Endstation Koen Casteels: Am Wolfsburger Torhüter kamen Schalkes Stürmer (hier Matthew Hoppe) nicht vorbei. © dpa
Schalke 04

Mit dem Mut der Verzweiflung: So schöpft Schalke neue Hoffnung

Das unglückliche Pokal-Aus in Wolfsburg soll als Motivations-Spritze für den schweren Kampf um den Klassenerhalt dienen. „Schonzeit“ für Huntelaar könnte am Samstag vorbei sein.

Es war ein Spiel für die Visitenkarte, und Amine Harit schien als einer der ersten Schalker begriffen zu haben, dass er sich vorerst keine neuen drucken lassen muss. Mit Tränen in den Augen, das Trikot über sein Gesicht gezogen, verließ er, getröstet von Co-Trainer Naldo, den Rasen der Wolfsburger Volkswagen-Arena und twitterte noch am späten Abend geradezu Philosophisches in die Welt: „Wenn die Dinge am Schlimmsten stehen und nichts seinen Weg geht: Vertraue darauf, dass dies dich eines Tages nur noch stärker macht.“

Elfmeter-Pfiff schnell abhaken

Auf den Visitenkarten der Spieler, so hatte Schalkes Trainer Christian Gross die Bedeutung des Pokal-Achtelfinalspiels in Wolfsburg beschrieben, sollten nicht länger nur deren Handy-Nummern und E-Mail-Anschriften stehen. Der Pokalsieg 2021 wird nun definitiv nicht als Zusatz dort auftauchen – dass die Hoffnungen darauf bereits im Achtelfinale begraben werden mussten, lag zum einen an einer äußert umstrittenen Elfmeter-Entscheidung gegen Schalke, zum anderen aber auch daran, dass die Königsblauen drei Großchancen (zweimal Hoppe, einmal Uth) nicht nutzten. „Uns ist das Entscheidende nicht gelungen – nämlich Tore zu erzielen“, bilanzierte Gross ganz sachlich.

Groß aufhalten mit dem fragwürdigen Elfmeter-Pfiff wollte sich Schalke nicht. „Den kann man geben, muss man aber nicht“, hakte auch Torhüter Ralf Fährmann die spielentscheidende Szene bei der 0:1-Niederlage erstaunlich schnell ab. Es gilt, keine Energie zu verschwenden, nicht mal mental. Alle vorhandenen Kräfte sollen für den Kampf um den Bundesliga-Klassenerhalt mobilisiert werden. Im Prinzip fing Gross damit schon in Wolfsburg an.

Mustafi noch in Quarantäne

Denn Klaas-Jan Huntelaar saß wegen seiner Wadenprobleme nicht mal auf der Bank, Kapitän Sead Kolasinac wurde, obwohl gut unterwegs, schon nach einer Stunde ausgewechselt – eine Vorsichtsmaßnahme. Sowohl Huntelaar als auch Kolasinac sollen am Samstag gegen Leipzig von Beginn an zur Verfügung stehen, Last-Minute-Zugang Shkodran Mustafi bleibt noch bis Freitag in Quarantäne (Einsatz am Samstag gegen Leipzig also fraglich).

Bei Huntelaar wäre eine Startelf-Nominierung der beste Konter auf die Mutmaßungen beispielsweise von Sport1-Co-Kommentator Stefan Effenberg, beim „Hunter“ müsse es ja wohl ein bisschen mehr als „nur ein Zwicken in der Wade sein“.

Zwickt die Wade nur?

Ob Huntelaar eine der Großchancen in Wolfsburg genutzt hätte, lässt sich nur vermuten. Fakt ist, dass Schalke gegen eine Mannschaft, die den Königsblauen in der Bundesliga beim 2:0-Sieg noch haushoch überlegen war, nun auf Augenhöhe begegnete. Endlich zeigte Schalke nicht nur über 15 oder 20 Minuten oder nur in der ersten Halbzeit (wie in Bremen) eine ansprechende Leistung – die konstant guten 90 Minuten machen tatsächlich so etwas wie neuen Mut.

Zumal sich auch vor Wochen für die Bundesliga noch zu leicht befundene Spieler wie Timo Becker erfreulich entwickeln – der Rechtsverteidiger war in Wolfsburg einer der besten Schalker und ebnet den Weg dafür, dass Neuzugang William eine offensive Rolle auf der Außenbahn spielen kann.

Becker als gutes Beispiel

Schalke schöpft trotz des Ausscheidens also neuen Mut, der allerdings auch getränkt ist von Verzweiflung: Denn wie reagiert die nervlich angeschlagene Mannschaft darauf, dass auch gute Spiele wie in Wolfsburg nicht gewonnen werden?

Vielleicht macht sie diese Erfahrung, wie Amine Harit vermutet, ja wirklich stärker. Das Wolfsburg-Spiel soll als Motivations-Spritze dafür dienen, das „königsblaue Wunder“ doch noch zu schaffen. „Absteiger“ sähe auf der Visitenkarte ja auch irgendwie blöd aus.

Über den Autor
freier Mitarbeiter

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.