Experte rügt fehlende Polizeikontrollen beim Derby

Kriminologe im Interview

Angesichts der verstörenden Bilder vom Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 drängt sich die Frage auf, wie die Krawallmacher mit ihrer Pyrotechnik ins Stadion gelangen konnten. Der Kriminologie-Professor Thomas Feltes meint: Die Polizei hätte die Randalierer schon in Essen festhalten können.

BOCHUM

29.10.2013, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Professor Dr. Thomas Feltes ist Kriminologe an der Ruhr-Universität Bochum.

Professor Dr. Thomas Feltes ist Kriminologe an der Ruhr-Universität Bochum.

Natürlich hätte man die Dortmund-Fans dort am Bahnhof festhalten können. Rechtlich wäre dies auf jeden Fall zulässig, da von ihnen eine konkrete Gefahr ausging.

Wenn man so kreativ ist, wie die Polizei das in anderen Situationen auch ist, wäre sowohl eine Durchsuchung der Fans als auch das Festhalten bis zum Ende des Spiels möglich. Dass einzelne Personen aus der Gruppe Gegenstände fallen gelassen hatten, ist ein klarer Hinweis darauf, dass sie selbst mit einer Durchsuchung gerechnet haben. Die Aussage, man habe keine rechtliche Handhabe gehabt, halte ich für überaus fragwürdig.

Das ist nicht richtig. Für § 315 StGB (gefährliche Eingriffe in den Bahnverkehr / Anm. d. Red.) genügt die konkrete Gefährdung, und diese lag hier vor. Der tatsächliche Erfolgseintritt – also die Verletzung einer Person - ist nicht erforderlich. Man kann sogar über den schweren Fall des Abs. 3 nachdenken, da durch diesen Eingriff eine andere Straftat, nämlich die Pyrotechnik im Stadion, ermöglicht werden sollte.

Ich habe das Gefühl, man hat vonseiten der Polizei die leichteste Variante gewählt und die Verantwortung auf die Vereine abgewälzt. Kontrollen wären vonseiten der Polizei unmittelbar vor oder auch noch im Eingangsbereich des Stadions möglich gewesen: Dort wäre die Polizei aufgrund der Vorkommnisse zuvor verpflichtet gewesen, die Ordner zu unterstützen, um Gefahren für Leib und Leben anderer abzuwenden.

Es wäre mir neu, dass es einem Anwalt gelingt, einen laufenden Polizeieinsatz zu unterbinden.

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