Sehnsucht nach drei Punkten in einem Spiel: Manuel Baum muss der Mannschaft trotz der vielen Tiefschläge weiter den Glauben vermitteln, Spiele auch gewinnen zu können. © dpa
Schalke 04

Warum Schalkes Kampf um den Klassenerhalt zu einer Glaubensfrage wird

Woche für Woche ringen Schalkes Fußballer nach Frust-Erlebnissen um neuen Optimismus. Trainer Manuel Baum muss der Mannschaft weiter den Glauben vermitteln, Spiele auch gewinnen zu können.

Mitten im Satz ist plötzlich der Ton weg, zumindest für einen kurzen Moment. Ausgerechnet, als Schalkes Trainer Manuel Baum in der Video-Konferenz mit Journalisten vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen (Sonntag, 18 Uhr, Veltins-Arena/Sky) erklären will, warum er das Wort „Abstiegskampf“ eher vermeidet und lieber vom „Kampf um den Klassenerhalt“ spricht.

Selbstzweifel drohen zu wachsen

Welche Vokabel der Lehrer für Sport, Wirtschaft und natürlich Fußball auch immer bevorzugt, die Sachlage bleibt die gleiche: Schalke steht das Wasser bis zum Hals, 25 sieglose Bundesliga-Spiele in Serie haben ihre Spuren hinterlassen. Baum erzählt von „hängenden Köpfen“, die es auch nach der 1:4-Niederlage in Mönchengladbach gegeben habe.

Unter der Woche habe er mit seinem Trainer-Team auch die Aufgabe, der Mannschaft wieder die Fantasie und den Glauben zu vermitteln, Spiele gewinnen zu können. Mit jeder Niederlage drohen die Zweifel am eigenen Leistungsvermögen schließlich immer größer zu werden. Warum soll ausgerechnet im 26. Versuch nun das gelingen, was vorher nicht geklappt hat?

Bayer voller Selbstvertrauen

Solch deprimierenden Fragestellungen muss Baum einen Riegel vorschieben. Er ist der Meinung, dass das bislang ganz gut gelingt. Die Mannschaft gebe im Training „richtig Gas“ und sei entschlossen, den Bock endlich umzustoßen. Allerdings, so Baum weiter, sei er kein Trainer, der extreme Rückschlüsse von der Trainings- auf die Spielleistung ziehen würde. In dieser Disziplin ist schließlich auch schon Baums Vorgänger David Wagner „gescheitert“, der regelmäßig von den guten Trainingsleistungen seiner Schützlinge schwärmte.

Während Schalkes Fußballer Woche für Woche um neuen Optimismus ringen müssen, kommt Leverkusen zwar ersatzgeschwächt, aber trotzdem vollgepumpt mit Selbstvertrauen in die Arena. Die Mannschaft von Trainer Peter Bosz ist in dieser Bundesliga-Saison noch ungeschlagen und feierte zuletzt drei Auswärtssiege in Serie.

Ausfälle auf beiden Seiten

Sowohl Schalke als auch Bayer haben zahlreiche Ausfälle zu beklagen – was bei Leverkusen aufgrund der Zusatzbelastung Europa League und der wochenlangen engen Taktung erklärbar ist (am Donnerstagabend war Bayer noch in Nizza am Ball). Schalke hat nun die Verletzten-Misere eingeholt, die schon in der vergangenen Saison ein Grund für den Absturz war.

Am Sonntag fallen Goncalo Paciencia, Rabbi Matondo, Salif Sané (alle verletzt) und Ahmed Kutucu (Quarantäne) aus, hinter Bastian Oczipka und Ozan Kabak steht ein Fragezeichen. Genau wie hinter Frederik Rönnow und Ralf Fährmann: Beide Torhüter sind angeschlagen, ausgeschlossen ist ihr Einsatz noch nicht. „Es wird ein Wettlauf mit der Zeit“, so Baum, der sonst wohl auf Michael Langer (35) im Tor setzen wird.

Torhüter-Frage noch offen

„Kampf um den Klassenerhalt“, so Baum, würde sich übrigens „deutlich besser anhören“ als „Abstiegskampf“. Man kämpfe schließlich darum, die Klasse zu erhalten. Und nicht, um abzusteigen.

Wie auch immer: Der Weg zum Nicht-Abstieg wird für Schalke immer mehr auch zu einer Frage des Glaubens.

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