Charakterfrage: Auf Schalke mangelt es an Häuptlingen

Zweifel werden größer

Mal wieder wird beim FC Schalke 04 die Charakterfrage gestellt. Das ist sechs Spieltage vor dem Saisonende ein Alarmsignal, das nichts Gutes verheißt. Ausgerechnet vor den „Wochen der Wahrheit“ brodelt es bei den Königsblauen gewaltig. Kriegt Trainer André Breitenreiter den Problemberg noch in den Griff?

GELSENKIRCHEN

05.04.2016, 07:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Franco Di Santo (v.l.n.r), Younes Belhanda und Max Meyer – alle kämpfen mit ihren eigenen Problemen.

Franco Di Santo (v.l.n.r), Younes Belhanda und Max Meyer – alle kämpfen mit ihren eigenen Problemen.

Die Zweifel werden immer größer. Schalke fehlen mindestens vier Qualitätsmerkmale, die eine Spitzenmannschaft auszeichnet.

Siegermentalität: Nur einmal gelang es den Blau-Weißen im bisherigen Saisonverlauf aus einem Rückstand einen Sieg zu machen. Dabei spielte Huntelaar und Co. beim 3:2-Erfolg gegen den Hamburger SV noch in die Karten, dass der Gegner wegen einer Gelb-Roten Karte dezimiert wurde. Ansonsten ging Schalke meistens als Verlierer vom Platz, sobald es in Rückstand geriet. Wenn Torwart Fährmann in Ingolstadt beklagte, beim Gegner waren „richtige Männer“ auf dem Platz, lässt das tief blicken. Auch Manager Horst Heldt schimpfte zum wiederholten Male: „Wir ergeben uns zu schnell unserem Schicksal.“

Konstanz: Trotz des besten Saisonstarts nach 44 Jahren entwickelt sich diese Spielzeit für Schalke zu einer Achterbahnfahrt mit ungewissem Ausgang. Immer wenn die Chance bestand, sich auf einem Champions-League-Platz festzusetzen, versagte die Mannschaft. Nur weil die Mitkonkurrenten ebenfalls keine Konstanz besitzen, steht Schalke noch auf Platz sieben.

Führungsspieler: Der Mannschaft fehlt es an Häuptlingen, die in kritischen Situationen Verantwortung übernehmen. „Jeder kämpft mit seinen eigenen Problemen, vor allem, wenn wir in Rückstand geraten“, bestätigte Dennis Aogo in Ingolstadt. Höwedes wäre so ein Spieler mit Führungsqualitäten, doch der Weltmeister ist noch nicht fit und muss längst um seine Teilnahme an der Europameisterschaft bangen.

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„Ich erhoffe mir mehr Führung von den älteren Spielern“, sagte Heldt. Doch das scheint ein frommer Wunsch zu bleiben. Erfahrene Spieler wie Aogo, Neustädter oder auch Geis wirken momentan auf dem Platz sehr verunsichert, während die Hochbegabten wie Sané oder Goretzka nach Meinung von Heldt noch zu ruhig sind.

Torjäger: Schalke hat keinen Spieler in seinen Reihen, der nach 28 Spieltagen zweistellig getroffen hat. Weder Huntelaar (acht Tore) und schon gar nicht Di Santo (zwei Treffer) konnten überzeugen. Im Gegenteil, Di Santo war in Ingolstadt nicht zum ersten Mal in dieser Saison ein Totalausfall, so dass Manager Heldt für das Derby gegen Dortmund sich für einen Einsatz von Huntelaar stark macht. „Klaas Jan ist ein Spieler, der nicht nur viele Tore macht, sondern auch die Mentalität auf den Platz bringt, die im Derby wichtig ist“, so Heldt.

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