Gestenreich: Der neue Schalke-Trainer Christian im Kreis seiner Mannschaft. © dpa
Schalke 04

Erstes Schalke-Training mit Christian Gross: Reden, schauen, urteilen

Am Montag hat Christian Gross sein erstes Training auf Schalke geleitet. Zwei Hoffnungsträger kehrten auf den Platz zurück.

Auf dem Weg zu den Schalker Trainingsplätzen wurde Christian Gross am Montagvormittag für einen kurzen Moment gestoppt. Denn vom Parkhaus des Medicos rief ihm ein Schalker Fan aus dem dritten Stock voller Inbrunst zu: „Christian Gross – Fußballgott! Wir schaffen das!“

Da ging ein kurzes Lächeln über das Gesicht des 66-Jährigen, der danach mit blauer Kappe auf dem Kopf und einer Trillerpfeife um den Hals das erste Schalker Training leitete. Rund 90 Minuten standen die Spieler auf dem Platz. Der Ablauf unterschied sich kaum von dem, wie frühere Schalker Trainer arbeiteten. Nach der Aufwärmphase kam der Ball ins Spiel.

Ähnlich wie Stevens

Gross unterbrach einige Male die Einheit. Holte alle Spieler zusammen, lobte und kritisierte. Bevor das Training begann, hatte der Schweizer bereits in einer fünfminütigen Ansprache an die Mannschaft noch einmal klar gemacht, was er von ihnen im Training erwartet. Ab und zu holte er sich auch einzelne Spieler wie Amine Harit oder Ozan Kabak zu einem Gespräch. Das erinnerte an seinen Vorgänger Huub Stevens, der in seinen Trainingseinheiten ähnlich verfahren war.

Erfreulich ist für Gross, dass mit Mark Uth und Frederik Rönnow zwei Stammkräfte nach ihren Zwangspausen ins Mannschaftstraining zurückkehrten. Nun muss der Schweizer schon bald die erste knifflige Personalentscheidung im Schalker Tor fällen. Kehrt Rönnow, von Gross-Vorgänger Manuel Baum zur Nummer eins ernannt, ins Tor zurück? Oder schenkt er Fährmann das Vertrauen, der den verletzten Rönnow zuletzt gut vertreten hat?

Uth mischt wieder mit

Dass Mark Uth, wenn er fit bleibt, beim nächsten Bundesligaspiel am Samstag in Berlin zurück in die Startelf kehrt, dürfte keine Frage sein. Auf den 29-Jährigen war im bisherigen Saisonverlauf meistens Verlass. Doch ein guter Uth wird nicht ausreichen, um Tabellenschlusslicht Schalke aus der Abstiegszone zu bringen.

Das weiß natürlich auch Gross, der die Personalplanungen mit Sportvorstand Jochen Schneider abgesprochen hat. Mehr aus die eine oder andere Ausleihe ist aufgrund der prekären Finanzsituation jedoch nicht möglich. Der Handlungsspielraum vergrößert sich nur, wenn ein Leistungsträger wie zu Beispiel Ozan Kabak transferiert werden könnte.

Doch dies ist in Pandemiezeiten alles andere als einfach. Umgekehrt hat Schalke zuletzt auch keine guten Erfahrungen mit Winter-Transfers gemacht. Michael Gregoritsch und Jean-Clair Todibo waren alles andere als die erhofften Verstärkungen.

Sprachkenntnisse helfen

„Wir schauen, was machbar ist. Die finanzielle Lage ist offenbar sehr angespannt. Ich denke, dass wir vor allem auf den Außenbahnen und von der Schnelligkeit einen gewissen Bedarf haben. Die Mannschaft muss zusammenrücken und auch geschlossener auftreten“, sagte Gross.

Damit das gelingt, könnten ihm seine Sprachkenntnisse zugute kommen. Französisch und Englisch hat er in der Schule gelernt, Italienisch während seiner Profizeit in Lugano. Deutsch ist seine Muttersprache. Ein bisschen spanisch kann er auch noch. Gross weiß aus der Erfahrung von über 30 Trainerjahren: „Man erreicht mit Worten in der Muttersprache das Wichtigste – das Herz eines Spielers“.

„Eine Autorität“

Auf einer Wellenlänge funkt er mit Schalkes Jahrhunderttrainer Huub Stevens. Dessen Urteil hat auf Schalke großes Gewicht. „Jochen Schneider hat mich angerufen und gefragt: Was denkst du über Christian? Da habe ich gesagt: Das wäre der Richtige!“, erzählte Stevens. Seine Begründung: „Er hat eine Autorität in sich, er kann die Spieler gut führen. Und er hat auch in der Vergangenheit bewiesen, eine Mannschaft dahin zu kriegen, wo sie hin muss.“

Auf Schalke wird die Aufgabe von Gross jedoch dadurch erheblich erschwert, dass keine Zeit bleibt. Samstag bei der Hertha wartet schon die erste sportliche Nagelprobe. In dieser schwierigen Lage tut jeder Zuspruch gut. Und sei es auch nur von einem einzelnen Schalke-Fan wie am Montagvormittag.

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