Schalkes Sturm-Idol Klaus Fischer, hier im Trikot der S04-Traditionsmannschaft: „Huntelaar muss gefüttert werden - sonst macht seine Rückkehr keinen Sinn.“ © dpa
Gastkommentar

„Warum ich nach dem 0:4 gegen Bayern zuversichtlicher bin als vorher“

Schalkes Sturm-Idol Klaus Fischer über neuen Mut im Spiel des Schlusslichts, über seine Erwartungen an Klaas-Jan Huntelaar und über die erforderliche neue Statik im Schalker Spiel.

Jetzt geht’s ans Eingemachte: Mit dem Spiel in Bremen beginnt für Schalke die Saisonphase, in der gepunktet werden muss. Sonst ist der schon jetzt enorm große Rückstand auf den Relegationsplatz – von mehr sollten wir im Moment gar nicht zu träumen wagen – nicht mehr aufzuholen.

Bremen-Spiel als Neu-Start

Es gibt jetzt auch keine Ausreden mehr: Mit Trainer Christian Gross ist (Interimslösung Huub Stevens rechne ich mal nicht mit ein) bereits der dritte Chef­trainer im Amt, durch die Rückhol-Aktio­­nen von Sead Kolasinac und Klaas-Jan Huntelaar sowie die Ausleihe von William (VfL Wolfsburg) wurden genau die Positionen neu besetzt, die für jeden erkennbar zu den großen Schalker Schwachstellen gehören: Hinten links, hinten rechts, Sturmzentrum. Schalke hat nachgebessert. Neu-Start!

Ausgerechnet die 0:4-Niederlage gegen die Bayern stimmt mich dabei zuversichtlicher, als ich es noch vor Wochen war – auch wenn das seltsam klingt. Denn obwohl klarer Außenseiter spielte Schalke so mutig nach vorn, wie ich es dieser Mannschaft gar nicht mehr zugetraut hatte, weil sie es halt auch schon lange nicht mehr in dieser Form gemacht hat.

Nicht zuviel erwarten

Schalke kann aus zwei Gründen ohnehin nur noch die Flucht nach vorn antreten: Zum einen, weil ab jetzt nur noch Siege weiterhelfen und keine Unentschieden. Und zum anderen, weil sich die Schalker Statik im Spiel durch die Rückkehr von Klaas-Jan Huntelaar nach vorn verlagern muss, weil der „Hunter“ sonst zu „verhungern“ droht.

Bei aller Euphorie rund um sein Comeback warne ich vor allzu großen Erwartungen: Huntelaar ist 37 Jahre alt und drei Jahre älter als zu dem Zeitpunkt, als er Schalke verließ. Damals war seine Ausbeute schon in seinen letzten beiden Jahren nicht mehr ganz so berauschend.

Huntelaar braucht „Futter“

Und: Huntelaar hatte bei Ajax Amsterdam auch deshalb eine noch so beeindruckende Tor-Quote, weil Ajax wesentlich mehr Szenen im gegnerischen Strafraum hat als Schalke. Huntelaar muss also „gefüttert“ werden, sonst macht seine Rückkehr keinen Sinn. Die Zeit der oft überflüssigen Quer- und Rückpässe muss nun ein Ende haben. Da waren manche Ball-Stafetten im Spiel gegen die Bayern schon mal ein ganz guter Ansatz. Weiter so!

Ich gönne Huntelaar viele Tore – die werden aber auch dann nichts nutzen, wenn bei Standards und Kopfbällen weiter so schlecht verteidigt wird wie auch gegen Bayern. Das muss in den Griff zu kriegen sein. Mein Tipp: Mann gegen Mann. Klingt vielleicht altmodisch, muss aber deshalb nicht verkehrt sein. Man sollte die Dinge gerade jetzt nicht unnötig verkomplizieren.

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.