Schalke 04

Hohe Verluste: Was Schalkes Abstieg die Wirtschaft kosten könnte

Mit einem Bein in Liga zwei: Dr. Jochen Grütters, Leiter des Standorts Emscher-Lippe der IHK, erwartet im Fall des S04-Abstiegs „spürbar negative Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft“.
Zweitliga-Fußball braut sich über der Veltins-Arena zusammen: Schalkes Abstieg würde laut IHK auch die regionale Wirtschaft empfindlich treffen. © dpa

„Ein Abstieg des FC Schalke 04 hätte auch spürbar negative Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft“, prognostiziert Dr. Jochen Grütters, Leiter des Standorts Emscher-Lippe der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen. Hierfür gibt es aus Sicht der IHK insbesondere drei Gründe: 1. es würden weniger Zuschauer in die Veltins-Arena kommen, 2. die Anstoßzeiten in der 2. Liga sind nicht konsumfreundlich und 3. würde der FC Schalke 04 bei einem Abstieg Instandsetzungsmaßnahmen und Investitionstätigkeiten wahrscheinlich auf das notwendige Maß beschränken.

„Mehrere Millionen Euro Verlust“

Wie hoch die Verluste für die regionale Wirtschaft ausfallen würden, lasse sich aber nur schwer beziffern. „Dies hängt auch stark davon ab, wann und unter welchen Voraussetzungen wieder Zuschauer ins Stadion dürfen“, so Grütters. Selbst wenn dies mit Beginn der neuen Saison wieder uneingeschränkt der Fall sein sollte, würde der Abstieg des FC Schalke 04 aber „sicher einen Verlust von mehrere Millionen Euro für die regionale Wirtschaft mit sich bringen“, schätzt Grütters.

„Weniger Fans in der Arena bedeuten auch weniger Gäste in der Stadt und damit auch weniger Umsatz für die regionale Wirtschaft, insbesondere für Gastronomie und Handel,“ lautet die einfache Formel des IHK-Standortleiters. Dass es einen Zuschauerrückgang geben würde, ist aus Sicht der IHK ziemlich sicher, allerdings nicht, wie hoch er tatsächlich ausfallen würde. Die hierzu verfügbaren Statistiken weisen eine große Bandbreite auf. Bei Traditionsvereinen, die einen sofortigen Wiederaufstieg anstreben, ist der Rückgang in der Saison nach dem Abstieg geringer als bei anderen Vereinen.

„Neue“ Gästefans kommen

„Trotz der katastrophalen Saison ist damit zu rechnen, dass die Mehrzahl der Dauerkartenbesitzer ihre Karten in der nächsten Saison behält und es auch Fans geben wird, die frei werdende Dauerkarten übernehmen, auch verbunden mit der Hoffnung dann später eine Dauerkarte für die 1. Liga zu haben“, vermutet Grütters. Es würde sicherlich auch zahlreiche Gästefans geben, die ihre Mannschaft nach Gelsenkirchen begleiten, vor allem von Vereinen, die bisher nicht gegen den FC Schalke gespielt haben.

„Die Arena würde zwar nicht oft ausverkauft sein wie in der Vergangenheit, aber immer sehr gut gefüllt,“ so Grütters. Einen Durchschnitt von über 50.000 Zuschauern hält Grütters für wahrscheinlich, vor allem wenn Schalke wieder attraktiv und erfolgreich spielt. Wenn der Schnitt nicht mehr bei 61.000 Zuschauern, sondern nur noch bei 52.000 Zuschauern liegen würde, würden in der kommenden Saison ca. 150.000 Zuschauer weniger ins Stadion kommen als bisher.

21 „regionale“ Euro pro Zuschauer

Nach einer im letzten Jahr veröffentlichten Studie beträgt der regionale Ertrag für Verzehr und Anreise in der Stadt Bremen je Zuschauer ca. 21 Euro. Der Kauf von Tickets und Fanartikeln blieb bei der Berechnung unberücksichtigt. Übertragen auf die Stadt Gelsenkirchen würde der Rückgang um 150.000 Zuschauer also eine Verminderung des regionalen Ertrags von ca. drei Millionen Euro bedeuten. Die Einnahmen für internationale Spiele entfallen ja ohnehin zusätzlich.

Grütters erwartet zudem, dass sich die Anstoßzeiten in der 2. Liga negativ auf das Konsumverhalten der Fans auswirken würden. Bei einem Spielbeginn samstags um 15.30 Uhr ist ein Stadtbummel mit Mittagessen wahrscheinlicher als bei einem Spielbeginn samstags bzw. sonntags um 13:30 Uhr. Da die Freitagsspiele bereits um 18.30 Uhr beginnen, würden insbesondere Fans mit weiterer Anreise wahrscheinlich ohne einen Abstecher in die Stadt den „direkten Weg“ ins Stadion nehmen, vermutet Grütters. Ein geändertes An- und Abreiseverhalten der Fans würde deshalb zu weiteren Verlusten für die regionale Wirtschaftführen.

Investitionen werden verschoben

Die gravierendsten finanziellen Verluste für den FC Schalke 04 resultieren im Falle eines Abstiegs nach den Erfahrungen anderer Bundesligaabsteiger vor allem aus spürbar geringerenEinnahmen aus TV- und Sponsorengeldern, sowie aus sinkenden Verkaufszahlen bei Fanartikeln und Tickets. „Als Traditionsverein mit hohem Identifikationsfaktor und großem Bekanntheitsgrad würde das Minus wahrscheinlich nicht so extrem ausfallen wie bei anderen Absteigern, aber vor allem die deutlich niedrigeren TV-Einnahmen würden ein beachtliches Loch in die Vereinskasse reißen,“ vermutet Grütters.

Es ist dann damit zu rechnen, dass der FC Schalke 04 genauso reagieren würde wie viele Unternehmen: „Bei wegfallenden Einnahmen wird sofort geprüft, welche Ausgaben eingespart werden können. Alles was nicht zwingend notwendig ist, wird entweder gestrichen oder zumindest verschoben,“ erläutert Grütters. Dies würde sich zusätzlich auf die regionale Wirtschaft auswirken, da zahlreiche regionale Unternehmen auch Auftragnehmer des FC Schalke 04 sind.

„Mehr als ein bedauernswerter Verlust“

„Auch für die regionale Wirtschaft wäre ein Abstieg des FC Schalke 04 mehr als ein bedauernswerter Verlust,“ resümiert der Leiter des IHK-Standorts in Gelsenkirchen.

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