Unter starkem Erfolgsdruck: Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider. © dpa
Schalke 04

Schalke 04 schwankt zwischen Entsetzen und Ratlosigkeit

Die 0:2-Niederlage gegen den SC Freiburg hat beim FC Schalke 04 tiefe Spuren hinterlassen. Die Stimmungslage schwankt zwischen Entsetzen und Ratlosigkeit. Ehemalige Schalker wollen helfen.

Mit Schalke, so Manuel Baum kurz nach seinem Amtsantritt, sei es wie mit einer neu gekauften Ketchup-Flasche: Man müsse halt ein paar Mal kräftig schütteln und draufdrücken, dann würde irgendwann auch mal was rauskommen.

Seit zweieinhalb Monaten drückt Baum – um im Bild zu bleiben – auf diese Flasche, ein paar Kleckse sind immerhin auf dem Teller gelandet, mehr aber noch nicht. Weil Baum mittlerweile feststellen musste, dass in der Flasche gar nichts drin ist und sie obendrein auch noch verschlossen ist.

Nachfolge-Kandidaten für Baum werden schon diskutiert

Flasche leer, Deckel drauf – zwar hat sich tabellarisch gar nicht so viel für Schalke verändert (der Abstand zum ersten Nicht-Abstiegsplatz ist gleich geblieben), dennoch hat die fürchterliche Vorstellung bei der 0:2-Niederlage gegen den SC Freiburg deutlich gemacht, dass gut gemeinte Solidaritäts-Videos vieler Fans und persönliche Motivations-Ansprachen der Ultras dann nicht ausreichen, wenn eine Fußball-Mannschaft einfachsten Qualitätsansprüchen nicht genügt.

Spätestens seit Mittwochabend bewegt sich Schalke in einem Spannungsfeld zwischen Entsetzen und Ratlosigkeit. Dieser Mannschaft, und der Trainer gehört dazu, traut nun kaum noch jemand irgendetwas zu. Selbst mit einem Sieg gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld am Samstag wäre eine nachhaltige Aufholjagd in dieser Verfassung reine Utopie.

Kein Geld für Verstärkungen

Hinter den Kulissen wird daher schon an diversen Notfall-Szenarien gearbeitet. Eine Gruppe ehemaliger Schalker Spieler hat sogar bereits vor einiger Zeit mit dem Aufsichtsrat gesprochen und Hilfe angeboten. Das nun mehr denn je geforderte Kontrollgremium ist offenbar aber noch unschlüssig, diese Unterstützung anzunehmen.

Gegen Bielefeld soll Manuel Baum zwar noch auf der Schalker Trainerbank sitzen, der aktuellen Situation geschuldet geistern allerdings schon mehrere Nachfolger-Kandidaten durch die derzeit dicke königsblaue Luft. Eine logische Lösung wäre Friedhelm Funkel – nach seiner Beurlaubung bei Fortuna Düsseldorf hätte er Zeit und, nicht ganz unwichtig, jede Menge Erfahrung im Abstiegskampf. Die fehlt Dimitrios Grammozis zwar in der Bundesliga noch, trotzdem galt der gebürtige Wuppertaler nach seiner Zeit bei Darmstadt 98 schon als „heiße Aktie“, als sich Schalke nach der Trennung von David Wagner für Baum entschied.

Im Teufelskreis

Sogar eine Rückkehr von Domenico Tedesco könnten sich einige S04-Fans vorstellen, und über Namen wie Peter Neururer wird zumindest im Netz mittlerweile ernsthafter diskutiert als noch vor Monaten. Huub Stevens soll vorsorglich bereits abgewunken haben – der Niederländer, der Schalke in der vorletzten Saison vor dem Abstieg gerettet hatte, bleibt seinem im Ruhr-Nachrichten-Interview im Frühjahr 2019 gegebenen Versprechen, nicht mehr auf die Trainerbank zurückkehren zu wollen, offenbar treu.

Wie auch immer es in der Trainerfrage weitergeht: Jede Lösung, die nicht Baum heißt, kostet neues Geld. Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers soll bereits angekündigt haben, dass nichts da ist. Muss Schalke in der kurzen Winterpause also vielleicht einen Spieler verkaufen, um einen neuen Trainer zu finanzieren? Wenn überhaupt, hätte ein solcher Erlös in dringend notwendige Verstärkungen investiert werden sollen.

Neue Kicker dringend nötig

Denn darüber gibt es kaum noch eine zweite Meinung: Schalke braucht neues kickendes Personal, um die Kurve noch irgendwie zu kriegen. Und zwar richtige Verstärkungen, keine Ergänzungsspieler. Das kann, wenn überhaupt, nur durch Leihgeschäfte funktionieren. Aber welcher gute Spieler kommt zu einem abgeschlagenen Schlusslicht?

Ein Teufelskreis. Mittendrin: Jochen Schneider, selbst höchst umstritten. Der Sportvorstand muss nun die Frage klären: Würde ein anderer Trainer mehr aus dieser Ketchup-Flasche herausholen, bei der es mit „kräftig drücken“ nicht mehr getan ist?

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