Hat eine schwierige Mission vor sich: Schalke-Trainer Christian Gross. © dpa
Schalke 04

Wie Christian Gross mit Schalke den Klassenerhalt schaffen will

Anfang Dezember kam der Anruf von Sportvorstand Jochen Schneider. Am Sonntag meldete Schalke 04 Vollzug: Christian Gross heißt der neue Trainer.

Dabei machte der 66-Jährige auf der digitalen Pressekonferenz der Königsblauen, an der auch Sportvorstand Jochen Schneider und Gross-Vorgänger Huub Stevens als Vertreter des Aufsichtsrates teilnahmen, nicht den Eindruck, als könnte ihn etwas aus der Ruhe bringen. Klar und präzise kamen die Antworten des Schweizers, der zwar einräumte, dass er vor einer gewaltigen Herausforderungen stehe, aber dies sieht Gross offenbar als besonderen Reiz an.

„Das Mittelfeld ist nicht so mein Ding. Mich reizt eher, mit Mannschaften um Titel zu spielen oder im Abstiegskampf den Klassenerhalt zu schaffen“, gab der Trainer-Routinier zu.

Erster Anruf vor drei Wochen

Gross ist in seiner langen Trainer-Laufbahn schon weit herumgekommen. Er hatte bis Februar zum bereits dritten Mal seit 2014 Al-Ahli in Saudi-Arabien trainiert, dazwischen Ägyptens Spitzenklub Zamalek (2018/19). Seine bisher letzte Trainerstation in Europa liegt schon fast neun Jahre zurück (Young Boys Bern, 2011/12).

Nach dem ersten Anruf von Jochen Schneider beschäftigte sich Gross intensiv mit dem FC Schalke 04. Es ist sein zweiter Bundesliga-Job, nachdem er in einem zehnmonatigen Intermezzo den VfB Stuttgart erst mit einem herausragenden Punkteschnitt (2,26) aus dem Tabellenkeller in die Europa League geführt hatte, um dann nach einem Fehlstart in die Saison 2010/11 entlassen zu werden.

Kontakte zu Schalke gab es schon zweimal. Einmal wollte Schalkes Kult-Manager Rudi Assauer den früheren Bundesligaspieler (VfL Bochum) holen, später Horst Heldt.

Im dritten Anlauf

Nun klappte es im dritten Anlauf. Auch Huub Stevens, jetzt wieder Schalker Aufsichtsrat, war angetan, als ihm Jochen Schneider seinen Wunschkandidaten verriet. Auf Gross wartet in den restlichen 21 Bundesligaspielen eine Herkulesaufgabe. Er muss einer verunsicherten und qualitativ falsch zusammengesetzten Mannschaft in kurzer Zeit so viel Selbstbewusstsein einhauchen, dass sie wieder wettbewerbsfähig wird.

Dabei will Schalke im Rahmen seiner Möglichkeiten nach der Öffnung des Transferfensters den Kader verstärken. Auf den Außenbahnen und in puncto Schnelligkeit hat Gross die größten Defizite seiner Mannschaft ausgemacht. Als Kandidaten gelten Marco Richter (FC Augsburg) für die Offensive und Danny da Costa (Eintracht Frankfurt) für die Defensive. Nabil Bentaleb spielt auch in den Planungen von Gross keine Rolle. Auf eine entsprechende Frage antwortete Gross so eindeutig wie nur möglich: „Er gehört nicht dazu.“

Ohne Mike Büskens

Das Schalker Trainerteam bleibt in der bisherigen Form zusammen. Nur Mike Büskens kehrt wieder in seine früheren Aufgabenbereiche Aufgabenbereiche zurück. Gross wird sich in den nächsten Tagen so schnell wie möglich durch Tests einigen Überblick über die Leistungsfähigkeit seiner neuen Mannschaft machen, wo der er „Mut“ und eine „positive Aggressivität“ auf dem Spielfeld erwartet.

Dass er in Deutschland als „Alpen-Magath“ oder „Polizistensohn“ charakterisiert wurde, lässt den 66-Jährigen kalt. Er mochte auch nicht ausschließen, dass sein Engagement auf Schalke noch länger andauern könnte, als vertraglich bisher vorgesehen bis zum Saisonende.

„Ich will den Ehrgeiz der Spieler in jeder Sekunde spüren. Wir brauchen in und um die Mannschaft herum eine positive Grundhaltung, um wieder erfolgreich zu sein. Ich werde alles dafür geben, damit wir unser Ziel erreichen,“ formulierte Gross. Seine größten Erfolge feierte er mit dem FC Basel, den er zwischen 2002 und 2008 je viermal zu Meisterschaft und Pokalsieg führte. Bei den Tottenham Hotspurs war er 1997/98 der erste Schweizer Trainer der Premier League.

Gross liebt Metaphern. In Zürich wies er den Spielern mit einem Poster vom Matterhorn den Weg nach oben. In Basel hing er einen Haifischkopf an die Wand – bissig sollen auch die S04-Profis auftreten. Gross hat einen Haifisch-Zahn als Talisman.

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