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Schalke steckt nach dem 0:4 gegen Düsseldorf in einer Situation, die richtig brenzlig werden kann. Der drohende und völlig unerwartete Abstiegskampf wird den Verein wohl zum Handeln zwingen.

von Norbert Neubaum

Gelsenkirchen

, 03.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Es geht hier nicht darum, frei nach dem Motto „Jetzt müssen Köpfe rollen“ reflexartig eine Trainer-Entlassung zu fordern.

Ganz im Gegenteil: Wenn Domenico Tedesco nach einem Spiel nun schon zum x-ten Mal vor einem steht und geduldig, höflich, aber auch völlig deprimiert und ratlos erklärt, dass die Mannschaft seine Vorgaben nullkommanull umgesetzt habe, möchte man ihn am liebsten in den Arm nehmen und sagen: „Das wird schon wieder.“

Der Verein muss an sich denken

Aber einerseits wäre das nicht mehr als ein völlig fehlplatzierter Zweck-Optimismus, und andererseits würde diese Geste ja auch niemandem nutzen. Tedesco nicht, Schalke schon mal gar nicht. Und nur darauf kommt es an.

Der Verein muss in dieser Situation, die noch sehr brenzlig werden kann, nun an sich denken. Was ist das Beste für Schalke? Glaubt noch irgendjemand daran, dass Tedesco mit dieser zu oft blutleer auftretenden Truppe die Kurve kriegen kann? Wenn der neue Sportvorstand Jochen Schneider am Samstag in der Arena nicht irgendetwas gesehen, gehört oder gespürt hat, was allen anderen Zuschauern entgangen ist, kann die Antwort im Prinzip nur „Nein“ lauten.

Viel probiert, völlig verzettelt

Es gibt aktuell kein Argument mehr für Tedesco. Der Trainer hat alles (zu viel?) probiert, nichts hat nachhaltig funktioniert. Er hat sich in seiner zweiten Saison auf Schalke im Bemühen, alles richtig zu machen und allen Wettbewerben und Spielern gerecht zu werden, völlig verzettelt. Durch seltsame Personal-Entscheidungen (Naldo!) hat er sich angreifbar gemacht.

Dass Tedesco nun nach dem Debakel mutig in die Fan-Kurve ging, dass er am Sonntag schon am frühen Morgen wieder auf dem Vereinsgelände war, dass er nicht – wie Manager Heidel – das Handtuch wirft, all das ehrt ihn. Aber das macht die Mannschaft nicht besser.

Trainer trägt Verantwortung

Tedesco ist in der Vorsaison zurecht gefeiert und gelobt worden. Er trägt nun genauso dafür die Verantwortung, dass der Vize-Meister zur Karikatur einer Bundesliga-Mannschaft geschrumpft ist. Kein Trainer, keine Taktik dieser Welt ist schuld daran, wenn ein Salif Sané unfassbare Fehlpässe wie vor dem 0:1 gegen Düsseldorf spielt. Aber es geht nicht um Schuld, es geht um Verantwortung. Und die trägt der Trainer. In guten wie in schlechten Zeiten.

Und wer nun zu bedenken gibt, es sei ja keine geeignete Interims-Lösung auf dem Markt: Egal, ob nun ein Mike Büskens, Huub Stevens (sitzt im Schalker Aufsichtsrat), Peter Neururer, Marc Wilmots oder wer auch immer: Schlechter, das lehrt die Erfahrung des Düsseldorf-Spiels, kann es nicht mehr werden.

Domenico Tedesco wird als junger Trainer hoffentlich von den nun gemachten Erfahrungen profitieren. Aber wahrscheinlich nicht mehr auf Schalke. Schade.

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