Im Rampenlicht steht Chef-Coach David Wagner - doch alleine ist er nicht. Vor dem Derby haben wir mit Co-Trainer Chirstoph Bühler über seine Arbeit gesprochen - und über das Derby.

Gelsenkirchen

, 24.10.2019, 18:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie sind 42 Jahre alt, aber schon 21 Jahre Trainer. Wie ist das zu erklären?

Ich spielte in der Jugend des SC Freiburg, wo ich mir leider sehr früh Verletzungen zugezogen habe, die eine Karriere als Profi unmöglich machten. Deshalb bin ich zurück zu meinem Heimatverein SG Freiamt/Ottoschwanden und habe dort damit begonnen als Spielertrainer zu arbeiten. Später habe ich in Heidelberg und Mannheim Sport und Betriebswirtschaft studiert und nach einigen Erfolgen im Amateurbereich gemerkt, wie viel Spaß mir die Arbeit macht und wie sehr sie mir liegt.

Aber Sie haben auch noch einmal höherklassig im Amateurbereich gespielt.

Bei der TSG Weinheim in der Verbands- und Oberliga, wo ich David Wagner kennengelernt habe, der dort seine Karriere ausklingen ließ. Dort habe ich mich wieder an der Schulter verletzt, so dass ich aufhören musste. Ich bin dann wieder Trainer geworden, zunächst für die A-Jugend und die zweite Mannschaft von Weinheim.

Ist die Trainertätigkeit für Sie ein Traumjob?

Das kann man so sagen. Es ist ein Job, der fordert, aber auch viel zurückgibt. Man arbeitet hier auf höchstem Niveau. Das treibt einen als Sportler an.

Das Ruhrgebiet ist für Christoph Bühler kein Neuland

Christoph Bühler wurde am 2. Juni 1977 in Kenzingen geboren. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Haltern. Schalke ist die vierte Trainerstation, wo Bühler mit David Wagner in einem Trainerteam zusammenarbeitet. Zuvor waren es die Stationen TSG 1899 Hoffenheim, Borussia Dortmund U23 und Huddersfield, wo sie sensationell den Aufstieg schafften. Seine Spielidee vom Fußball hat Bühler einmal so beschrieben: „Wir wollen aktiv agierend und nicht passiv und reagierend spielen. Bühler hat sich gut eingelebt. „Schließlich ist das Ruhrgebiet für mich kein Neuland. Es war für mich eher eine Rückkehr, da ich vor einigen Jahren bereits hier gelebt habe. Ich mag die Region, es gibt zahlreiche spannende und schöne Orte“, so der 42-Jährige.

Schalke hat sein Trainerteam erweitert. Wie ist ihr Aufgabenbereich definiert?

Es sind bei mir drei große Blöcke: Die Trainingsplanung und -durchführung, die Spielvorbereitung und -nachbereitung sowie die Verzahnung mit der U23.

Wie sieht die Trainingsplanung im Detail einer Woche aus?

Es gibt ein Grundgerüst, das Woche für Woche steht. Informationen über den nächsten Gegner werden zum Beispiel über die Woche verteilt, damit wir die Jungs nicht mit Informationen erschlagen, sondern sie inhaltlich sinnvoll aufbereiten. Jedes Training hat Inhalte, die einerseits den Gegner betreffen und andererseits auf unsere Mannschaft bezogen sind. Jeweils am Dienstag analysieren wir den nächsten Gegner und gucken, was uns bevorsteht.

Ist es für das Trainerteam ein Vorteil für die Arbeit, dass Schalke in dieser Saison nicht international dabei ist?

Aktuell sicherlich. Denn wir wissen alle, dass es in dieser Spielzeit darum geht, sich sportlich zu konsolidieren. Je mehr Zeit man hat, ein Fundament zu legen, desto besser.

„Wir dürfen nicht kopflos agieren.“

Täuscht der Eindruck, dass Chef-Trainer David Wagner bei den meisten Trainingseinheiten seinen Assistenten das Feld überlässt?

