Bittere Realität: Schalke verliert mit 0:1 gegen Bielefeld. © dpa
Schalke 04

Wen Jochen Schneider als neuen Schalke-Trainer im Auge hat

Die Suche nach einem neuen Trainer läuft beim FC Schalke 04 auf Hochtouren. Der aussichtsreichste Kandidat hat schon mit Sportvorstand Jochen Schneider zusammengearbeitet.

Die Redaktion des Schalker Kreisels griff zum letzten Mittel. Wenn die eigene Mannschaft schon nicht in der Lage ist, ein Bundesligaspiel zu gewinnen, dann sorgen wir eben selbst dafür, sagten sich die Macher und verkündeten auf Seite 46 ihres Magazins in der Ergebnisübersicht der laufenden Saison einen Schalker 2:0-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg.

Doch es war ein Zahlendreher, der nur ein müdes Lächeln hervorrief und nicht für bessere Stimmung sorgte. Im Gegenteil, Schalke versinkt nach der 0:1(0:0)-Pleite gegen Arminia Bielefeld in tiefe Depression und marschiert mit Riesenschritten in Richtung 2. Liga.

Schalke wollte, aber konnte nicht

Noch nie in der Geschichte der Bundesliga hat es ein Verein geschafft, mit vier Punkten nach 13 Spielen den Klassenerhalt zu erreichen. Entsprechend fielen die Schalker Reaktionen beim Schlusspfiff von Schiedsrichter Bastian Dankert aus. Während Schalkes Jahrhundert-Trainer Huub Stevens konsterniert feststellen musste, dass seine Entscheidungen keinen Erfolg brachten, sanken einige Spieler enttäuscht auf den Rasen.

Stambouli und Co. waren wieder einmal völlig überfordert. Sie wollten, aber sie konnten nicht, selbst gegen einen so biederen Aufsteiger wie Arminia Bielefeld, der durch ein Kopfballtor von Fabian Klos gewann.

Realitätsverlust

Überfordert wirkten Schalkes Spieler aber nicht nur auf dem Platz. Wenn Kapitän Mascarell hinterher mit dem Satz „Wir haben noch viel Zeit“ verblüfft oder ausgerechnet Amine Harit davon spricht, dass kein Trainer der Welt Schalke helfen, sondern nur die Spieler es mit 100 Prozent Einsatz richten könnten, wurde ein beängstigender Realitätsverlust offenbar.

Die Wahrheit sieht ganz anders aus. Schalke hat bereits sechs Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Nimmt man noch das desaströse Torverhältnis hinzu (8:36) sind es eher sieben. 29 Bundesligaspiele in Folge ohne Sieg machen den einst so stolzen Club zu einer Lachnummer der Bundesliga. Kein Wunder, dass Stevens zwischen den Zeilen nach der Partie verkündete, dass für ihn nach dem Pokalspiel gegen Ulm am Dienstag (18.30 Uhr) Schluss sein wird.

Zorniger ist ein heißer Kandidat

Und dann? Der längst höchst umstrittene Sportvorstand Jochen Schneider verkündete vor dem Bielefeld-Desaster, dass er zwar schon einen neuen Trainer im Kopf habe, aber wer tut sich das freiwillig an?

Drei mutige Kandidaten mit offenbar masochistischer Veranlagung soll es dennoch geben. Den Namen Alexander Zorniger hatte diese Zeitung schon Mitte September als Kandidat für die Nachfolge von David Wagner publik gemacht. Zuletzt hatte Zorniger nach seiner Entlassung in Leipzig und beim VfB Stuttgart den Weg ins Ausland gesucht und war knapp drei Jahre lang Trainer von Bröndby Kopenhagen. Mit dem dänischen Top-Klub holte Zorniger 2018 den nationalen Pokal, wurde in der darauffolgenden Saison entlassen. Schneider und Zorniger kennen sich gut aus gemeinsamen Zeiten beim VfB Stuttgart.

Neue Protest-Banner



Auch Friedhelm Funkel wurde mit Schalke in Verbindung gebracht. Der Routinier kann Abstiegskampf, hat aber jeglichen Kontakt zu den Blau-Weißen in jüngster Zeit bestritten. Das muss in einer Branche, in der die Wahrheit meistens nur unter taktischen Gesichtspunkten eine Rolle spielt, längst nichts heißen.

Nur Außenseiterchancen werden Dimitrios Grammozis eingeräumt. Ihm fehlt nicht nur die Bundesliga-Erfahrung, sondern eine Entscheidung Pro-Grammozis wäre kein Signal für eine Aufbruchstimmung, die Schalke so dringend benötigt.

Denn auch am Sonntag gab es Protest-Banner rund um das Vereinsgelände. Auf manchen wurden Rücktrittsforderungen an die Vorstände Alexander Jobst und Jochen Schneider laut. Sie werden für das katastrophale Bild des Vereins verantwortlich gemacht. Schalke steht am Abgrund.

Huub Stevens sah sich deshalb zu einem eindringlichen Appell aufgerufen: „Aufgeben ist das Allerletzte!“

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