Bodo Menze ist bei Schalke eine Institution. Zwar wurde der 66-Jährige im Sommer mit Standing ovations verabschiedet, aber er arbeitet weiter für seinen Verein. Im Interview sagt er, wo.

Gelsenkirchen

, 10.09.2019, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Königsblau ist für den ausgebildeten Gymnasial- und Fußballlehrer mit Diplom eine Herzensangelegenheit. Im Gespräch mit dieser Zeitung blickt das Schalker Ehrenmitglied zurück und verrät, was er in Zukunft noch anpacken will.

Menze über...

... seinen ersten Arbeitstag auf Schalke: Ich war 1990 Niederrhein-Verbandstrainer und hatte mit meiner Auswahl im Dezember den Länderpokal gegen Hessen in einem dramatischen Finale mit 5:4 nach Elfmeterschießen gewonnen. Er war der erste Endspielsieg für den Niederrhein nach 32 Jahren.

Zwei Monate zuvor kam der Anruf des damaligen Schalke-Managers Helmut Kremers, der einen Tipp von Holger Osieck bekommen hatte. Holger sollte sich um die Nachwuchsarbeit kümmern, aber er war nur wenige Monate hier und brauchte dann schnell einen Nachfolger, weil ihn Franz Beckenbauer als Co-Trainer nach Marseille holte.

Mit zwei Aktenordnern habe ich in einem kleinen Büro mit der Arbeit angefangen, als erster hauptamtlicher Schalker Jugendmanager. Zuvor wurde auf Schalke im Nachwuchsbereich alles ehrenamtlich gemacht. Übrigens begann ich meine Arbeit nicht wie vorgesehen am 1. Januar 1991, sondern erst vier Monate später. Es gab ein bisschen Stress mit dem Verbands-Präsidenten.

... Vertragslaufzeiten: Es gab vier Gesprächsrunden, ehe ich meinen ersten Vertrag auf Schalke als Jugendmanager unterzeichnet habe. Man wollte mir auf Biegen und Brechen einen Drei-Jahres-Vertrag geben, aber ich habe gesagt: Unter fünf Jahren mache ich gar nichts. Denn ich kannte die Verbandsarbeit und wusste, dass Nachwuchsarbeit nur nachhaltig sein kann, wenn sie langfristig angelegt ist.

Bodo Menze: „Fußball muss auf Schalke an erster Stelle stehen“

Schalkes „Außenminister“: Viele Jahre vertrat Bodo Menze den Verein auf internationaler Bühne, etwa wie hier bei Auslosungen. © dpa

... Rücktrittsgedanken: Ich wollte schon nach zwei Monaten die Brocken hinschmeißen, weil ich den Eindruck hatte, dass es nicht voran geht. Es gab unzählige Baustellen, die mich teilweise zur Verzweiflung getrieben haben. Erst durch die neue Satzung und die Veränderungen auf der Vorstands- und Managerebene wurde es besser.

... wichtigste Entscheidungen: Der Aufbau der Knappenschmiede, der jedoch keine One-Man-Show war. Es gab eine intensive Zusammenarbeit u.a. mit der Bezirksregierung, dem Landessportbund, der schulischen Behörde in Duisburg und der Gesamtschule Berger Feld mit ihrem Direktor Georg Altenkamp. Die Kooperation mit Altenkamp war für mich ein Volltreffer. Das bewerte ich genauso hoch wie die Verpflichtungen von Norbert Elgert, Manfred Dubski als Trainer für den Nachwuchsbereich sowie Lothar Matuschak als Torwart-Coach. Außerdem ist es gelungen, die Abschaffung der U16 rückgängig zu machen.

Trainer, Funktionär - und Sprachlehrer

Bodo Menze wurde am 20. April 1953 in Gelsenkirchen, Ortsteil Schalke, geboren. Er durchlief sämtliche Schalker Jugendmannschaften. Im Seniorenbereich spielte er u.a. beim Landesligisten BW Wulfen. Seine Trainerstationen waren SW Bülse (1978/79 und 1980-82) und Spvgg. Herten (1983-85). Von 1985 bis 1991 war Bodo Menze Verbandstrainer Niederrhein. Als Schalker Funktionär war Menze von 191 bis 2013 sportlicher und später administrativer Leiter der Schalker Knappenschmiede. Seit 2005 war er der Koordinator Internationale Beziehungen der Königsblauen. Als Schalker Delegierter für die UEFA betreute er 114 Champions-League- bzw. Europa-League-Spiele. Aktuell kümmert sich der 66-Jährige weiterhin um die Zusammenarbeit mit Zenit Sankt Petersburg. Aktuell kümmert sich Menze als Sprachlehrer um die Deutschkenntnisse von Rabbi Matondo, Ozan Kabak und Jonjoe Kenny.

