Dritter Sieg im dritten Spiel unter Ralf Rangnick

"Kummerkasten ist leer"

Wer bis dahin noch immer auf der Suche nach Unterschieden zwischen den Trainern Ralf Rangnick und Felix Magath war, der wurde spätestens am Samstag Nachmittag in der Schalker Veltins-Arena fündig.

GELSENKIRCHEN

von Von Norbert Neubaum

, 10.04.2011, 16:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jubel im königsblauen Trainingsanzug: Ralf Rangnick (l.) und Ersatzkeeper Mathias Schober.

Jubel im königsblauen Trainingsanzug: Ralf Rangnick (l.) und Ersatzkeeper Mathias Schober.

Während Magath nach S04-Treffern beim Torjubel von seinen Assistenten Bernd Hollerbach und Seppo Eichkorn überholt wurde, führte Rangnick die Jubel-Parade selbst an. Die Fäuste des dabei mit seinen Beinen auf den Boden trommelnden S04-Trainers wirbelten so wild durch die Gegend, dass er sich fast den eigenen Trainingsanzug vom Körper geprügelt hätte. „Es war“, erklärte Rangnick hinterher seine sichtbare Erleichterung, „vielleicht nicht unser wertvollster Sieg. Aber unser wichtigster.“ Dieser Zusatz ließ natürlich Raum für Spekulationen, die Rangnick allerdings sofort beendete. „Wir sind beim Blick nach unten jetzt aller Sorgen ledig“, wies er darauf hin, dass sich die Vokabel „wichtig“ einzig und allein auf den nun sicheren Klassenerhalt bezog und nicht etwa auf die gelungene Revanche gegen Felix Magath, der bis zum 16. März ja selbst noch offiziell in Schalker Diensten stand.Felix Magath? Fast schien es so, als sei er bereits in der Schalker Vergangenheit angekommen. Denn die mit Spannung erwartete Rückkehr des einstigen „Magiers“ entpuppte sich letztlich als viel Lärm um wenig.

Es gab weder bemerkenswerte Pfiffe noch Beifall für Magath, der mit der gleichen Emotionslosigkeit empfangen und verabschiedete wurde, die man ihm auf Schalke nachgesagt hat. Auch Magath, der sich erst kurz vor Spielbeginn im Arena-Innenraum blicken ließ, vermied jede Sentimentalität. Immerhin: „Die prächtige Stimmung in der Arena kenne ich ja noch. Nur konnte ich sie diesmal nicht genießen...“ In der Tat: Magath hat mit dem Kellerkind Wolfsburg ganz andere Sorgen, als sich in einen erneuten Kleinkrieg mit Schalke verstricken zu lassen. Der VfL-Trainer befürchtet, dass seine neue Mannschaft noch nicht begriffen hat, was Abstiegskampf bedeutet – es ist davon auszugehen, dass er es ihr in den nächsten Tagen und Wochen beibringen wird. Und Schalkes Profis sind froh, dass sie das aktuelle Wirken ihres Ex-Chefs nun aus der Distanz beobachten können. In der Schalker Mannschaft steckt zwar noch der Manager Magath, vom Trainer Magath hat sie sich emanzipiert. „Der Kummerkasten ist leer“, antwortete Manuel Neuer auf die Frage, ob er mit dem neuen Trainer nun über andere Dinge als mit Magath diskutieren kann – Neuer war vor allem am Ende der Magath-Ära als Kapitän von der Mannschaft zum „Beschwerdeführer“ auserwählt worden.

Der „leere Kummerkasten“ bezieht sich aber auch aufs Sportliche: Drei Siege hat Schalke in drei Spielen unter Rangnick eingefahren, der Rückstand auf Mainz 05 beträgt „nur“ noch sechs Punkte, was nun sogar Träume von Platz fünf erlaubt. Zumal Schalke auch gegen Wolfsburg besonders nach Baumjohanns Einwechslung in Ansätzen das zeigte, was Rangnick fordert: Schnelles, aggressives Spiel nach vorn – so ähnlich will der Trainer auch am Mittwoch in der Champions League gegen Inter den Sack zumachen. Denn: „Mit unserem Personal können wir uns ja gar nicht nur hinten reinstellen.“ Außerdem will sich Ralf Rangnick auch wieder über eigene Tore freuen. Das allein sagt zwar noch nichts über seine Qualität als Trainer aus – aber beim Torjubel haut Rangnick Vorgänger Magath glatt aus dem Anzug... 

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