Wenn sich die Königsblauen am Samstag auf den Weg in die Karnevals-Hochburg machen, um sich auf das Spiel am Sonntag einzustimmen, hat der Reise-Tross schlechte Erinnerungen im Gepäck.

von Norbert Neubaum und Frank Leszinski

Gelsenkirchen/Mainz

, 14.02.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sobald Sportjournalisten während eines Fußball-Spiels kaum noch das Geschehen auf dem Rasen-Rechteck verfolgen, sondern hektisch mit den Redaktionen daheim telefonieren oder texten oder angeregt untereinander diskutieren, dann muss etwas Besonderes passiert sein. So geschehen am 23. Februar 2019.

Vor fast genau einem Jahr also war der FC Schalke 04 zuletzt zu Gast bei Mainz 05. Es wurde ein unvergessenes Spiel, was nicht nur mit dem Spiel selbst zu tun hatte. Denn mitten in der zweiten Hälfte machte eine „Kicker“-Meldung die Runde, Schalkes Manager Christian Heidel sei von seinem Amt zurückgetreten. Kein Wunder also, dass es auf der Pressetribüne zu diversen Unruhen kam und das Spiel dort vorübergehend nur hintergründigen Charakter genoss.

Ein Paukenschlag

Denn natürlich war Heidels Rücktritt ausgerechnet an alter Wirkungsstätte ein Paukenschlag. Schalkes Manager wollte ihn erst nach dem Spiel offiziell verkünden, nun aber war die Info durchgesickert und in der Welt. Heidel begründet seinen Rückzug damit, dass er auf Schalke nicht Teil des Problems sein wollte. Der Vize-Meister der Vorsaison war sportlich in Schieflage geraten, es gab umstrittene Personal-Entscheidungen (u. a. der Weggang von Naldo), außerdem hatte eine Idee von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, Heidel eine Art Berater zur Seite stellen zu wollen, für Unstimmigkeiten gesorgt.

Was Heidel ganz besonders sauer aufstieß und was er in Mainzer Zeiten in dieser Form gar nicht gewohnt war, war der Umgang diverser Presse-Organe mit ihm. Besonders die Sport-Bild hatte „scharf geschossen“ und Heidel in einem Kommentar zum Rücktritt aufgefordert. Heidel wirkte entnervt, hatte Schalke sogar schon vor dem Spiel die sofortige Umsetzung seines Entschlusses angeboten. Der Vollzug des Rücktritts erst nach der Partie in Mainz war dann der einzige Kompromiss, auf den Heidel sich noch einließ. Als er Clemens Tönnies über seinen geplanten Rücktritt in Kenntnis setzte, hat Heidels „Chef“ jedenfalls kaum noch Versuche unternommen, ihn zum Bleiben zu überreden.

Sportlich ging‘s bergab

Heidels Rücktritt platzte genau in eine Phase, in der sich auch sportlich die Schlinge um Schalke immer mehr zuzog. Gab es beim Heim-0:0 gegen den SC Freiburg noch „mildernde Umstände“, weil Schalke lange in Unterzahl spielten musste, war die Partie in Mainz (zwischendurch gab es in der Champions League ein respektables 2:3 gegen Manchester City) im Prinzip eine Art Bankrotterklärung. Schalke verlor 0:3, völlig verdient, und Trainer Domenico Tedesco war am Boden zerstört.

Tedesco war konsterniert

„Die Leistung war sehr schlecht. Ich muss das sacken und auf mich wirken lassen“, kommentierte Tedesco konsterniert die Pleite, die letztlich die dann kommende richtige Krise eingeleitet hatte. Danach verlor Schalke zuhause 0:4 gegen Fortuna Düsseldorf, 2:4 bei Werder Bremen und schließlich 0:7 bei Manchester City. Das war Tedescos letztes Spiel als Schalke-Trainer.

Sein Nachfolger wurde Huub Stevens. Den hatte Heidels Nachfolger reaktiviert: Jochen Schneider. Innerhalb weniger Tage hatte Schalke vor ungefähr einem Jahr einen neuen Sportvorstand und einen neuen Trainer. Eine der Ursachen war das Spiel bei Mainz 05.

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