Clemens Tönnies wird am Samstag im Heimspiel gegen Bayern München nicht vor Ort sein. Die Schalker Fan-Szene präsentiert sich enorm gespalten bei der Bewertung seiner rassistischen Aussagen.

Gelsenkirchen

, 19.08.2019, 18:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

David Wagner hat es in den vergangenen Tagen bereits mehrfach betont: Dass sein erstes Heimspiel als Schalker Trainer ausgerechnet gegen den FC Bayern München stattfindet, löst bei dem 47-Jährigen eine große Vorfreude aus. Doch neben den Aktivitäten auf dem Fußballplatz wird es am Samstag fast genauso spannend zu beobachten sein, wie die Zuschauer in der ausverkauften Veltins-Arena sich in der Rassismus-Debatte um Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies positionieren.



Dass es Proteste von den Schalker Ultras in irgendeiner Form geben wird, gilt als sicher. Verfolgt man die Debatte um Tönnies in den Print- und sozialen Medien, ergibt sich ein uneinheitliches Bild. Auf der einen Seite gibt es immer noch viel Kritik an Tönnies, auf der anderen Seite aber auch Initiativen von Einzelpersonen, zum Beispiel auf Facebook, die sich für den 63-Jährigen aussprechen und dafür werben, ihm eine zweite Chance einzuräumen.


Echte Entschuldigung fehlt


„Die Schalker Fan-Szene ist gespalten. Clemens Tönnies hat ja immer betont, dass er Gräben zuschütten will, aber bei dieser Thematik ist ihm das bisher nicht gelungen“, sagt Dr. Manfred Beck, Sprecher der Schalker Faninitiative, im Gespräch mit dieser Zeitung.



„Tönnies hätte direkt nach der Meldung über seinen Auftritt in Paderborn eine echte Entschuldigung aussprechen und gemeinsam mit der Geschäftsstelle kommunizieren und konkrete Maßnahmen entwickeln können. All das haben der Ehrenrat, der Vorstand, der Aufsichtsrat sowie natürlich Herr Tönnies selbst weiterhin in der Hand. Sie sind am Zug, um die Spaltung endlich zu beenden!“, betont die Fan-Initiative auf ihrer Internetseite.



„Sind nicht mediengeil“


Nach dem Heimspiel gegen den FC Bayern München werden sich die organisierten Anhänger zusammensetzen und beraten, wie es weiter gehen soll. Die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ist noch nicht vom Tisch. „An uns sind schon Personen herangetreten, die das befürworten“, verrät Beck. Damit es dazu kommt, wären allerdings zehn Prozent der aktuellen Mitgliederzahl vonnöten. Das wären rund 16.000 Personen.


Bei aller Schärfe und Dynamik, die der Auftritt von Tönnies in Paderborn auslöste, sieht Dr. Beck in dieser Auseinandersetzung auch einen positiven Aspekt. „Endlich kommt eine Diskussion in Gang, die sich mit der Frage beschäftigt, wo beginnt Rassismus?“, so der 68-Jährige.


Podiumsdiskussion mit Peters geplant


Das ist eine der wesentlichen Fragen, die Dr. Beck noch stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken will. Deshalb wird es auf seine Initiative bald in der Volkshochschule Gelsenkirchen eine Diskussion zu diesem Thema geben. Zusagen hat Dr. Beck bereits vom renommierten Soziologen und Erziehungswissenschaftler Professor Dr. Wilhelm Heitmeyer (Universität Bielefeld) und Schalkes Finanzvorstand Peter Peters. Außerdem möchte Dr. Beck u. a. noch Gerald Asamoah und Hans Sarpei für diese Diskussion gewinnen.



Vorwürfen, die Fan-Initiative sei „mediengeil“, wird auf der Homepage energisch widersprochen: „Die Medien fragen bei uns an, nicht umgekehrt. Wir nehmen nicht einmal alle Interviews wahr, die wir angeboten bekommen. Dass Medien in erster Linie auf diejenige Fan-Organisation kommen, deren satzungsgemäße Aufgabe Antidiskriminierungsarbeit ist und dafür mehrfach ausgezeichnet wurde, ist naheliegend. Wenn wir uns nicht zur Verfügung stellen, tut es jemand anders. Die Diskussion gäbe es trotzdem.“


Fanmarsch zum Stadion


Ungeachtet der unterschiedlichen Meinungen zu Tönnies wird es am Samstag auf Initiative der „Faninitiative Nord“ ab 15.30 Uhr von der Domplatte in Buer einen gemeinsamen Fanmarsch zur Veltins-Arena geben. Das Motto heißt: „Gemeinsam in eine erfolgreiche Saison.“

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