Frust pur bei den Schalkern Omar Mascarell, Ralf Fährmann und Suat Serdar (v. l.). © dpa
Schalke 04

Schalke 04 spielt gegen den SC Freiburg wie ein Absteiger

Schlusslicht Schalke verliert gegen den SC Freiburg mit 0:2 (0:0) – und räumt mit dem Vorurteil auf, die Mannschaft hätte Fortschritte gemacht.

Nur weg, ganz schnell weg. Raschen Schrittes und trotz der Nasen-Mund-Maske erkennbar konsterniert verließ Dr. Jens Buchta unmittelbar nach dem Schlusspfiff die Veltins-Arena. Schalke hatte gerade mit 0:2 gegen den SC Freiburg verloren und der Aufsichtsratschef der Königsblauen wusste spätestens nach dieser Niederlage, dass Schalke sich mit dem Szenario Zweite Liga beschäftigen muss – und das nicht nur, weil die Deutsche Fußball-Liga (DFL) das von einem Tabellenletzten in diesem Saisonstadium für die Lizenzierung ohnehin verlangt.

Denn die Frage, wie die Mannschaft von Trainer Manuel Baum das Tabellenende geschweige denn den Tabellenkeller verlassen will, wird niemand mit einer seriösen Prognose beantworten können. Wer auch immer zuletzt bei Schalke Fortschritte vermutet hatte – gegen Freiburg stellte die Mannschaft eindrucksvoll klar, dass das nur ein Vorurteil gewesen sein kann, mit dem nun aufgeräumt wurde. Denn aus dem „Wir-sind-jetzt-nah-dran-an-einem-Sieg“-Gefühl wurde eine „Ganz-weit-weg“-Leistung. Schalke spielte, anders lässt es sich kaum formulieren, wie ein Absteiger.

Zweite Hälfte ganz schwach

Die maximale Ausbeute aus den beiden Heimspielen gegen Freiburg und am Samstag gegen Bielefeld sollte und im Prinzip musste es auch werden – stattdessen gab es nun den nächsten Tiefpunkt in einem an Tiefpunkten für Schalke so reichen Jahr. War die erste Spielhälfte auf beiden Seiten noch geprägt von der größeren Angst vor dem Verlieren als der Lust aufs Gewinnen – was sich in einem ermüdenden Sicherheits-Ballgeschiebe äußerte – schaffte es Schalke, einer schwachen ersten Halbzeit eine unterirdische zweite Hälfte folgen zu lassen. Die beiden Freiburger Tore durch Roland Sallai (50./68.) waren Nackenschläge für die Optimisten, die Schalke zumindest in Sachen Defensiv-Stabilität auf dem richtigen Weg sahen.

Dabei wäre Stabilität über die gesamte Spielzeit die Voraussetzung gewesen, um überhaupt punkten zu können. Denn was Schalke im Spiel nach vorn bot, war einfach nur erschreckend – und das kann nicht nur daran gelegen haben, dass außer Mark Uth (Gehirnerschütterung) auch Steven Skrzybski fehlte, der mit Oberschenkelproblemen passen musste.

Schalker Hilflosigkeit

Die gesammelte Schalker Hilflosigkeit gegen einen nicht übermächtigen Gegner offenbarte sich in den Wechseln, die Baum nach dem 0:2 vornahm – die waren insgesamt weniger Ausdruck der Hoffnung, dass es besser werden könnte, als vielmehr die Gewissheit, dass es nicht schlechter werden konnte.

Vier Punkte aus zwölf Spielen sind eine Zwischenbilanz, die für sich spricht – die Chance, die „Rote Laterne“ an Mainz abzugeben, wurde verpasst, und nach dem 90-Minuten-Lockdown gegen Freiburg wäre die Vermutung, gegen Bielefeld würde es nun aber sicher endlich den ersten „Dreier“ nach nun 28 sieglosen Bundesliga-Spielen in Folge geben, geradezu keck.

Manuel Baum ist auf Schalke nun übrigens alleiniger Rekordhalter: Keinen Sieg in den ersten zehn Spielen hat noch kein Schalker Trainer geschafft. Karl-Heinz Marotzke brachte es in der Saison 1967/68 auf neun – und wer auch immer Baum in der Schalker Chefetage eine angebliche Job-Garantie ausgestellt hat, muss sich die Frage nach dem „Warum“ gefallen lassen. Denn – höflich formuliert – viel gebracht hat der Wechsel von David Wagner auf Manuel Baum trotz aller rührigen und ehrenwerten Bemühungen Baums nicht.

Mit „breiter Brust“

Trotzdem will der Trainer weiter mit „breiter Brust“ vorangehen, seinen Frust wollte er aber nicht verbergen: „Wir sind alle sehr enttäuscht. Was wir nach vorne gezeigt haben, war gar nichts.“

Gegen Bielefeld muss es besser laufen. Sonst könnte es auch für Baum heißen: Schnell weg.

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