Wir sind dafür zuständig, dass die Informationen, die David an die Mannschaft gibt, ohne Reibungsverluste vermittelt werden. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einzelgespräche, Teammeetings oder die Trainingsformen. Wir haben Freiheiten, aber unsere Stärke ist, dass wir es im Trainerteam gemeinschaftlich umsetzen. Man darf nicht vergessen, wir haben 23 Spieler im Kader. Wenn in so einer großen Gruppe nur einer Informationen weitergeben würde, käme man nicht voran.

Auch technische Hilfsmittel haben längst bei allen Bundesligisten Einzug gehalten.

Wir schauen uns regelmäßig Videosequenzen in der Halbzeitpause an, analysieren was gut oder schlecht gelaufen ist. Und von Matthias Kreuzer und Lars Gerling, die auf der Tribüne sitzen und einen anderen Blick aufs Spielfeld haben, bekommen wir ebenfalls per Headset wichtige Informationen.

Ist Straftraining für Profis heute noch zeitgemäß?

Nein. So etwas gibt es bei uns nicht. Das würde überhaupt nicht zu unserem Ansatz passen.

Welche anderen Sanktionen werden bei Fehlverhalten ausgesprochen?

Wir haben klare Regeln und einen Strafenkatalog. Dass ab und an etwas passiert, sich beispielsweise mal jemand verspätet, wenn man 23 Spieler im Kader hat, das ist völlig normal. Bisher war aber alles im Rahmen.

Schalke ist bereits der vierte Mannschaft, wo Sie mit David Wagner zusammenarbeiten. War das von Ihm eine Bedingung, um das Schalker Angebot anzunehmen?

Bestimmt. (lächelnd) Nein, im Ernst: Wir kennen uns schon lange. Bisher hat sich das gut ergänzt.

Jetzt ist Derbywoche. Verspüren Sie bei den Spielern eine besondere Anspannung?

Das wächst zum Spieltag hin stetig an. Momentan spüre ich eine besondere Anspannung im privaten Umfeld, bei den Fans und in den Medien. Aber auch wenn es ein besonderes Spiel ist, müssen wir die Emotionen so in den Griff bekommen, dass die Spieler auf dem Platz funktionieren. Wir dürfen nicht kopflos agieren.


„Als Co-Trainer können Sie noch relativ normal und unerkannt durch das Leben gehen“

Kommt das Derby jetzt zur rechten Zeit? Man hat den Eindruck, dass es in Dortmund kriselt.

Ein Derby kommt immer zur rechten Zeit, weil es ein besonderes Spiel ist.

Sie haben auch eine Dortmunder Vergangenheit als Co-Trainer der zweiten Mannschaft. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?

Dortmund hat wie Schalke eine große und emotionale Fangemeinde. Vor einem Derby kriegt man natürlich mit, was diese 90 Minuten für die Menschen bedeuten. Doch als Co-Trainer der U 23 ist man zwar nahe dran, aber eben nicht mittendrin.

Sie waren Jugendtrainer, U23-Trainer und jetzt Co-Trainer eines Bundesligisten. Wann ist die Zeit reif für einen Cheftrainer-Posten?

Das weiß ich nicht. Ich plane nicht, irgendwann einmal Cheftrainer zu werden. So wie es bisher mit David Wagner läuft, macht es mir unheimlich viel Spaß. Ob Chef-Trainer oder Co-Trainer, beides hat Vor- und Nachteile.

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Als Co-Trainer können Sie noch relativ normal und unerkannt durch das Leben gehen. Ich kann mich mit meinen Kindern frei bewegen. Es gibt ab und zu mal jemanden, der einen erkennt. Bei David ist das eine ganz andere Kategorie, das merke ich sofort, wenn ich mit ihm zusammen unterwegs bin.

Trotz der Niederlage in Hoffenheim war dort viel von dem zu sehen, was David Wagner von seiner Mannschaft fordert. Sind Sie überrascht, wie schnell die Mannschaft das umsetzt?

Nein. Für mich war schon von Spieltag eins an zu sehen, wie wir spielen wollen im Vergleich zur Vorsaison. Je mehr Spiele absolviert werden, umso mehr greifen die Automatismen.

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