So sah es im Jahr 2019 bei der bislang letzten Schalker Mitgliederversammlung aus: Diesmal wird die Tribüne leer sein, die Veranstaltung findet digital statt. Die Bühne in der Mitte ist allerdings aufgebaut - dort sitzen die Vertreter der Gremien. © dpa
Schalke 04

Was Sie über die Schalker Mitgliederversammlung wissen sollten

Am Sonntag trifft sich die Schalker Vereinsfamilie zur Mitgliederversammlung. Die findet wegen Corona erstmals in digitaler und virtueller Form statt. Elf Fragen und Antworten zur Premiere:

Elf Fragen und Antworten zur Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 am Sonntag (Beginn 9.04 Uhr):


Wie viele Schalker Mitglieder werden teilnehmen?

Technisch vorbereitet muss der FC Schalke 04 darauf sein, dass alle 125.000 stimmberechtigten Mitglieder einen Zugang zu der Versammlung erhalten, mit dem sie alle erforderlichen Mitgliederrechte bekommen (also Abstimmungen etc.). Eine Schätzung ist schwierig, weil es keine Vergleichswerte gibt. Bis zum Freitag hatten sich nach RN-Informationen 12.000 stimmberechtigte Mitglieder für die Versammlung verifiziert – sie können also von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen. Insgesamt hat Schalke ca. 160.000 Mitglieder – die Differenz zwischen den Mitgliedern, die ihre Teilnahme angekündigt, sich aber noch nicht verifiziert haben, war bis zuletzt sehr groß.

Wie lange wird die Versammlung dauern?

Beginn ist um 9.04 Uhr. Schalke geht von mindestens sieben Stunden aus. Das Ende ist offen – die Tagesordnung umfasst insgesamt elf Punkte, die Punkte Wahlen und Aussprache werden dabei den größten, zeitlich schlecht zu konkretisierenden Raum einnehmen. Theoretisch möglich ist ein Versammlungsende erst nach MItternacht. Aber: Beschlüsse müssen bis 23.59 Uhr gefasst sein, weil das Datum der Versammlung der 13. Juni ist. Beschlüsse, die nach Mitternacht gefasst würden, wären nicht rechtsgültig.

Welche sind die wichtigsten Punkte der Tagesordnung?

Mit Spannung erwartet werden die Berichte der Gremien und die Aussprache darüber. Diese Punkte sind wie auch die Wahlen zum Aufsichtsrat, Wahlauschuss und Ehrenrat die zeitlichen Mittelpunkte der Versammlung. Besonders die Wahlen zum Aufsichtsrat sind ein zentraler Punkt. Das Schalker Kontroll-Gremium steht wegen der schlechten Entwicklung des gesamten Vereins in der Kritik, muss sich außerdem nach den Rücktritten von Clemens Tönnies und dem angekündigten Rückzug von Dr. Jens Buchta völlig neu orientieren. Zehn Kandidaten treten an, fünf davon werden gewählt. Vier der zehn Kandidaten gehören auch dem aktuellen Aufsichtsrat an.

Wie viele Personen werden in der Arena sein?

Die Veltins-Arena ist seit Jahren der Veranstaltungsort der Schalker MItgliederversammlung. Bei Präsenz-Versammlungen kommen in der Regel 10.000 S04-Mitglieder im Schnitt – da das Stadion ca. 60.000 Zuschauer fasst, ist die Atmosphäre dementsprechend rational und nüchtern. Kein Vergleich zu früheren „Versammlungs-Schlachten“ beispielsweise im Hans-Sachs-Haus, im Sportzentrun Schürenkamp oder im Sportparadies. Diesmal wird alles zwangsläufig noch unterkühlter sein: Denn die Mitglieder selbst sind wegen Corona nicht zugelassen, in der Arena werden lediglich ca. 300 Personen sein: Die Vertreter der Schalker Gremien, die zur Wahl stehenden Kandidaten und die Personen, die einen Antrag zur Satzungsänderung gestellt haben. Schalke wird ca. 200 Mitarbeiter vor Ort haben.

Wird es einen Beschluss zur viel diskutierten Ausgliederung der Schalker Profi-Abteilung geben?

Nein. Ein dementsprechender Antrag zur Satzungsänderung wurde nicht gestellt, wäre dafür aber erforderlich. Gut möglich, dass das Thema Ausgliederung in dem einen oder anderen Redebeitrag zur Sprache kommt – das hätte dann aber keinerlei Rechtsverbindlichkeit.

Kann es sein, dass Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlastet werden?

