Richtete einen Appell an die Vereinsfamilie: Jochen Schneider. © dpa
Schalke 04

Sportvorstand Jochen Schneider und sein Appell an die Vereinsfamilie

Schalke 04 steht das Wasser sportlich bis zum Hals und muss sich oft mit Themen außerhalb des Fußballplatzes beschäftigen. Sportvorstand Jochen Schneider richtet einen Appell an die Fans.

Nach dem ernüchternden 0:3 (0:1) gegen Bayer Leverkusen wollte Manuel Baum gar nicht mehr aufhören zu fluchen. „Wir sind mehr gelaufen, wir sind mehr gesprintet, wir hatten mehr Tempoläufe, wir haben leidenschaftlich verteidigt – aber wie wir die Gegentore bekommen und das Spiel herschenken, das ist einfach zu billig. Es ist fast zum Kotzen,“ schimpfte der 41-Jährige.

Doch die Aufzählung der Kategorien, in denen Schalke besser als der Gegner war, hatte einen entscheidenden Schönheitsfehler – sie war längst nicht vollzählig. Was war mit der Passquote? Leverkusen war besser (83 zu 69 Prozent). Wie sah es beim Ballbesitz aus? Auch hier hatte Bayer klare Vorteile (64 zu 36 Prozent). Und bei der Zweikampfquote, ohne Zweifel ein wichtiger Parameter, um ein Spiel zu gewinnen? Auch hier hatte Leverkusen die Nase vorn (58:42 Prozent).

„Dumm angestellt“

Natürlich ist die Fitness und konditionelle Verfassung einer Mannschaft die Basis für sportlichen Erfolg. Aber man darf dies auch nicht zu sehr in den Vordergrund stellen. Das beweist schon die Tabelle der Laufleistungen nach zehn Spieltagen, wo Spitzenteams wie der FC Bayern München und RB Leipzig ganz weit unten zu finden sind.

Spielwitz, Kreativität und Automatismen sind mindestens genauso wichtig und waren auch im Schalker Spiel gegen Leverkusen wieder nicht zu sehen. Das Lamentieren über die frühe Leverkusener Führung, wie es Sportvorstand Jochen Schneider vollführte – „Mir schreiben vier Verantwortliche von anderen Vereinen, dass es eine Frechheit ist, das Tor zu geben“ – ist wohl eher als der Versuch zu bewerten, von der langen Schalker Mängelliste gegen Leverkusen abzulenken.

Selbst Eigentorschütze Malick Thiaw bewies mehr Realitätssinn als der Schalker Sportvorstand, als er feststellte: „Ich denke, ich habe mich da ein bisschen dumm angestellt. Natürlich schiebt er mich etwas. Kann man pfeifen, muss man aber nicht“, sagte der Innenverteidiger.

Nervenkostüm ist angegriffen

Schalkes sportlicher Niedergang wird immer beängstigender. Drei Punkte, 6:31 Tore nach zehn Spieltagen – das ist die Bilanz eines Absteigers und exakt dieselbe, die Tasmania Berlin in der Saison 1965/66 zum selben Zeitpunkt aufwies. Aber damals hatte der schlechteste Bundesligist der Geschichte schon einen Saisonerfolg verbucht. Schalke hingegen baute seine Negativserie auf 26 Spiele ohne Sieg aus und wird schon bemitleidet.

Viele Äußerungen der Spieler hören sich schon wie Durchhalteparolen an. „Wir werden wieder aufstehen“, versicherte Torwart-Routinier Michael Langer, der die verletzten Frederik Rönnow und Ralf Fährmann gut vertrat.

Aber wie sehr das Schalker Nervenkostüm mittlerweile angesichts der Negativserie angeknackst ist, verriet auch der vergebene Elfmeter von Steven Skrzybski. „Ich mache Steven keinen Vorwurf. Ich habe vor jedem Spieler Hochachtung, der sich in solch einer Situation den Ball schnappt und schießt. Aber es war ein Stück weit sinnbildlich für unsere Situation“, klagte Baum.

„Wir meistern diese Krise nur, …

Dem 41-Jährigen gelang es auch im achten Bundesligaspielen unter seiner Regie nicht, seine Mannschaft so aufzustellen, dass sie Aussichten auf einen Bundesligasieg gehabt hätte. Schalke braucht in den drei noch ausstehenden Bundesligapartien bis zum Jahresende in Augsburg sowie zu Hause gegen Freiburg und Bielefeld jedoch unbedingt Siege, damit die Hoffnungen auf den Klassenerhalt bestehen bleiben.

Jochen Schneider sagte im Gespräch mit dieser Zeitung: „Wir stecken in einer schwierigen Situation, die so noch keiner von uns erlebt hat. Aber Aufgeben ist keine Option. Das kommt überhaupt nicht infrage. Schalke war und ist immer ein Verein gewesen, der zusammengehalten hat. Das ist in dieser Situation elementar“.

Zu den kritischen Plakaten, die am Sonntag auf dem Vereinsgelände zu sehen waren, sagte Schneider: „Ich habe Verständnis, wenn sie ihren Unmut durch Plakate Luft machen, denn sie haben ja keine Möglichkeit, es zurzeit im Stadion zu tun. Aber es ist für mich ganz eindeutig nicht in Ordnung, wenn einzelne Personen herausgepickt und für die schwierige Lage verantwortlich gemacht werden. Das hat niemand verdient und wird der komplexen Situation nicht gerecht. Wir meistern diese Krise nur, wenn wir zusammenhalten“.

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