Noch gab es keinen direkten Kontakt: Dabei würde Rafinha (r., hier im Bayern-Trikot gegen Schalke) doch gut in die Schalker Legenden-Elf passen. © dpa
Schalke 04

Kolasinac, Huntelaar und Co.? Vorwärts in die Schalker Vergangenheit

Im Kampf um den Klassenerhalt setzt Schalke auf Spieler, die sich mit dem Klub identifizieren. Auch deshalb machte Trainer Gross Kolasinac zum Kapitän und schwärmt von Huntelaar.

Am Sonntag (18 Uhr/Sky) spielt der FC Schalke 04 bei Eintracht Frankfurt, aber wer rund um die Ereignisse bei den Königsblauen mitreden wollte, der beobachtete am Donnerstagabend ganz genau, was in Enschede passierte. Dort überschlugen sich im Stadion „De Grolsch Veste“ beinahe die Ereignisse.

Zunächst bestätigte Erik ten Hag, Trainer von Ajax Amsterdam, das Schalker Interesse an Klaas-Jan Huntelaar. Der legte ungefähr anderthalb Stunden später einen Rekord-Auftritt hin: Weil Twente Enschede gegen Ajax kurz vor Schluss das 1:1 erzielt hatte, musste der „Hunter“ noch einmal ran. Eingewechselt in der 89. Minute, traf er in der 90. Minute zum 1:2 und eine Minute später zum 1:3-Endstand. So etwas gab es in der Eredivisie in so kurzer Zeit noch nie. Kann Ajax so einen Mann denn überhaupt gehen lassen?

„Sonst hätte er nicht gefragt“

Huntelaar glaubt: Ja. Er hat sich beim Management von Ajax Amsterdam schon erkundigt, und genau das ist für Youri Mulder auch das stichhaltigste Argument dafür, dass es mit der Rückkehr von Huntelaar nach Schalke klappen wird. Mulder kennt als TV-Experte den niederländischen Fußball und die Chefetage von Ajax, aus eigener Erfahrung weiß der Schalker Eurofighter, wie Profis ticken. „Wenn Klaas-Jan kein Interesse an einer Rückkehr nach Schalke hätte“, schlussfolgerte Mulder bei Sky, „hätte er das Ajax-Management ja gar nicht erst gefragt“.

Nun ist also einzig und allein Huntelaar am Zug. Vielleicht noch einmal Meister mit Ajax werden oder Schalke im Abstiegskampf helfen? „Eine Bauchentscheidung“ sei es, so Huntelaar. Beide Klubs seien ihm ans Herz gewachsen, für Schalke habe er sieben und für Ajax sechseinhalb Jahre gespielt. Immerhin ließ der 37-Jährige durchblicken, dass Schalke seine Hilfe wohl ein bisschen mehr benötigen würde. Daran besteht tatsächlich kein Zweifel.

Gross: „Das wäre fantastisch“

Denn trotz des 4:0-Sieges gegen Hoffenheim schwebt Schalke in Abstiegsgefahr. Die Rezeptur, die im Kampf um den Klassenerhalt helfen soll, wird spätestens durch das Werben um Klaas-Jan Huntelaar deutlich: Vorwärts in die Vergangenheit. Erst Sead Kolasinac, jetzt Huntelaar – die alten und besseren Zeiten werden beschworen, um eine Zukunft in der Ersten Liga zu haben.

Schalkes Trainer Christian Gross kann sich mit diesem Konzept anfreunden. Er hat Sead Kolasinac zum Kapitän gemacht und schwärmt auch von Huntelaar. Wenn sich ein Spieler von der Qualität und mit der Mentalität eines Klaas-Jan Huntelaar noch einmal voll für Schalke reinhängen würde, so Gross, „wäre das fantastisch“. Spieler wie er und Kolasinac würden sich total mit dem Verein identifizieren, sie seien mit dem Schalke-Virus „infiziert“.

Rein sportlich könnte Huntelaar „uns sicherlich in vielen Situationen helfen“, glaubt Gross. Außerdem könne ein junger Spieler wie Matthew Hoppe garantiert eine Menge von Huntelaar lernen.

Hoppe beim Training…

Womit Gross den Blick wieder auf die Gegenwart richtet. Nach dem Ende der Sieglos-Serie ist der erfahrene Trainer bemüht, die Balance zwischen Euphorie und der erforderlichen Demut gegenüber dem noch langen Weg zu halten. Sein knochentrockener Humor nährt die Hoffnung, dass ihm das im Umgang mit der Mannschaft gelingt. Angesichts des Hypes um den Dreifach-Torschützen Matthew Hoppe, so Gross, „war ich froh, dass er am Dienstag beim Training und nicht schon in Hollywood war…“

Irgendwo zwischen Enschede und Hollywood liegt am Sonntag also Frankfurt, und auch die Eintracht setzt auf einen „Ehemaligen“: Von Real Madrid wurde Stürmer Luka Jovic ausgeliehen, er könnte schon gegen Schalke spielen. Aber Gross hat auch so enormen Respekt vor Frankfurt: „Sie haben einen sehr guten Trainer, eine sehr erfahrene Mannschaft und vor allem eine sehr kompakte Abwehr.“

…und nicht in Hollywood

In der gibt David Abraham am Sonntag seine Abschiedsvorstellung bei der Eintracht – ausgerechnet gegen Christian Gross, der beim FC Basel Trainer des Argentiniers war. Gross freut sich auf das Wiedersehen: „Aber viel mitbringen werde ich ihm zu seinem letzten Spiel nicht. Das muss die Eintracht schon selbst übernehmen.“

Gegenüber dem Spiel gegen Hoffenheim muss Schalke auf den verletzten Alessandro Schöpf verzichten, auch Nassim Boujellab fehlt noch – ob Omar Mascarell und Salif Sané mitspielen können, ist noch fraglich. Gross setzt darauf, dass beispielsweise die Top-Leistung von Amine Harit gegen Hoffenheim keine Eintagsfliege war: „Er ist sicher noch nicht der König von Marokko. Aber ich nenne ihn jetzt schon mal den Prinzen von Marokko“. Gleichzeitig mahnt Gross an, „dass wir auch mit Rückschlägen werden klarkommen müssen“.

(Noch) kein Kontakt zu Rafinha

Einen Rückschlag gab es für die Romantiker, die sich jetzt noch mehr der „alten Recken“ zurückwünschen, am Freitagnachmittag. Eine Rückkehr von Rafinha, so dementierte Schalke flugs eine Bild-Meldung, sei kein Thema. Es habe auch keinen Kontakt gegeben, zumindest nicht direkt zwischen Rafinha bzw. dessen Berater und Schalke. Kevin Kuranyi, ebenfalls ein Ex-Schalker, soll laut Sky den Namen Rafinha ins Gespräch gebracht haben.

Dabei wäre Rafinha als weiteres Element der Schalker Legenden-Elf gar nicht so abwegig: Schalke sucht einen Rechtsverteidiger. Und Rafinha, bei Olympiakos Piräus unter Vertrag, ist erst 35.

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