Ein Punkt für die Schalker Moral beim 1:1 gegen Union Berlin

Schalke 04

Schalke 04 holt beim 1:1 gegen Union Berlin einen Rückstand auf. Torwart Frederik Rönnow und Stürmer Goncalo Paciencia sichern ersten Saisonzähler.

Gelsenkirchen

, 18.10.2020, 20:56 Uhr / Lesedauer: 3 min
Jubelndes Schalke-Quartett (v.l.): Nabil Bentaleb, Goncalo Paciencia, Matija Nastasic und Amine Harit.

Jubelndes Schalke-Quartett (v.l.): Nabil Bentaleb, Goncalo Paciencia, Matija Nastasic und Amine Harit. © dpa

Endlich mal wieder kein Geisterspiel auf Schalke, wenn man so will: 300 Zuschauer waren gegen Union Berlin (1:1) immerhin zugelassen – es war die erste Partie vor Publikum in der Veltins-Arena seit dem 7. März, als es vor 60.000 Besuchern ein 1:1 gegen die TSG Hoffenheim gab. Der FC Schalke 04 hatte für dieses ganz besondere Ereignis Gäste aus Berufen eingeladen, die sich besonders in Corona-Zeiten um die Gesellschaft verdient gemacht haben, beispielsweise Pflegekräfte aus Altenheimen.

Eine schlechte Nachricht mussten die Königsblauen und ihre Anhänger schon vor dem Spiel verkraften: Mark Uth, von Trainer Manuel Baum als „Offensiv-Chef“ auserkoren, musste sich wegen muskulärer Probleme abmelden. Alternativ-Kandidat Amine Harit saß trotzdem zunächst nur auf der Bank, Schalkes Abteilung „Attacke“ bestand aus Benito Raman, Steven Skrzybski und etwas dahinter Can Bozdogan, der seinen Vertrag auf Schalke vor dem Spiel bis 2024 verlängert hat. Ganz vorne durfte erstmals in einem Pflichtspiel für Schalke Vedad Ibisevic ran – der Sturm-Veteran bekam den Vorzug vor Goncalo Paciencia.

Gute Chancen für Union

So ganz konnte Schalke die Verunsicherung nach den drei Auftakt-Niederlagen und saisonübergreifend 19 Bundesliga-Spielen ohne Sieg zwar nicht abstreifen, aber insgesamt kamen die Gastgeber relativ stabil durch die ersten 45 Minuten. Vor allem Abwehrchef Salif Sané räumte hinten ordentlich auf, konnte allerdings auch nicht verhindern, dass die beiden größten Chancen die „Eisernen“ aus der Hauptstadt hatte. Aber sowohl gegen Grischa Prömel (21.) als auch gegen Robert Andrich (22.) parierte Schalkes Torhüter Frederik Rönnow glänzend – der von Eintracht Frankfurt ausgeliehene Däne stand für den noch verletzten Ralf Fährmann zwischen den Pfosten.

Es waren kritische Minuten, die Schalke in dieser Phase zu überstehen hatte. Zumal nach vorne gewohnt wenig lief – ein übers Tor abgefälschter Schuss von Benito Raman (31.) machte den Schalke-Fans auf der Gegentribüne der Arena noch am ehesten Hoffnung, dass sich ihr nach 30 Minuten erstmals lautstark geäußerter Wunsch erfüllen würde: „Auf geht’s Schalke, schießt ein Tor.“

Ausgerechnet ein Ex-Schalker nahm das dann wörtlich: Marvin Friedrich schoss zwar nicht, sondern köpfte nach einer feinen Flanke von Christopher Trimmel das 1:0 für Union Berlin (55.). Ein Zufallstreffer war das nicht, denn die Gäste hatten schon in der 47. Minute die erste ganz große Chance nach dem Seitenwechsel, die allerdings erneut Rönnow (diesmal gegen Christopher Lenz) vereitelte.

Zwei frische Kräfte

Schalke in Rückstand, wieder mal. Im „Normalfall“ ist das gleichbedeutend mit einer Niederlage. Trainer Manuel Baum versuchte gegenzusteuern, brachte mit Paciencia und Harit zwei frische Offensiv-Kräfte.

Und tatsächlich kam Schalke, wo der junge Rechtsverteidiger Kilian Ludewig ein ordentliches Startelf-Debüt feierte, zurück: Nach einer Ecke von Omar Mascarell stand Goncalo Paciencia goldrichtig und erzielte ebenfalls per Kopf das 1:1 (69.).

Danach schrumpfte die Partie zu einem Abnutzungskampf auf überschaubarem Niveau – aber ein Spiel aus der Feinkost-Abteilung des Fußballs war gerade angesichts der Schalker Ausgangslage wohl auch nicht zu erwarten. Immerhin konnte so am Ende der erste Zähler dieser Saison verbucht werden, gerade noch rechtzeitig vor dem Derby am kommenden Samstag. Irgendwie war es ein Punkt für die Moral – denn zumindest die Reaktion nach dem Rückstand stimmte diesmal. Und alleine das war schon ein Fortschritt.

Vorsichtig optimistisch

Der große Jubel blieb dennoch aus, verständlich. Ob diese Partie nun wirklich die Wende war, muss sich für Schalke erst noch zeigen. Und die Spieler von Union Berlin wussten, dass auf Schalke auch mehr drin gewesen wäre als der eine Punkt. Union-Torhüter Andreas Luthe: „Im Moment fühlt es sich für mich so an, als hätten wir hier zwei Punkte verloren.“ Goncalo Paciencia war vorsichtig optimistisch: „Wir kommen aus einer schwierigen Situation. Jetzt geht es darum, aus diesem Spiel die positiven Dinge mitzunehmen.“

Zumindest die 300 Zuschauer nahmen das unterm Strich gerechte Ergebnis zufrieden zur Kenntnis. Sie hatten mit ihrer Anwesenheit dafür gesorgt, dass Schalke die Geisterspiel-Ära wenigstens für einen Spieltag unterbrochen hat. Und die Leistung der Königsblauen war auch nicht so gespenstisch wie in den vergangenen Monaten.

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