Marcel Yahyaijan, Trainer und Sportdirektor beim Schalker Pokalgegner FC Villingen: „Elfmeterschießen gehört zum Wettbewerb - also haben wir es trainiert.“ © dpa
Schalke 04

Schalkes Gegner ist auf alles vorbereitet – auch aufs Elfmeterschießen

Oberligist FC Villingen weiß, dass er im Normalfall keine Chance hat - aber die will er am Sonntag nutzen. Ca. 300 ehrenamtlich Tätige wollen gegen Schalke für reibungslosen Ablauf sorgen.

Na klar, es ist die Fünfte Liga, und in der Oberliga wird natürlich in ganz anderen Kategorien gedacht und gehandelt als in den Profi-Ligen. Aber in einem Punkt unterscheiden sich Amateure und Berufsfußballer gar nicht so sehr voneinander – über Geld reden sie höchst ungern bis gar nicht. Also verweigert Andreas Flöß beharrlich Auskünfte darüber, wie hoch die Einnahmen aus dem DFB-Pokal-Erstrundenspiel des FC Villingen 08 gegen den FC Schalke 04 am Sonntag denn sein werden. Da können die Kollegen von Presse, Funk und Fernsehen noch so sehr nachbohren: Über Geld, so Flöß, spreche man nicht.

100 Seiten DFB-Anforderungen

Andreas Flöß ist im Hauptberuf Architekt und beim FC Villingen Vorstand für Infrastruktur und bauliche Maßnahmen – in dieser Funktion hatte und hat er in den letzten Tagen und Wochen die immensen organisatorischen Lasten geschultert und zu verantworten, die auf einen Amateur-Klub bei so einem Spiel zukommen.

Flöß erinnert sich: Als Schalke 2016 schon mal gegen Villingen gespielt habe, hätte der ausrichtende Deutsche Fußball-Bund DFB ein 20-seitiges „Anforderungsprofil“ geschickt – Villingen ist damals ins Stadion des SC Freiburg ausgewichen. Nun, so Flöß, seien dem Klub aus dem Schwarzwald ca. 100 Seiten an Anforderungen ins Haus geflattert.

Spielen in 770 Metern Höhe

Unerschrocken stellen sich Flöß und sein Team den Herausforderungen. Ungefähr 300 ehrenamtliche Helfer und Helferinnen werden, ob im Catering, beim Ordnungsdienst oder in anderen Bereichen alles dafür tun, für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Gespielt wird diesmal nämlich im eigenen Stadion – die neu hergerichtete MS-Technologie-Arena gilt mit 770 Höhenmetern als das am höchsten gelegene Stadion Deutschlands, wurde gerade schmuck hergerichtet und hat nun ein Fassungsvermögen von ca. 10.000 Zuschauern. Die aktuellen Corona-Fallzahlen lassen am Sonntag 5.000 Besucher zu – ca. 1.300 davon kommen aus Schalke.

„Eine schöne Sommerfrische“ hat Villingens Pressesprecher Alexander Rieckhoff den natürlich klar favorisierten Schalkern unmittelbar nach der Auslosung versprochen – das klingt so ein bisschen nach einem netten Nachmittag im Schwarzwald, aber den sollen die Gäste aus der Zweiten Bundesliga zumindest auf dem Rasen-Rechteck nicht haben. Sportvorstand Arash Yahyaijan sagt das, was Repräsentanten von ambitionierten Amateur-Vereinen in solchen Fällen ganz gern mal sagen: „Wir haben eigentlich keine Chance – aber wir werden versuchen, die zu nutzen.“

Nah dran an der Sensation

Warum denn auch nicht? Denn der aktuelle Oberligist schnupperte hin und wieder schon mal an der zweiten Pokal-Hauptrunde, die in jedem Fall eine riesige Sensation gewesen wäre: 2009/10 schied Villingen gegen den Zweitligisten FC St. Pauli erst in der Verlängerung aus (0:2), vor zwei Jahren zwangen die Schwarzwald-Kicker den damaligen Erstligisten Fortuna Düsseldorf ebenfalls in die Verlängerung, in der sich die Fortuna (Endergebnis 3:1) dann allerdings durchsetzte.

Marcel Yahyaijan, Sohn von Sportvorstand Arash Yahvaijan, ist Trainer des FC Villingen und macht mit seinen erst 29 Jahren einen sehr strukturierten, fast schon routinierten Eindruck. Er ist vielleicht der beste Beleg dafür, dass man als Profi-Klub Oberliga-Fußballer keinesfalls unterschätzen sollte. Denn Yahvaijan hat seine Mannschaft, davon ist er überzeugt, bestmöglich auf das scheinbar aussichtslose Kräftemessen vorbereitet. Schalke wurde mehrmals beobachtet, seine Taktik gegen die „klassischen“ Gegner auf Augenhöhe will er gegen Schalke bestenfalls „anpassen, aber nicht alles komplett über den Haufen werfen“, und er hat – völlig richtig – erkannt, „dass bei Schalke nach dem großen Umbruch noch nicht alles rund läuft“.

„Das gehört zum Wettbewerb“

Dem Zufall überlässt Marcel Yahyaijan, der auch Sportdirektor des Vereins ist und dessen Bruder Kamran Spieler beim FC Villingen ist, jedenfalls nichts. Nach dem Training am Samstag wird der mit Aufstiegsambitionen zur Regionalliga in die Saison gehende Oberligist ein Kurz-Trainingslager in einem Hotel beziehen. Die Konzentration aufs große Spiel soll durch nichts und niemanden gestört werden.

Auch die in solchen Fällen fast schon obligatorische Pokalfrage beantwortet Marcel Yahyaijan wohltuend gelassen: Ja – er habe mit der Mannschaft auch Elfmeterschießen geübt: „Das gehört ja auch zu diesem Wettbewerb. Also haben wir es trainiert.“

Der FC Villingen hat sich also zumindest professionell auf das große Spiel vorbereitet – auf allen Ebenen. Es gibt also doch mehr als nur die eine Gemeinsamkeit zwischen Amateuren und Berufsfußballern…

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