Trost vom früheren Mannschaftskameraden: FCA-Spieler Michael Gregoritsch (r.) nimmt den Schalker Nassim Boujellab in den Arm. © dpa
Schalke 04

Schalke 04 zwischen Trotz und Fassungslosigkeit

Wie viele Rückschläge kann eine Mannschaft in einer Saison verkraften? Nach der gefühlten Niederlage in Augsburg steht Schalke am Abgrund.

Denn tabellarisch hat sich nach dem 2:2 in der Fuggerstadt nichts zum Besseren gewandelt. Die Königsblauen sind Tabellenletzter und haben bereits sechs Punkte Rückstand zum ersten Nichtabstiegsplatz. Hinzu kommt das gruselige Torverhältnis von 8:33.

Auch im 22. Bundesligaspiel in Folge kassierten die Blau-Weißen mindestens ein Gegentor. Kein Wunder, dass nach den hochdramatischen 90 Minuten, die von der Verletzung von Mark Uth überschattet wurden, die Stimmung im Lager der Schalker zwischen Trotz und Wut schwankte.

Rekord von Marotzke eingestellt

„Wir kommen immer näher dran, wir werden auf keinen Fall aufgeben,“ gab Trainer Manuel Baum trotzig zu Protokoll. Der 41-Jährige teilt sich nun mit Karl-Heinz Marotzke Platz eins der Schalker Trainer mit den schwächsten Einständen beim Bundesligisten. Marotzke beendete seine ersten neun Spiele in der Saison 1967/68 ohne Sieg, ehe er nach 13 Partien entlassen wurde. Baum hat nun gleichgezogen. Noch bleiben ihm in diesem Jahr die beiden Heimspiele gegen Freiburg und Bielefeld, um seine persönliche Bilanz zu verbessern, die vier Unentschieden und fünf Niederlagen aufweist, um wenigstens den Anschluss an die übrigen Mannschaften in der Abstiegsregion zu halten.

Aber das wird schwer genug, wenn Schalke sich so dämlich anstellt wie in Augsburg, wo selbst über 30 Minuten in Überzahl gegen einen schwachen Gegner nicht ausreichten, den 2:1-Vorsprung ins Ziel zu bringen.

124,6 Kilometer gelaufen

Der Augsburger Ausgleich in der Nachspiel passte nicht nur in einen bisher desaströsen Schalker Saisonverlauf, sondern er ließ auch verständlicherweise fassungslose Reaktionen der Spieler folgen. Besonders sinnbildlich war der Gemütszustand von Routinier Bastian Oczipka, der nach dem Schlusspfiff fassungslos die Hände vors Gesicht schlug und allein über den Rasen wanderte.

Was nutzte es den Schalker Spielern, dass sie konditionell unter Leitung von Baum große Fortschritte machen und in Augsburg famose 124,6 Kilometer abspulten?

Der Ertrag war enttäuschend, auch weil der eingewechselte Steven Skrzybski unmittelbar vor dem Ausgleich den Ball leichtfertig verloren hatte, was wütende Reaktionen an der Seitenlinie zur Folge hatte. Benito Raman: „Es tut verdammt weh, dass wir den Vorsprung nicht über die Zeit bringen konnten“.

Uth darf Klinik in Augsburg verlassen

Doch eine gute Nachricht hatte es am Montag doch noch für den FC Schalke 04 gegeben. Mark Uth konnte nach einer Nacht in der Augsburger Klinik wieder nach Hause. Beim Luftzweikampf mit FCA-Spieler Felix Uduokhai hatte der 29-Jährige kurzzeitig das Bewusstsein verloren, verfolgte aber in der Klinik bereits die letzten Minuten der Partie in Augsburg am Fernsehschirm.

So schön die schnelle Genesung des 29-Jährigen ist, dürfte er in diesem Jahr für Schalke wohl eher nicht mehr zum Einsatz kommen. In Gelsenkirchen stehen in den nächsten Tagen weitere medizinische Untersuchungen auf dem Programm. Erst wenn diese Ergebnisse vorliegen, wird man entscheiden können, wann Uth wieder trainieren darf.

Große Not im Angriff

Der Ausfall des Nationalspielers trifft Schalke 04 besonders hart, weil Trainer Manuel Baum die Stürmer ausgehen. Goncalo Paciencia musste sich einer Knieoperation unterziehen, Ahmed Kutucu (Corona) fehlt seit mehreren Wochen die Wettkampfpraxis, Rabbi Matondo hatte Knieprobleme und stand gegen Augsburg nicht im Kader, der Vertrag von Vedad Ibisevic wurde aufgelöst und Steven Skrzybski konnte zuletzt nicht überzeugen. Deshalb bleiben nach dem Uth-Ausfall nur Benito Raman und eventuell Amine Harit übrig, der wegen Knieproblemen allerdings in Augsburg nicht im Schalker Kader stand.

Doch auch Harit fehlt wegen seiner vorangegangenen Suspendierung der Wettkampfrhythmus. Manuel Baum ist um seine Aufgabe wahrlich nicht zu beneiden.

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