Längst nicht in Bestform: Matija Nastasic. © dpa
Schalke 04

Matija Nastasic – ein Gesicht der Schalker Krise

Öffentliche Kritik hat er bisher kaum einstecken müssen, obwohl auch er ein Gesicht der Schalker Krise ist: Verteidiger Matija Nastasic.

Man muss schon das Langzeitgedächtnis bemühen, um zu ermitteln, wann der Innenverteidiger zuletzt eine so überzeugende Leistung geboten hat, dass darüber danach auch lobend gesprochen wurde. Orientiert man sich an den Spielernoten des Fachmagazins „Kicker“ muss es der erste Spieltag der Saison 2019/2020 gewesen sein, wo Nastasic zuletzt eine gute Leistung bescheinigt wurde. Beim 0:0 in Mönchengladbach bekam er die Note 2,5.

Lange Zeit war der Serbe, der 2015 zu den Königsblauen wechselte, eine verlässliche Größe bei den Königsblauen. Nastasic spielte nicht spektakulär, aber solide und schnörkellos. Das Toreschießen hat er zwar nicht erfunden – in 156 Pflichtspielen für die Königsblauen gelangen ihm nur zwei Treffer – aber das gehört für einen Verteidiger nicht zur Kernkompetenz.

Kritik von Klaus Fischer

Viel mehr sind Zweikampfstärke, Durchsetzungskraft und eine gute Spieleröffnung gefordert. Doch das sind alles Kategorien, in den der 27-Jährige extrem nachgelassen hat. Von den 14 Gegentoren nach Standards in dieser Spielzeit gab es eine große Anzahl, bei denen Nastasic mittel- oder unmittelbar beteiligt war. Schalkes Torjäger-Legende Klaus Fischer schimpfte unlängst im Gespräch mit dieser Zeitung: „Ich stelle mir schon die Frage, warum Matija Nastasic offenbar zum Schalker Stammpersonal in der Innenverteidigung gehört.“

Fischer brachte es auf die Palme, dass beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg dem jungen Malick Thiaw das erste Gegentor von vielen Beobachtern in die Schuhe geschoben wurde, obwohl nach seiner Meinung Nastasic nicht aufgepasst hatte.

Offener Brief vom Vorstand

Dennoch genießt der Serbe auch bei Schalke-Trainer Manuel Baum offenbar großes Vertrauen. Gegen Leverkusen fehlte Nastasic wegen eines Magen-Darm-Infekts.

In den bald sechs Jahren, in denen der Defensivspezialist für Schalke spielt, gab es immer wieder Wechselgerüchte. Doch konkret wurde offenbar nie verhandelt. Zu seinem fünfjährigen Vereinsjubiläum auf Schalke betonte der Serbe, dass ihm der Klub ans Herz gewachsen ist: „Ich habe Schalke 04 viel zu verdanken“. Sein Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2022.

Mascarell gibt sich kämpferisch

So lange läuft auch noch der Kontrakt von Omar Mascarell. Ähnlich wie Nastasic läuft der Schalker Kapitän seiner Bestform weit hinterher. Am Donnerstag gab sich der Spanier kämpferisch: „Für uns gibt es jetzt nur noch Endspiele,“ betonte Mascarell. Besonders für die jungen Spieler sei es schwierig, mit dieser Situation umzugehen. Mascarell: „Deshalb muss jeder für jeden kämpfen“.

Das fordert auch der Schalker Vorstand in einem eindringlichen Brief an Fans und Mitglieder. „Dass wir seit 26 Spielen nicht mehr gewonnen haben, schmerzt uns alle unendlich“, schreibt der Verein und gesteht: „In den letzten Jahren sind unbestritten vor allem sportlich und finanzpolitisch einige schmerzhafte Fehler gemacht worden.“

Kritik an Teilen der Fans

Doch auch Schalke kritisiert einige Teile der Fans. Zwar habe der Klub „volles Verständnis für euren Unmut über die derzeitige Situation. Ihr habt jedes Recht, zu kritisieren und auch mal lautstark zu schimpfen.“ Allerdings sei „eine Grenze überschritten, wenn Einzelne namentlich zum Buhmann ausgerufen oder zum Alleinschuldigen erklärt werden sollen“. Damit ist Marketing-Vorstand Alexander Jobst gemeint, der auf Plakaten indirekt zum Rücktritt aufgefordert wurde.

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