Als die Schalke-Welt aus den Fugen gerät

Schalke 04

Der 6. Juni 1971 gehört zu den schwärzesten Tagen der Schalker Vereinsgeschichte. An diesem Tag wurde aufgedeckt, dass Spiele durch die Zahlung von Schmiergeldern manipuliert worden waren.

Gelsenkirchen

, 06.06.2020, 07:45 Uhr / Lesedauer: 1 min
Horst Gregorio Canellas (sitzend in der Mitte) löste den Bundesligaskandal am 6. Juni 1971 aus.

Horst Gregorio Canellas (sitzend in der Mitte) löste den Bundesligaskandal am 6. Juni 1971 aus. © dpa

Über 50 Spieler und Funktionäre waren in den Skandal verwickelt. Darunter auch eine Reihe Kicker des FC Schalke 04 wie die Nationalspieler Klaus Fichtel, Rolf Rüssmann, Stan Libuda und Jungprofi Klaus Fischer. Der damalige Präsident von Kickers Offenbach, Horst-Gregorio Canellas, ließ an seinem 50. Geburtstag im Rahmen einer Feier die Bombe platzen, die den deutschen Profi-Fußball in seinen Grundfesten erschütterte.



Das auf traurige Weise legendäre „Geldspiel“ am 17. April 1971 zwischen Schalke 04 und Arminia Bielefeld, in dem die abstiegsbedrohten Gäste ihren 1:0-Sieg zuvor mit 40.000 Mark oder 2300 Mark pro Schalker Spieler erkauft hatten, war nur die Spitze des Eisbergs. Am letzten Spieltag wurden in Berlin beim Spiel Hertha BSC Berlin und Arminia Bielefeld (Endstand 0:1) eine Viertelmillion Mark Schmiergeld an die Hertha-Spieler gezahlt. Bielefeld rettete sich durch den Sieg vor dem Abstieg in die Regionalliga (die 2. Fußball-Bundesliga gab es damals noch nicht). Insgesamt floss im Abstiegskampf über eine halbe Million Mark Bestechungsgeld.

Sünder erleichtern spät ihr Gewissen

Schalkes Sünder gaben lange Zeit ihre Schuld nicht zu. Erst kurz vor Weihnachten 1975 erleichterten die letzten Sünder ihr Gewissen – die Spieler von Schalke 04 gaben vor dem Essener Landgericht zu, bestochen gewesen zu sein.

Schalkes Meineidsünder müssen zwischen 4200 und 9960 DM wegen Meineids zahlen. Der DFB verurteilt die Sünder im Dezember 1976 noch zu je 10.000 DM an die Deutsche Krebshilfe und der Erklärung dass sie „bedauern, dass sie durch ihr Verhalten im Bundesligaskandal dem Ansehen des deutschen Fußballs geschadet haben.“ Nach fünfeinhalb Jahren stehen die Zeichen auf Vergebung. Nur ein Jahr danach dürfen Klaus Fischer und Rolf Rüssmann wieder für Deutschland spielen.

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