Verzweifelt: Ahmed Kutucu. © dpa
Schalke 04

Pokalerfolg gegen Ulm soll Schalke 04 als kleiner Mutmacher dienen

Weil das Heimrecht getauscht wurde, empfängt Schalke den Regionalligisten SSV Ulm in der Veltins-Arena. Die Stimmung bei den Königsblauen ist auf dem Tiefpunkt.

Es gibt sie noch, Gegner, die dem FC Schalke 04 die Favoritenrolle zubilligen. So sagte Ulms Trainer Holger Bachtaler vor dem heutigen Pokalspiel in der Veltins-Arena (18.30 Uhr/Sky): „Ich glaube nicht, dass die derzeitige sportliche Situation auf Schalke großen Einfluss auf das Spiel haben wird und die Aufgabe deshalb für uns leichter wird. Schalke 04 verfügt über einen qualitativ sehr gut besetzten Kader und spielt in der Bundesliga. Wir werden immer als klarer Underdog ins Spiel gehen“.

Ob diese Einschätzung auch heute Abend noch gilt? Dieser Schalker Mannschaft ist mittlerweile sogar zuzutrauen, selbst gegen einen Regionalligisten zu scheitern. Wer 29 Bundesligaspiele in Folge nicht gewinnen kann, für den wird auch die Partie gegen Ulm kein Selbstläufer.

„Die Jungs sind am Boden“

Hinzu kommt die mentale Komponente, die Interimstrainer Huub Stevens am Montag auch klar auf den Punkt brachte: „Die Jungs sind am Boden“.

Selbst das Weiterkommen im Pokal wird Schalke kaum helfen können, aus der desaströsen Gesamtlage mit neuem Mut in das Jahr 2021 zu gehen. Vor allem die finanziellen Folgen des sportlichen Niedergangs werden so einschneidend sein, wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Unabhängig davon, ob die Königsblauen den Klassenerhalt noch schaffen können, fällt der Kassensturz am Ende des Jahres bereits katastrophal aus. Zwei Trainer (David Wagner und Manuel Baum) stehen noch auf der Gehaltsliste, ein Dritter soll frühestens vor Weihnachten hinzukommen. Dieser soll zwar nur ein niedriges Grundgehalt erhalten, aber dafür eine hohe Erfolgsprämie, wenn Schalke wider Erwarten doch noch Bundesligist bleiben sollte.

Lizenz in Gefahr?

Viel Geld geht Schalke auch durch die Lappen, weil die meisten Sponsorenverträge auch Erfolgsboni enthalten, die Schalke durch den letzten Tabellenplatz in der Bundesliga ganz deutlich verfehlt hat. Dies gilt auch für die Fernsehgelder, die teilweise auch an die aktuellen Platzierungen in der Bundesliga gekoppelt sind. Auch in dieser Hinsicht verlieren die Blau-Weißen in dieser Saison sehr viel Geld.

Sollte Schalke in die 2. Liga absteigen, müsste zunächst um die Lizenz gekämpft werden. Denn bei einem Schuldenstand von 240 Millionen Euro ist es keineswegs ausgemacht, dass Schalke ohne Probleme die Lizenz bekommt. Vor allem bei den Fernsehgeldern ist dann mit einem Minus von bis zu 35 Millionen Euro zu rechnen.

Sünden der Vergangenheit

Schalke wäre gezwungen, einige Leistungsträger zu verkaufen, denn Sponsoren- und Zuschauereinnahmen würden ebenfalls deutlich sinken. Der Personaletat für den Lizenzspieler-Kader müsste drastisch zurückgefahren werden.

Der finanzielle Handlungsspielraum wird weiterhin eingeschränkt durch zwei Fananleihen, die Schalke unabhängig von seiner Ligazugehörigkeit zurückzahlen muss. 2021 werden 16 Millionen Euro fällig, 2023 sogar 34 Millionen Euro. Allein für die zweite Anleihe müssen die Königsblauen jährlich bis zu 1,7 Millionen Euro Zinsen zahlen. Dies würde bei einem Abstieg in die 2. Liga noch schwerer wiegen.

Dieses sich abzeichnende finanzielle Desaster ist der viel zu risikoreichen Vereinspolitik der vergangenen Jahre geschuldet. Die Sünden der Vergangenheit kommen zum Vorschein. Deshalb zählt für Schalke jeder Euro, sodass das Überwintern im DFB-Pokal große Bedeutung hat.

„Jeder Moment kann wichtig sein“

Das sieht auch Huub Stevens so, der heute Abend das letzte Mal auf der Schalker Bank Platz nehmen wird. „Jetzt kann jeder Moment wichtig sein, um aus dem Tief herauszukommen. Die Mannschaft, die aufläuft, muss noch mal alles geben“, forderte der 67-Jährige, wohlwissend, dass ein Erfolgserlebnis für Schalke 04 längst nicht ausreicht. Denn Stevens ergänzte: „So einfach ist es nicht. Du musst mehrere Siege erkämpfen, um eine Serie zu starten. Ich hoffe, dass die Jungs es als Chance sehen, das 2020-Geschehen hinter sich zu lassen. Noch sind genügend Spiele da.“

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