... die prägendsten Erlebnisse: Das UEFA-Cup-Rückspiel 1997 in Mailand, die „Meister der Herzen“-Saison 2001, aber auch schon als Jugendlicher die Schalker Mannschaft Anfang der 1970er Jahre zu erleben, die für mich die beste der Vereinsgeschichte war. Der desaströse Skandal, die drei Bundesliga-Abstiege gehören leider auch dazu. Wir haben erst mit der UEFA-Cup-Sieg diesen Skandal abgestreift. Dieser Erfolg war die Initialzündung für den Bau der Arena.

... sein „lustigstes“ Erlebnis: Eine Weihnachtsfeier der Jugendabteilung im Parkstadion 1993. In meinem jugendlichen Leichtsinn habe ich um zwei Uhr morgens die Schlüsselgewalt übergeben. Um sechs Uhr wurde ich von einem Mitarbeiter aus dem Bett geklingelt, der aus einemKrankenhaus in Kirchhellen anrief. Tenor: Bei der Weihnachtsfeier ist etwas passiert. Mein Neffe, der hinter der Theke stand, berichtete mir von Gläsern und Stöckelschuhen, die geworfen wurden. Danach habe ich mir geschworen: Du bestimmst, wann eine Feier zu Ende ist.

Bodo Menze: „Fußball muss auf Schalke an erster Stelle stehen“

„Einer meiner Lieblingsspieler“: Bodo Menze mit Olaf Thon. © imago

... seine Lieblingsspieler: Von der älteren Generation Klaus Fischer, Rüdiger Abramczik, Olaf Thon, „Aki“ Lütkebohmert und die Kremers-Zwillinge. Was die Neuzeit betrifft: Ebbe Sand und Marcelo Bordon. Und von den Spielern, die wir in der Knappenschmiede ausgebildet haben Manuel Neuer, Leroy Sané, Julian Draxler und Benedikt Höwedes.

... Rudi Assauer: Er hat Schalke wie kein anderer verkörpert. Ich habe 13 Jahre lang hervorragend mit ihm zusammengearbeitet. Auf sein Wort konnte man sich immer verlassen.

... die letzte Saison: Die hat mir großes Kopfzerbrechen bereitet. Oft habe ich gedacht: Das kann doch alles nicht wahr sein! Wenn wir im Marketing sensationelle Ergebnisse erzielen, aber der Fußball vernachlässigt wird, dann haben wir spätestens in zwei Jahren ein Riesenproblem. Fußball muss bei uns an erster Stelle stehen. Mittlerweile bin ich optimistisch, dass wir mit dem neuen Personal auf den Erfolgsweg zurückkehren können.

Bodo Menze: „Fußball muss auf Schalke an erster Stelle stehen“

Bisweilen tritt Bodo Menze auch selbst vor den Ball - wie hier bei einem Spiel der Schalker Traditionself. © NBM

... Eigenschaften, um so lange für Schalke arbeiten zu können: Man muss ehrliche Arbeit abliefern. Ich habe mich nie an Spielchen hinter den Kulissen beteiligt, die mir nicht gefallen haben. Ausdauer, Geduld und eine gewisse Leidensfähigkeit gehören auch dazu.

... andere Angebote: Es gab die Offerte von Holger Osieck, als sein Co-Trainer zu Urawa Red Diamonds nach Japan zu wechseln. Aber das habe ich aus familiären Gründen und wegen meiner Verbundenheit zu Schalke abgelehnt.

... einen Tipp für Schalke: Ich habe dem Vorstand geraten, wegen der verbesserten Infrastruktur auf unserem Gelände auf die Karte Mädchenfußball zu setzen. Das würde für Schalke auch einen Imagegewinn bedeuten. Man könnte mit der U9 anfangen und dann Zug um Zug weitere Mannschaften aufbauen. Ich gebe zu, dass ich früher mit Damenfußball nichts anfangen konnte. Aber das hat sich geändert.

... Zukunftspläne: Ich will mehr Zeit mit der Familie verbringen, die oft in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen ist. Und dann habe ich viele Hobbys wie Schwimmen, Billardspielen bei GT Buer und Kochen. Neben meinen weiter laufenden Tätigkeiten für Schalke auf internationaler Ebene und im Vorstand der Stiftung Schalker Markt könnte ich mir auch eine Mitarbeit im Schalker Aufsichtsrat vorstellen.

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