Ratlos: Schalkes Mittelfeldspieler Suat Serdar. © dpa
Schalke 04

Warum sich beim FC Schalke 04 die Lage zuspitzt

Die Krise beim FC Schalke 04 spitzt sich zu. Nach dem 0:3 bei der Hertha ist Schalke 04 jetzt 30 Bundesligaspiele in Folge ohne Sieg und weiterhin Tabellenschlusslicht.

Den Kopf gesenkt, die Augen zu und eine trostspendende Hand von Kommunikationschef Marc Siekmann auf der Schulter, so fuhr Mark Uth die Rolltreppe im Berliner Olympiastadion nach der Schalker 0:3 (0:1)-Pleite bei Hertha BSC hinauf. Der Schalker Stürmer symbolisierte das personifizierte Elend, und so fühlte er sich wohl auch.

Schalkes aktuell einziger Führungsspieler hatte nach den Berliner Toren von Matteo Guendouzi (36.), Jhon Cordoba (52.) und Krzysztof Piatek (80.) nicht zum letzten Mal in dieser Saison „die Schnauze gestrichen voll“. Nicht nur, dass die Königsblauen weiterhin Tabellenletzter sind, sondern vor allem die Art und Weise, wie Schalke sich nach ordentlichem Beginn gegen eine keineswegs überzeugende Berliner Mannschaft in sein Schicksal ergab, ließ Uth fassungslos zurück.

Schneider und der Rückzug

„Wenn wir so spielen wie in der zweiten Halbzeit, dann sind wir nicht wettbewerbsfähig. Die Verantwortlichen müssen auf dem Transfermarkt tätig werden. Wir brauchen Spieler, die uns jetzt sofort weiterhelfen. Kolasinac ist ein erster guter Schritt“, richtete Schalkes Stürmer einen fast flehenden Appell an die sportliche Leitung.

Die macht seit Monaten alles, bloß keinen guten Eindruck. Sportvorstand Jochen Schneider räumte am Sonntag ein, dass ein Scheitern von Gross auch seinen Rückzug von Schalke bedeuten würde. „Da brauchen wir nicht um den heißen Brei herumreden“, so der 50-Jährige, der unbedingt den Schalker Kader verstärken muss, um die Chance auf den Klassenerhalt zu wahren.

Angebot von Tönnies ist umstritten

Die Ausleihe des früheren Publikumslieblings Sead Kolasinac kann nur ein erster Schritt gewesen sein. Denn eine Erkenntnis lässt sich nach dem Desaster in Berlin nicht mehr verheimlichen: Mit diesem Kader ist Platz 15 für die Königsblauen reine Utopie. Was auch der neue Trainer Christian Gross weiß, der auf die schwierige Finanzlage des Vereins hinwies.

Und genau hier tut sich der nächste große Schalker Problemkomplex auf. Welche leistungsstarken Spieler, die sofort helfen könnten, tun sich Schalke in der aktuellen Verfassung an? Und wie sollen neue Kicker überhaupt finanziert werden angesichts des riesigen Schalker Schuldenbergs von mindestens 240 Millionen Euro?

Entscheider zögern

Es gibt zwar das finanzielle Hilfsangebot von Ex-Boss Clemens Tönnies, aber dies droht eher zur Spaltung des Vereins zu führen, als die Schwierigkeiten zu lösen. Zwar hat sich nach Informationen dieser Zeitung längst ein Kreis von Schalke-Legenden, ehemaligen Mitarbeitern und Fanclubs gebildet, der intern eindringlich an Vorstand und Aufsichtsrat appelliert hat, auf das Angebot von Tönnies einzugehen.

Aber die Entscheider zögern. Denn sie wissen, dass es auf der anderen Seite viele Vereinsmitglieder gibt, die die Ära Tönnies hinter sich lassen wollen. So schrieb zum Beispiel Stefan Barta, Organisator der Fan-Protest-Demo vom Juni 2020: „Ich bin darüber erschrocken, dass Clemens Tönnies immer noch Unruhe von außen in unseren Verein trägt. Eine öffentliche Aussage über ein mögliches finanzielles Engagement schadet in der derzeitigen Situation mehr, als es helfen könnte. Wenn er wirklich helfen wollte, hätte er es wohl längst getan und auf den Umweg über die Öffentlichkeit verzichtet.“

Sportdirektor gesucht?

Tönnies hat zwar versichert, kein Amt mehr auf Schalke anzustreben, doch viele Menschen glauben ihm das nicht. Auch sein Votum für eine Ausgliederung stößt auf wenig Gegenliebe.

Solche Nebenkriegsschauplätze kann Schalke, das laut Sky auch noch einen Sportdirektor (Ebbe Sand?) sucht, nicht gebrauchen. Namhafte Neuzugänge außer Kolasinac sind an die Bedingung geknüpft, erst Spieler des aktuellen Kaders von der Gehaltsliste zu bekommen. Wechsel-Kandidaten wie der von „Bild“ ins Spiel gebrachte Julian Korb (zuletzt Hannover) lösen bei der abstiegsgefährdeten Konkurrenz gewiss keine Schnappatmung aus. Uths Gemütszustand droht zum Dauerzustand zu werden.

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