Frust pur: Schalke-Verteidiger Ozan Kabak. © dpa
Schalke 04

Wenn Schalke 04 absteigt: Die möglichen Konsequenzen

Nach der schwächsten Hinrunde seiner Bundesligageschichte schwebt der FC Schalke 04 in höchster Abstiegsgefahr. Welche Folgen dies hätte, lesen Sie hier.

Ein gewisser Fatalismus wird vielen Schalker Anhängern schon immer nachgesagt. Doch nach der schwächsten Bundesliga-Hinrunde der Vereinsgeschichte reicht es nicht einmal mehr für diese Gemütsverfassung. Resignation und Verzweiflung haben sich nach nur sieben Punkten aus 17 Partien bei den meisten Fans breitgemacht. Acht Zähler Rückstand auf Relegationsplatz 16 und ein katastrophales Torverhältnis (14:44) bietet nicht mehr den geringsten Anlass für einen optimistischen Blick in die Zukunft.

Trainer Christian Gross und den Spielern blieben nach der 1:2-Niederlage gegen Köln nur Durchhalteparolen. Doch wer ins Gesicht von Klaas-Jan Huntelaar sah, dem wurde schnell klar, dass der „Hunter“ wohl selbst nicht so recht daran glaubte, als er sagte: „Wenn wir so spielen wie in der zweiten Halbzeit, kommen wir da raus“.

Noch nie hat eine Mannschaft mit so wenigen Punkten nach der Hinrunde den Klassenerhalt geschafft. Und jetzt kommen am Sonntag die Bayern in die Veltins-Arena, dessen Rasen so aussah, als würde hier Tag für Tag ein Bundesligaspiel durchgeführt. Solche unwürdigen Rahmenbedingungen passen zur Schalker Gesamtlage. Das neue Jahr ist noch keine drei Wochen alt, doch es geht weiter mit immer neuen Enttäuschungen und Demütigungen.

Wer plant die Zukunft?

Auch der vierte Trainer seit September 2020 hat es bisher nicht geschafft, Schalke aus der Negativspirale zu befreien. Dass sich mit Rückkehrer Sead Kolasinac ein großer Hoffnungsträger auch noch verletzte und Huntelaar wegen Wadenproblemen sein Comeback verschieben musste, ist nicht Christian Gross anzulasten, bedeutet aber einen weiteren Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt, der wohl nicht mehr zu gewinnen ist. Nach den Bayern heißen die nächsten Gegner Bremen, Leipzig, Union Berlin, Dortmund.

Längst stellt sich die Fragen nach den Schuldigen für diesen aberwitzigen Niedergang eines Vereins, der 2019 noch in der Champions League mitmischte und sich international positionieren wollte.

Doch wer plant eigentlich die Schalker Zukunft? Jochen Schneider, der Sportvorstand, der sich selbst schon zur Disposition stellte, wenn Schalke absteigen sollte? Oder ein neuer Sportdirektor, den Schneider und der Aufsichtsrat angeblich noch gemeinsam aussuchen?

Verluste, Verluste, Verluste

Es geschehen so irrationale Dinge rund um diesen Verein, die mit normalem Menschenverstand kaum noch zu begreifen sind. Dabei hat Schalke keine Zeit zu verlieren, weil ein Abstieg in die 2. Liga gravierende Konsequenzen hätte. Nicht nur sportlich, auch in finanzieller Hinsicht wird es dann große Einschnitte geben.

Zwar wird gebetsmühlenartig vom Vorstand betont, dass Schalke sich auf seine Sponsoren verlassen könne. Aber Fakt ist, dass die üblichen Erfolgsprämien bei solchen Deals ausbleiben werden, weil die Mannschaft so unterirdisch Fußball spielt. Ganz abgesehen davon, dass ein Schalker Abstieg zu Gazprom, einem Weltunternehmen und Hauptsponsor des Bundesligisten, so wenig passt wie Schnee im Hochsommer.

Viel Gesprächsbedarf

Nimmt man noch die großen Verluste bei den Fernsehgeldern hinzu, reichen diese wenigen Beispiele schon aus, um die Herausforderungen zu verdeutlichen, vor denen die Königsblauen stehen. Ob der Verein überhaupt einen Plan hat, die zahlreichen Probleme anzupacken, lässt sich seriös noch nicht beurteilen, weil die Transparenzoffensive nur angekündigt, aber nicht durchgeführt wird. Anspruch und Wirklichkeit stimmen bei Schalke auch hier nicht überein.

Sicher ist nur soviel: Bei der nächsten Mitgliederversammlung wird es großen Gesprächsbedarf geben. Setzen Vorstand und Aufsichtsrat ihre Arbeit so fort wie in den vergangenen Wochen und Monaten, wird ein Nachmittag kaum ausreichen, um alle Probleme zu diskutieren. Zu diesem Zeitpunkt könnte der FC Schalke 04 schon Zweitligist sein.

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