Steht in Schalke mehr und mehr im Abseits: Ahmed Kutucu. © dpa
Schalke 04

Schalke 04: Vier kleine Episoden, die nachdenklich stimmen

Ein Fitness-Guru geht, montags ist trainingsfrei, ein Talent steht im Abseits und der Luxus von vier Co-Trainern – Schalke im Januar 2021.

In den vergangenen Wochen und Monaten ist beim FC Schalke 04 so viel passiert, dass es schwer fällt, den Überblick zu behalten. Das betrifft nicht nur die Anzahl an Chef-Trainern oder den dramatischen sportlichen Absturz, es sind auch vermeintlich kleinere Geschichten, die nachdenklich stimmen. Vier Beispiele.

Nicht einmal ein Jahr dauerte die Zusammenarbeit zwischen Dr. Andreas Schlumberger und dem FC Schalke 04. Mitte Januar 2020 nannte Sportvorstand Jochen Schneider den damals 53-Jährigen „mit seiner Expertise und langjährigen Erfahrung“ eine „ideale Besetzung“. Für Schlumberger wurde sogar eine neue Stelle im Verein geschaffen, die des „Leiters Fitness & Prävention“.

Dabei blieb es nicht lange. Im Juli 2020 fungierte Schlumberger nur noch als „Leiter Reha“, am 29. Dezember wechselte er zu Liverpool.

Kutucu steht im Abseits

Wechselgerüchte gibt es auch immer wieder um Ahmed Kutucu. Überraschend ist das nicht. Denn seit seinem ersten Profi-Vertrag bekam der gebürtige Gelsenkirchener von jedem Trainer des FC Schalke 04 zu hören, welch herausragendes Talent er sei. Doch Fußballspielen durfte Kutucu kaum noch. Ob David Wagner, Manuel Baum, Huub Stevens oder Christian Gross, der Stammplatz des Stürmers war auch in der laufenden Saison bisher meistens die Ersatzbank.

Ganze 96 Minuten durfte der 20-Jährige in der Bundesliga in dieser Spielzeit mitwirken. Dass ihm zuletzt in Berlin trotz der Personalsorgen im Angriff durch den kurzfristigen Ausfall von Benito Raman sogar der unerfahrene Matthew Hoppe 81 Minuten lang vorgezogen wurde, dürfte Kutucu als Schlag ins Gesicht empfunden haben. Das würde der loyale Schalker, seit 2011 im Verein, aber nie zugeben.

Freizeit am Montag

Am Montag konnte Kutucu die Zeit nutzen, um über seine Situation nachzudenken, denn auf Schalke war trainingsfrei. Wird am Samstag gespielt, ist an diesem Tatbestand nicht zu rütteln. Obwohl Schalke in der größten sportlichen Krise seit 40 Jahren steckt, obwohl die Blau-Weißen Tabellenletzter sind, obwohl Abwehr und Angriff zurzeit die Nummer 18 der Liga darstellen, obwohl der Verein die schwächste Chancenverwertung hat, obwohl die Königsblauen seit 30 Bundesligapartien in Folge ohne Sieg sind – alle diese Horrorzahlen spielen offenbar keine Rolle, wenn es um die Freizeit der Profis geht.

Ohne Zweifel stellt diese Saison besondere Anforderungen, weil die Winterpause wegen Corona keine war. Aber Schalkes Spieler haben in dieser Saison (und wohl auch in der nächsten) keine internationalen Spiele auf Vereinsebene zu bestreiten. Wäre es da nicht eine Überlegung wert, mal auf trainingsfreie Tage zu verzichten, bis der Verein wieder wettbewerbsfähig ist?

Worte und Taten

Es geht ja nicht darum, an solchen Tagen zusätzlich Kondition zu bolzen, aber mal eine Stunde zusätzlich pro Woche nur an Automatismen zu arbeiten. Wie schlage ich erfolgversprechende Flanken? Wie funktionieren Doppelpässe? Freistoßvarianten wären ein Mittel, um den Gegner zu verwirren. Auch die Absicherung des eigenen Tores könnte man üben.

Aber darauf wird bisher auf Schalke verzichtet, was in eigentümlichen Gegensatz zu den Worten steht, wenn neue Trainer ihre Arbeit beginnen. Auch Christian Groß machte hier keine Ausnahme, denn bei seinem Dienstantritt auf Schalke kündigte er an: „Es gibt viel zu tun, lassen Sie mich das anpacken! Die Mannschaft muss alles aus sich herausholen, dann kann sie was Tolles schaffen.“

Dienst nach Vorschrift

Mit Dienst nach Vorschrift, ohne den Mut, in dieser existenzbedrohenden Lage auch trainingsmäßig unkonventionelle Wege zu bestreiten, droht dieses Unternehmen jedoch frühzeitig zu scheitern. Aber vielleicht schafft ja Rainer Widmayer bald Abhilfe. Er ist der vierte Co-Trainer, den Schalke nach Matthias Kreutzer, Onur Cinel, und Naldo jetzt in seinen Reihen hat. Da kann selbst der FC Bayern nicht mithalten.

Über den Autor
freier Mitarbeiter

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt