"Auf Schalke wird es schneller unruhig"

Metzelder im Interview

Wer das Trikot von Schalke und Dortmund getragen hat, darf vor einem Revier-Derby natürlich keinen Fehler machen – also hat der Bezahl-Fernsehsender Sky für das Pressegespräch mit dem Sky-Experten Christoph Metzelder eher „neutralen“ Boden gewählt: Im Essener Hotel „Maximilians“ spricht der 32-jährige Ex-Profi über „seine“ Revier-Clubs.

ESSEN

von von Norbert Neubaum

, 24.10.2013, 22:17 Uhr / Lesedauer: 4 min
Metzelder: Amateurfußball ist ehrlicher Sport. Foto: Matthias Balk/ Archiv

Metzelder: Amateurfußball ist ehrlicher Sport. Foto: Matthias Balk/ Archiv

Das Bild von Jürgen Klopp mit schlotternden Knien kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen. Aber sicherlich wird er diese Niederlagen thematisieren, sie werden in der Vorbereitung des BVB eine Rolle spielen.

Stimmt. Während Jürgen Klopp die Hinspiel-Niederlage wegen einer gravierenden taktischen Änderung ja zum Teil selbst auf seine Kappe genommen hat, waren das im Rückspiel 50 bis 60 richtig starke Minuten von Schalke. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass sich der BVB so nicht noch einmal auf Schalke präsentieren wird.

Dortmund war schon in der vergangenen Saison in den direkten Duellen ein sehr, sehr unangenehmer Gegner für die Bayern. Wenn es dem BVB gelingt, bis zu diesen direkten Duellen auf Schlagdistanz zu den Bayern zu bleiben, bin ich mal sehr gespannt, wie die Bayern damit umgehen werden.

Tatsächlich scheint es da eine gewisse Unausgeglichenheit zu geben – das erklärt sich aber auch schon beim Blick auf die Einkäufe. Einen zweistelligen Millionen-Transfer wie den von Kevin-Prince Boateng kann sich Schalke für die Defensive offenbar noch nicht leisten.

Gemeinsam haben sie sicherlich ihre große Tradition, ihre Wurzeln als Arbeitervereine. Der vielleicht größte Unterschied ist der, dass es auf Schalke schneller unruhig wird, wenn es nicht wie gewünscht läuft.

Schalke und Dortmund schleppen einen gewaltigen Rucksack mit sich rum. Die Tradition verpflichtet, die finanziellen Anforderungen sind hoch, die Erwartungen enorm, manchmal zu groß. Auf Schalke wird eben immer auch zu den Bayern geschielt, die der BVB nun ein paar Mal abschütteln konnte. Das ist Schalke so halt noch nicht geglückt.

Nein, ich habe auch da sehr, sehr unruhige Zeiten erlebt. Aber vor allem seit Jürgen Klopp dort Trainer ist, gibt es beim BVB im sportlichen Bereich und im Management eine Kontinuität, die Schalke in diesen so wichtigen Bereichen leider fehlt.

Ich halte nichts davon, beide miteinander zu vergleichen. Jürgen Klopp ist vielleicht der Trainer der letzten Jahre. Vereine versuchen sich an der von ihm geprägten Spielweise zu orientieren, sie zu kopieren. Aber Jens Keller hat in der letzten Saison aus einer sehr schwierigen Situation das Beste gemacht. Ich glaube, dass er auch daher bei der Mannschaft ein ziemlich hohes Standing hat.

Glauben Sie mir: Alle, auch die „Legionäre“, wissen ganz genau, was auf dem Spiel steht. Jeder dieser Spieler kennt ja aus seinem Land auch solche Derbys. Auch die Stimmung in der Kabine vor einem Derby ist eine ganz andere, dafür werden alleine schon Derby-Protagonisten wie Benni Höwedes oder Kevin Großkreutz sorgen, die ja schon lange für ihre Vereine spielen.

Ich finde, Benni macht insgesamt einen fantastischen Job, auch im Training geht er immer voran. Aber möglicherweise muss er nun auch den nächsten Schritt machen und sich tatsächlich noch ein wenig stärker positionieren, auch gegenüber älteren Spielern, die vielleicht hin und wieder andere Ansichten haben.

Ich denke schon, ja. Diese Diskussion ist bezeichnend dafür. Das lässt sich bei den Abwürfen belegen: Es gibt sehr schnell Pfiffe, wenn ein Schalker Torhüter einen abgefangenen Ball nicht sofort abwirft, wie Manuel Neuer das gemacht hat. Als Spieler, der unten auf dem Feld steht, sehe ich das ganz anders: Wenn der Torwart nicht sofort eine brillante Idee hat, wo er den Ball hinwerfen soll, soll er ihn lieber erst mal festhalten. Dieses Misstrauen, das dem Torhüter da von vielen Zuschauern entgegengebracht wird, spürst Du als Spieler und besonders als Torwart natürlich.

Völlig verdient, finde ich. Roman zeigt nicht nur insgesamt nachhaltig ausgezeichnete Leistungen, er ist auch zu einer starken Persönlichkeit gereift und repräsentiert den BVB nach außen hervorragend. Roman bietet so ein starkes Gesamtpaket an, dass ich mir eine Nominierung durch Joachim Löw gut vorstellen kann.

Sehr gut sogar. Aber warten wir mit solchen Personalien doch erst einmal die WM ab – ich bin mir sicher, dass danach eine ganze Menge deutscher Spieler im Focus stehen werden. Hummels, Draxler, Höwedes, Gündogan – da wird sich eine Menge tun.

Das hängt auch davon ab, ob Schalke regelmäßig die Champions League erreicht. Die ist für Schalke auch deshalb so wichtig, weil sie bei Spielern dieser Kategorie eine entscheidende Rolle spielt. Wenn Schalke sich nicht für die Champions League qualifiziert, ist der Verbleib von Spielern wie Draxler, Höwedes und Huntelaar absolut gefährdet.

Überhaupt nicht. Es tut auch gut, sich dem Derby mal ganz entspannt nähern zu können. Meine Zeit als Profi ist vorbei.

Nein, wirklich nicht. Ich habe ja aus freien Stücken aufgehört. Das für einen Profi notwendige Feuer hat einfach nicht mehr in mir gebrannt. Und das wollte ich den Zuschauern und mir nicht mehr antun.

Nur noch im Trainer-Team der A-Jugend, aber nicht mehr als Spieler. Mit dem Training haut es zeitlich für mich einfach nicht mehr hin. Und wenn man gute Leistungen bringen will, muss man auch in der Landesliga trainieren.  

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