich bei einem Schalker Media Day kennengelernt. Wir waren uns sofort sympathisch. Mein erster Eindruck war, dass er gut zu Schalke passt.

Mit seinen Ecken, Freistößen oder Flanken aus dem Spiel heraus erinnert Ouwejan an Ihre Spielweise. Hat Schalke einen neuen Christian Pander?

Ich hätte nichts dagegen. (lachend)

Kann man diese Art des Flankens lernen oder ist der Großteil dem individuellen Talent geschuldet?

Beides. Eine gewisse Begabung braucht man schon, aber man muss auch regelmäßig üben, damit diese Art der Flanken auch ihre Gefährlichkeit weiter beibehalten. Ich habe immer mal wieder Sonderschichten im Training eingelegt, damit die Bewegungsabläufe sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen sind.

Warum sind solche Flanken so schwer zu verteidigen?

Weil sie mit großer Geschwindigkeit und Dynamik in den Strafraum kommen. Aber ganz wichtig ist natürlich auch, dass man die entsprechenden Abnehmer für seine Vorlagen hat. Beim aktuellen Schalke ist das eine große Qualität von Simon Terodde. Er weiß, wie er laufen und wo er stehen muss, um die entsprechenden Zuspiele zu verwerten.

Hat der jeweilige Gegner gar keine Chance zu reagieren?

Ich sehe nur eine Möglichkeit. Spieler wie Ouwejan dürfen erst gar nicht zum Flanken kommen. Sie müssen angegriffen werden, sobald sie in Ballbesitz kommen. Ansonsten wird es schwierig. Ich erinnere mich noch gut an ein Beispiel aus meiner Karriere.

Welches?

Bei meinem ersten Länderspiel im neuen Wembley-Stadion musste ich gleich gegen David Beckham ran. Ich wusste, dass er nicht mehr der Schnellste ist, aber seine Flanken immer noch Weltklasse waren. Deshalb habe ich immer sofort versucht, ihn bei Ballbesitz zu stören.

Sie sind dem Sport nach Ihrer Karriere treu geblieben und arbeiten mit einem Freund in Remscheid im KOMPASS Sportmentoring als Mentaltrainer. Wer sind Ihre Klienten?

Wir arbeiten nicht nur mit Sportlern zusammen, sondern in unserem Kundenkreis sind auch Musiker und Schauspieler. Die Arbeit macht ungemein viel Spaß. Ich bringe in den Gesprächen meine Erfahrungen mit ein, um auf die Probleme, die zum Beispiel Sportler aus verschiedenen Disziplinen haben, einen Blick von außen zu werfen. Die Corona-Zeit hat uns sogar einen Schub gebracht.

Inwiefern?

Wir haben zwölfwöchige Online-Programme angeboten, die sehr gut angekommen sind. Die Gewöhnung an solche Angebote fiel wegen Corona leichter. Wir arbeiten außerdem via App, Rechner oder auch per Video-Telefonat.

Welche Bedeutung hat die mentale Komponente im Leistungssport?

Eine immer größere. Denn trainingsmäßig sind die Möglichkeiten ziemlich ausgereizt. Mehr zu trainieren zwischen den Spielen ist kaum möglich. Aufgrund der hohen Leistungsdichte spielt das Mentale eine immer wichtigere Rolle.

Apropos Leistungsdichte: In der 2. Liga wird es wohl ein Hauen und Stechen um den Aufstieg geben. Schafft Schalke sofort die Rückkehr in die Bundesliga?

Ich wünsche es ihnen von ganzem Herzen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich in der 2. Liga nur meine früheren Klubs Schalke 04 und Hannover 96 intensiv verfolge. Deshalb kann ich mir insgesamt kein Urteil erlauben. Aber Schalke hat ohne Frage das Potenzial, sofort in die Bundesliga zurückzukehren.

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