Am Freitagvormittag an der Schalker Geschäftsstelle: Huub Stevens. © dpa
Schalke 04

Huub Stevens und seine ersten Maßnahmen zur Schalker Rettung

Er hat erst gezögert, aber dann doch zugesagt: Huub Stevens ist wieder Trainer des FC Schalke 04. Erste Maßnahmen zur Rettung der Königsblauen hat er bereits getroffen.

Nach der Beurlaubung von Manuel Baum übernimmt Huub Stevens erneut den Trainer-Job auf Schalke – aber nur für zwei Spiele. Mindestens.

auf der Suche nach der richtigen Vokabel verspricht die „Feldherren-Pose“ wohl die größte Trefferwahrscheinlichkeit. Während die Co-Trainer Mike Büskens, Naldo und Onur Cinel die gewöhnliche Trainingsarbeit verrichten, schreitet der 67-Jährige Huub Stevens am Freitagnachmittag mit auf dem Rücken verschränkten Armen über den Platz, macht mit seinem leicht gesenkten Kopf ein nachdenkliches Gesicht. Hier mal ein lautes Lachen, da mal ein Einzelgespräch mit einem Spieler.

Er ist wieder da!

Zum vierten Mal nach 1996, 2011 und 2019 übernimmt Huub Stevens den Trainer-Job auf Schalke, und weil bei den Königsblauen derzeit nichts unmöglich zu sein scheint, kann nicht mal seriös ausgeschlossen werden, dass Stevens länger als die zwei vereinbarten Spiele (heute gegen Bielefeld ohne den angeschlagenen Omar Mascarell und am Dienstag im Pokal gegen Ulm) auf der Schalker Bank sitzt. „Lasst Euch überraschen“, antwortete er auf eine entsprechende Frage – garniert mit einem breiten Grinsen und einem amüsierten Funkeln in den Augen, das Platz für alle möglichen Spekulationen ließ.

„Das blau-weiße Herz schlägt noch“

Er ist also wieder da. Tatsächlich. Dabei hatte er es selbst ausgeschlossen. Nach seiner erfolgreichen Rettungsmission 2019, die ihn viele Körner gekostet und seinem Kardiologen zusätzliche Arbeit verschafft hatte, wollte Huub Stevens „nie wieder“ auf einer Trainerbank sitzen – daran hatte er im Interview mit den Ruhr Nachrichten im Frühjahr 2019 keinen Zweifel gelassen. Da könne kommen, was wolle.

Was nun kam, waren so nicht zu erwartende Probleme „seines“ FC Schalke 04 und die Bitte von Sportvorstand Jochen Schneider, doch noch einmal einzuspringen. Und wenn es um Schalke geht, wird auch ein in der Branche als „harter Hund“ geltender Haudegen wie Stevens butterweich: „Das blau-weiße Herz schlägt noch.“ Ganz spontan, so Schneider, habe Stevens zugesagt.

„Spaß vermitteln“

Das ist die offizielle Version sie klingt auch besser als die, die noch am Donnerstagnachmittag kursierte. Stevens soll nach Informationen unserer Zeitung zunächst nicht bereit gewesen sein, Schneider und Schalke erneut aus der Patsche zu helfen. In der steckt Schalke bis zum Hals.

Die 0:2-Niederlage gegen den SC Freiburg war der letzte noch fehlende Beleg dafür, dass Schneiders Idee, Manuel Baum als Trainer für den beurlaubten David Wagner zu verpflichten, ein Fehlgriff war. „Die Überzeugung“, so Schneider, mit Baum noch die Kurve zu kriegen, „hat am Ende gefehlt.“ Baum habe sehr akribisch gearbeitet und sei auch menschlich ein ganz feiner Kerl – die für derlei Sentimentalitäten gar nicht empfängliche Bundesliga-Tabelle schleudert diesen warmen Worten brutales Zahlenwerk entgegen: Baum holte in zehn Spielen ganze vier Punkte. Mal 15 gute Minuten hier, mal ordentliche 20 Minuten dort – es gab immer mal kurze Momente der Hoffnung, der komplette Systemausfall gegen Freiburg beschleunigte dann aber die Notwendigkeit der Trennung von Baum und den panischen Griff nach einem möglichst nahe liegenden Rettungsanker.

Voller Tatendrang

Und nichts lag näher, als Huub Stevens vom Rentner-Dasein wieder auf die Trainerbank zu befördern. Am Donnerstagabend war man sich offenbar einig, und während am Freitagvormittag noch diverse Dementis von Friedhelm Funkel („Ich bin und bleibe Rentner“) veröffentlicht wurden, war Huub Stevens schon voller Tatendrang auf dem Schalker Vereinsgelände aktiv.

Stevens sprach mit Vorgänger Manuel Baum („Er war sehr angefasst. Aber das ist doch auch klar. Denn er wollte hier ja etwas bewegen“), dann knöpfte er sich gemeinsam mit Jochen Schneider die Mannschaft vor. 90 Minuten lang wurde der Ernst der Lage noch einmal thematisiert, den Stevens auch danach bei einer virtuellen Pressekonferenz ansprach. Vertrauen in die Mannschaft habe er allerdings – es ginge für ihn, den neuen Co-Trainer Mike Büskens (er gehörte schon 2019, damals mit Gerald Asamoah, zum Rettungs-Trupp der Königsblauen) und den anderen Mitgliedern des Trainer-Stabs nun erst mal darum, der erkennbar verunsicherten und zurecht hart kritisierten Mannschaft „wieder Spaß und Selbstvertrauen“ zu vermitteln. „Und dafür haben wir so unsere Methoden.“

Mission Dienstag beendet

Als Stevens so tat, als wäre er nie wirklich weg gewesen, saß Jochen Schneider neben ihm im Arena-Medienraum und vermittelte so ziemlich nichts, was sich mit „Spaß“ und „Selbstvertrauen“ in Verbindung bringen lassen könnte. Er gerät nun immer mehr in die Kritik – aktuell zahlt Schalke mit Wagner, Baum und nun auch Stevens bzw. dessen Nachfolger drei Trainer. Das ist, für diese Bewertung reicht die Kenntnnis der Grundrechenarten aus, sicherlich nicht förderlich für einen finanziell ohnehin klammen Verein.

Natürlich ist die Rückkehr von Stevens ein Paukenschlag, ihm gehören die Schlagzeilen – und dann? Was passiert, wenn der Limburger wieder von der Trainerbank in den Aufsichtsrat (aktuell muss er sein Mandat ruhen lassen) zurückkehrt? Schneider gibt sich unwirsch bedeckt. Zunächst einmal muss es seine sportliche Lebensversicherung Huub Stevens richten – so wie 2019.

„Ich brenne!“

Um dessen Motivation müsse sich niemand sorgen: „Ich brenne!“ Seine Aufgabe sei nun aber schwerer als 2019: „Weil wir jetzt Letzter sind.“

„Frohe Weihnachten“ habe ihm Ehefrau Toos gewünscht, als er Schalke zugesagt hatte. Dabei ist Huub Stevens dann doch wieder zuhause. „Feldherr“ ist er nur noch bis Dienstag. Wahrscheinlich.

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