Möglich ist das. Allerdings ziemlich unwahrscheinlich, weil – trotz der großen Krise des Klubs – den Verantwortlichen dafür irgendeine Absicht unterstellt werden müsste. Und die nachzuweisen wäre eine extrem anspruchsvolle Aufgabe…

Schalkes Aufsichtsrats-Chef Dr. Jens Buchta wird die Versammlung leiten – es ist seine letzte Amtshandlung. © dpa/Schalke 04 © dpa/Schalke 04

Wer von denjenigen, die viele Mitglieder für die Krise verantwortlich machen, ist überhaupt noch im Amt?

Kaum noch jemand. Peter Peters und Clemens Tönnies sind schon vor einem Jahr zurückgetreten, Sportvorstand Jochen Schneider musste seinen Hut nehmen. Marketingvorstand Alexander Jobst ist zwar noch an Bord und am Sonntag auch in der Arena, sein Vertrag wurde mehr oder weniger auf Wunsch von Jobst zum 30. Juni aufgelöst. Und Dr. Jens Buchta, seit einem Jahr Aufsichtsrats-Chef, hat seinen Rückzug für direkt nach der Versammlung angekündigt.

Wie viel Redezeit bekommen die Mitglieder, die den Krisen-Managern die Meinung sagen wollen?

Drei Minuten. Vor den Tagesordnungspunkten, bei denen die Mitglieder sich zu Wort melden können, hat Schalke den größten Respekt. Wegen der zahlreichen Negativ-Faktoren und weil es 2020 corona-bedingt keine Mitgliederversammlung gab, hat sich ordentlich Redebedarf aufgestaut. Abzuwarten bleibt, ob die zu Wort kommenden Mitglieder ihre Kritik unverblümter äußern, wenn sie in heimischer Umgebung am PC sitzen, als wenn sie vor 10.000 Mitgliedern am Mikrofon auf der Arena-Bühne stehen.

Das gilt umgekehrt aber für die Schalker „Würdenträger“, die auf der Bühne sind, aber vor leeren Tribünen sprechen. So darf beispielsweise die Rede von Alexander Jobst mit Spannung erwartet werden – er hat seinen Vertrag in erster Linie vorzeitig auflösen lassen, weil er durch ihm und seiner Familie gegenüber geäußerte persönliche Bedrohungen „eine rote Linie“ überschritten sah. Übrigens wird nicht jede Meldung zu einem Wortbeitrag der Mitglieder berücksichtigt werden können – ein Schalke-Team mit ca. 40 Personen wird versuchen, die Anfragen zu sortieren und Themen eventuell zu bündeln.

Was passiert eigentlich, sollte die Versammlung beispielsweise aus technischen Gründen abgebrochen werden müssen?

Diesen Fall fürchtet Schalke wie der Teufel das Weihwasser – obwohl sich die Veranstalter gut gerüstet sehen. Sebastian Buntkirchen, Direktor Fans und Vereinsangelegenheiten beim FC Schalke 04, geht davon aus, dass alle bis dahin getroffenen Beschlüsse ihre Gültigkeit behalten würden. Für den „Rest“ der Versammlung müsste dann wohl wieder fristgerecht geladen werden.

Welche Auswirkungen hat der angekündigte Rückzug von Aufsichtsrats-Chef Dr. Jens Buchta für die Versammlung am Sonntag?

Keine unmittelbaren. Als Vorsitzender des Aufsichtsrates wird Dr. Buchta die Mitgliederversammlung leiten, es ist quasi seine letzte Amtshandlung. Der neu gewählte Aufsichtsrat muss dann allerdings auch einen neuen Vorsitzenden wählen, in den vergangenen Jahren geschah das direkt in der ersten Sitzung des Kontrollgremiums unmittelbar nach der Versammlung. Und Schalkes Sportbeirat muss einen neuen Vertreter der Abteilungen (das war bislang Dr. Buchta) in den Aufsichtsrat entsenden. In der Gerüchteküche köcheln die Namen Peter Peters, Olaf Thon und Bodo Menze.

Was ist sonst noch zu beachten?

Egal ob digital, virtuell oder wie groß die Krise auch ist: Das Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb ich Dich“, soll traditionell am Ende der Versammlung auf jeden Fall gesungen werden – notfalls auch nach Mitternacht. Und: Für den Wahlausschuss kandidiert mit Markus Pottbäcker auch ein katholischer Pfarrer. In „seiner“ St. Urbanus-Kirche in Gelsenkirchen-Buer fand die Trauerfeier für Rudi Assauer statt.

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