Atsuto Uchida: "Ich fühle mich nicht allein"

Das Interview

Japaner gelten als Menschen, die meistens nett und freundlich sind. Auf Atsuto Uchida trifft das ohne Einschränkung zu. Zum Interview verbeugte sich der Schalker Abwehrspieler vor seinem Gesprächspartner und ließ sein Schokoladeneis links liegen.

GELSENKIRCHEN

von Von Frank Leszinksi

, 11.04.2011, 22:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ist aus der Schalker Viererkette nicht mehr wegzudenken: Rechtsverteidiger Atsuto Uchida (l.).

Ist aus der Schalker Viererkette nicht mehr wegzudenken: Rechtsverteidiger Atsuto Uchida (l.).

Schalke hat noch nie den Sprung unter die letzten vier Mannschaften in der Königsklasse geschafft. Sollte das klappen, wäre das ein Super-Erfolg, den uns kaum jemand zugetraut hätte.

Inter ist eine starke Mannschaft. Wir haben erst die Hälfte des Viertelfinals hinter uns. Es wird nicht einfach, aber normalerweise sollten wir uns das nicht mehr nehmen lassen.

Die letzten Ergebnisse haben bewiesen, welches Potenzial in uns steckt. Momentan haben wir einen Lauf. Doch man muss auch sehen, dass unsere Konkurrenz sehr stark ist. Um den Rückstand aufzuholen, muss alles passen.

Die letzten Wochen waren keine einfache Zeit. Was in Japan passiert ist, ist eine Tragödie. Mit meinen Gedanken war ich noch mehr in meiner Heimat, als ich es ohnehin schon bin. Glücklicherweise ist von meiner Familie niemand unmittelbar von dieser Katastrophe betroffen.

Da bedurfte es schon etwas Überredungskunst. Meine Mutter hat gesagt: Atsuto, was willst Du in diesem Land, wo das Wetter meistens so schlecht ist? Da regnet es doch viel zu oft. Denn meine Familie ist in dieser Hinsicht etwas verwöhnt. Sie leben in Shizuoka am Meer südlich von Tokio.

Weil die Bundesliga in Japan gerade auf junge Spieler eine sehr große Anziehungskraft besitzt. In meinem Heimatland gilt die Bundesliga als das Non-plus-ultra. Dieser Herausforderung wollte ich mich unbedingt stellen.

Alle geben sich sehr viel Mühe und erklären mir viele Dinge, wenn ich etwas nicht verstehe. Wir verständigen uns auf Englisch. Ich lerne zwar intensiv Deutsch, aber bis ich diese Sprache einigermaßen beherrsche, wird es noch dauern. Aber ganz wichtig ist für mich: Ich fühle mich nicht allein.

Ich finde, die Unterschiede zwischen der deutschen und japanischen Kultur sind in Sachen Fußball gar nicht so groß. In beiden Ländern wird sehr viel Wert auf Disziplin gelegt. Es wird höchst professionell gearbeitet. Die Rahmenbedingungen sind in Deutschland besser.

Doch. Ich kann nicht so oft japanischen Reis essen. Ich habe zwar eine japanische Haushälterin, doch der spezielle Reis aus meiner Heimat ist hier nicht einfach zu bekommen. Aber sonst geht es mir gut. Die Menschen in Gelsenkirchen sind sehr freundlich zu mir. Selbst an der Tankstelle muss ich Autogramme geben.

Richtig. Ich mache gerne Spritztouren durchs Ruhrgebiet. Allerdings habe ich auf den deutschen Autobahnen etwas Angst. Ihr Deutschen rast. In Japan fahren wir höchstens 100. Daran musste ich mich erst gewöhnen.

Ja, ich betrete den Platz immer zuerst mit dem rechten Fuß und gehe raus mit dem linken. Warum ich das mache, weiß ich nicht. Aber bisher hat das meiner Karriere nicht geschadet. 

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