Traf viele falsche Entscheidungen, ist aber nicht der Hauptschuldige für die Schalker Misere: Christian Heidel. © dpa
S04-Kommentar

Ist Christian Heidel der Hauptschuldige der Schalker Misere?

In der Diskussion, wer der Hauptschuldige für den Niedergang des FC Schalke 04 ist, fällt oft der Name Christian Heidel. Doch diese Sichtweise greift zu kurz. Ein Kommentar.

Kein Zweifel: Christian Heidel hat in seiner Managerzeit beim FC Schalke 04 bei der Kaderplanung oft daneben gelegen. Nabil Bentaleb, Hamza Mendyl oder Sebastian Rudy haben weder sportlich noch menschlich zum FC Schalke 04 gepasst. Heidel aber zum Hauptschuldigen für die desaströse Schalker Entwicklung zu erklären, ist verfehlt.

Sein Nachfolger Jochen Schneider hat weit größeren Anteil an der negativen Entwicklung. Er hatte drei Transferperioden Zeit, um die Fehler von Heidel zu korrigieren. Heute muss man sagen: Es ist alles noch viel schlimmer geworden. In allen Mannschaftsteilen haben die Königsblauen so gravierende Defizite, dass der letzte Tabellenplatz in der Bundesliga kein Zufall ist.

Fehlgriffe in der Transferpolitik

Die Fehlgriffe in der Transferpolitik von Schneider haben mittlerweile die Größe einer Fußballmannschaft erreicht. Dass es außerdem nicht gelang, Daniel Caligiuri zu halten, dafür aber Bastian Oczipka und Benjamin Stambouli mit Dreijahresverträgen ausgestattet wurden, sorgte nicht nur bei professionellen Beobachtern für absolutes Unverständnis.

Noch schlimmer war das zu lange Festhalten an Trainer David Wagner, was dazu führte, dass sein Nachfolger Manuel Baum sozusagen ins kalte Wasser geschmissen wurde, wo er ertrank.

Immer brav abgenickt

Aber Schneider war im Vorstand nicht allein. Auch der im Sommer angeblich freiwillig aus dem Amt gegangene Finanz-Chef Peter Peters hat seinen Teil zum Schalke-Desaster beigetragen. Bei allen Verdiensten, die der Multi-Funktionär um Schalke haben mag, wer als Finanzchef den risikoreichen Kurs der vergangenen Jahre fast immer brav abgenickt hat, gehört auch in die Reihe derjenigen, die versagt haben.

Die Corona-Pandemie deckte die Bankrotterklärung des damaligen Führungstrios auf. Sie war nicht der Auslöser, sondern verstärkte nur den sich abzeichnenden finanziellen Harakiri-Kurs. Der auch bei der letzten Bilanz-Pressekonferenz von Peters mehrfach wiederholte Satz „Wir fahren auf Sicht“ hatte mit der Realität absolut gar nichts zu tun.

Peters mischt kräftig mit

Aber Peters schaffte im Sommer rechtzeitig den Absprung und mischt weiter kräftig im DFB und in der DFL mit. Im Frühjahr 2021 will er sich sogar in ein FIFA-Gremium wählen lassen. Erstaunlich, welche Karrieren in der Fußball-Branche möglich sind.

Marketing-Vorstand Alexander Jobst ist dagegen auf Schalke noch in Amt und Würden. Selbst seine schärfsten Kritiker bescheinigen ihm in seinem Kerngeschäft herausragende Arbeit. Aber auch der 47-Jährige muss sich den Vorwurf gefallen lassen, die Risiken der Vereinspolitik ignoriert zu haben.

Erhebliche Mitschuld

„Die Wette in die Zukunft haben wir in den vergangenen Jahren mehrfach verloren,“ sagte Jobst im Juli auf einer Pressekonferenz. Vereinspolitik als Glücksspiel. Da darf man sich nicht wundern, wo der FC Schalke 04 heute steht.

Fazit: Heidel hat seinen Teil zur Misere beigetragen, aber die Herren Schneider, Peters und Jobst tragen eine erhebliche Mitschuld.

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