„Hände hoch“: Schalke-Verteidiger Matija Nastasic (Mitte) hatte gegen die Frankfurter Stürmer einen schweren Stand. © dpa
Schalke 04

Frankfurts Rückkehrer Luka Jovic verdirbt Schalke 04 den Abend

Der Stürmer der Hessen trifft zweimal beim 3:1-Sieg für die Eintracht. Auch Matthew Hoppe macht „sein“ Tor. Schalke-Trainer Christian Gross: In Sachen Huntelaar sind noch Details zu klären.

Es war – auch ohne Zuschauer – der Abend großer Emotionen in Frankfurt. Die Eintracht verabschiedete David Abraham, der zurückkehrt in seine Heimat Argentinien, und hieß den von Real Madrid ausgeliehenen Luka Jovic wieder willkommen. Für einen plötzlich verstorbenen langjährigen, treuen Eintracht-Fan legten die Spieler Blumen in der wegen der Corona-Maßnahmen leeren Fan-Kurve nieder.

Auf Schalke war auch am Rande des Spiels in Frankfurt natürlich die Rückkehr von Klaas-Jan Huntelaar das Thema, das die Gemüter bewegte. Der 37-jährige Stürmer stand am Sonntag nicht im Ajax-Kader beim Klassiker gegen Feyenoord Rotterdam – offiziell wegen einer Wadenverletzung. Inoffiziell wurde die Nicht-Nominierung Huntelaars aber als Indiz dafür gewertet, dass der Wechsel nach Schalke kurz bevorsteht und so einer Verletzung im letzten Moment aus dem Weg gegangen werden soll – ein solches Vorgehen ist in der Branche nicht unüblich.

Huntelaar pausiert gegen Feyenoord

Während Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider im Gespräch mit Sky weiterhin beharrlich jede Aussage zum Thema Huntelaar verweigerte, gingen alle anderen Beteiligten einen großen Schritt weiter. S04-Trainer Christian Gross meinte, „es seien noch ein paar Details“ zu klären und widersprach damit zumindest nicht der „Bild“, die vermeldet hatte, der „Hunter“ habe sich bereits für Schalke entschieden und werde das auch relativ zeitnah öffentlich verkünden.

Während Schalke in Frankfurt natürlich noch ohne Huntelaar klarkommen musste, saß Jovic bei den Hessen zumindest schon einmal auf der Bank und wurde nach 63 Minuten auch eingewechselt. Bei Schalke stand im Vergleich zur Startelf vom 4:0-Sieg gegen Hoffenheim Benito Raman für den verletzten Alessandro Schöpf in der Anfangsformation.

Kolasinac beim 0:1 unglücklich

„Tabellarisch sind wir der Favorit“, hatte Eintracht-Trainer Adi Hütter schon vor dem Spiel vorhergesagt – und dementsprechend legten die Gastgeber auch los. Durch zwei Chancen von Aymen Barkok (3./7.) tasteten sich die Frankfurter, unter der Woche im Pokalspiel bei Bayer Leverkusen mit 1:4 unterlegen, langsam heran. Tiefer durchatmen musste Schalke dann schon in der 24. Minute, als Hinteregger mit einem Kopfball den Pfosten traf. Und vier Minuten später rappelte es dann wirklich in der Schalker Kiste: Sead Kolasinac agierte bei einem Versuch, den Ball aus dem Strafraum zu schlagen, recht unglücklich, irgendwie landete der Ball bei André Silva, der zum 1:0 einschoss.

Es wäre in vielen anderen Schalker Spielen dieser Saison wohl der Anfang vom Ende gewesen. Aber das 4:0 gegen Hoffenheim und das Ende der Sieglos-Serie scheint für neues Selbstbewusstsein gesorgt zu haben. Besonders bei Matthew Hoppe: Der 19-jährige Dreifach-Torschütze vom Hoffenheim-Spiel nutzte nach feinem Zuspiel von Benjamin Stambouli ein Missverständnis zwischen Martin Hinteregger und Eintracht-Torhüter Kevin Trapp zum 1:1 – nur knapp 90 Sekunden nach dem Frankfurter Führungstreffer.

Hoppe traf – und Fährmann hielt. Zusammengefasst das Erfolgsrezept vom ersten Saisonsieg hielt Schalke auch in Frankfurt im Spiel. Gegen Silva (37.) und Erik Durm (42.) parierte der S04-Keeper glänzend. Ganz wichtig, weil es Entlastung nach vorn nun kaum noch gab.

Klub-Rekord eingestellt

Auch nach dem Seitenwechsel machte Frankfurt weiter Druck – aber Schalke, wesentlich stabiler als im bisherigen Saisonverlauf, gelang es nun länger, den Gegner weitestgehend vom Tor fernzuhalten und nun selbst auch ein wenig mitzuspielen. Und genau das wurde Schalke zum Verhängnis: Denn in der 72. Minute startete die Eintracht einen Konter, bei dem Schalke nur noch das Hinterherlaufen blieb – und das Staunen: Perfekte Flanke von Filip Kostic, perfekter Abschluss von Luka Jovic, der den Ball aus acht Metern völlig humorlos zum 2:1 ins Schalker Tornetz drosch – genau dafür hat die Eintracht ihn zurückgeholt.

Nun gelang Schalke das Comeback nicht mehr – in der Nachspielzeit verdarb Jovic Schalke mit seinem Tor zum 3:1 den Abend endgültig.

Ralf Fährmann: „Frankfurt hat verdient gewonnen. Wir haben alles gegeben, was wir haben. Die Eintracht war auch einen Tick cleverer“. Das Fazit von Trainer Christian Gross fiel so aus: „Frankfurt hat uns sehr unter Druck gesetzt und am Ende hat es auch gegen Luka Jovic nicht gereicht. Er hat enorme Qualität. Wir müssen aber auf uns schauen. Wir haben viel zu tun und müssen konzentriert weiterarbeiten. Es ist kein Sprint sondern ein Marathon“.

Die Königsblauen sind nach dieser Niederlage wieder Tabellen-Schlusslicht und haben mit 19 sieglosen Auswärtsspielen in Folge den Vereinsrekord (Ende 1963 bis Anfang 1965) eingestellt.

Aber am Sonntagabend gab es andere Ereignisse, die für die großen Emotionen sorgten. Wenn auch einmal aus einem ganz traurigen Anlass.

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