Fragen und Antworten zum Schalker Millionen-Deal

Königsblaues Finanzkonstrukt

GELSENKIRCHEN Darf eine klamme Stadt wie Gelsenkirchen mit hoher Arbeitslosigkeit einen finanziell angeschlagenen Fußballverein mit 25,5 Millionen Euro unter die Arme greifen? Eine Frage, die nach dem Einstieg der Gesellschaft für Energie und Wirtschaft (GEW) bei Schalke 04 die Gemüter erhitzt. Bei uns bekommen Sie alle wichtigen Fragen beantwortet.

von Von Oliver Brand und Torsten Storks

, 30.10.2009, 17:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die undurchsichtige Finanzsituation bei Schalke wirft viele Fragen auf.

Die undurchsichtige Finanzsituation bei Schalke wirft viele Fragen auf.

Wer ist die GEW? Die GEW ist eine hundertprozentige Tochter der Stadt Gelsenkirchen und bezeichnet sich selbst als vielseitiges und modernes Dienstleistungsunternehmen. Neben ihren Geschäftsfeldern im Energie- und im Freizeitbereich sowie ihren Tochtergesellschaften, die zum Beispiel in der Telekommunikation, der Logistik oder der Gastronomie aktiv sind, führt die GEW die Geschäfte der Gelsendienste, einer eigenbetriebsähnlichen Einrichtung der Stadt Gelsenkirchen.Wer sind die Vertragspartner? Vertragspartner sind der Fußball-Club, die Stadion- Beteiligungsgesellschaft, die GEW und ein nach Vereinsangaben „bedeutendes nationales Kreditinstitut“.Wie sieht der 25-Millionen-Euro-Deal aus? Die Vereinbarung besteht aus zwei Bestandteilen: Der Verein verkauft für bis zu 15 Millionen Euro Kapital an der Arena an seine Vertragspartner. Nach zehn Jahren kann der FC Schalke 04 diese Anteile zurückerwerben. Zudem gewähren die Vertragspartner der Arena-Gesellschaft Darlehen in Höhe von 10,5 Millionen Euro. Dadurch kann dieses Unternehmen Darlehen in gleicher Höhe wieder an Schalke 04 zurückführen.Ist das Geschäft schon rechtskräftig? Die Vereinbarung ist von allen Vorständen und Geschäftsführern unterschrieben, muss aber noch von unterschiedlichen Gremien genehmigt werden.Wo liegen die Risiken? Kritiker sehen durchaus einige Haken: Schalkes Anteil an der Stadiongesellschaft – die allein Schulden in Höhe von 115 Millionen Euro aufweist – sinkt durch den Verkauf der Anteile von 77 Prozent auf unter 40 Prozent. Größter Eigner der Stadions ist nun offenbar die GEW, die damit nach Angaben von Wirtschaftsexperten „einen Riesenberg an Schulden übernommen hat“. Sofern nicht nur die Anteile, sondern auch die Stimmrechte an die GEW übergegangen sind, trägt nun die GEW einen wesentlichen Teil des Pleiterisikos von Schalke.Wie ist das Geschäft eingefädelt worden? Nach Angaben von Schalke-Geschäftsführer Peter Peters ist der Deal von langer Hand vorbereitet worden. Bei einer „Kennenlernrunde“ der Stadtspitze um Oberbürgermeister Frank Baranowski mit Schalke-Manager Felix Magath und Peters machte der Verein den Vorstoß einer städtischen Unterstützung für die Arena-Gesellschaft. Für die Stadt, gerade dem Nothaushaltsrecht entkommen, kam ein direktes Engagement nicht in Frage. Wohl aber die GEW, die auch mit 90 Millionen Euro die Zoom-Erlebnis-Welt in Gelsenkirchen finanziert hat.Werden bei dem Engagement Steuergelder verprasst? Nein, sagt Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski. „Es fließen weder Steuergelder, noch städtische Mittel.“ Schalke-Geschäftsführer Peters erklärt zudem, dass die GEW in ein „hoch profitables Immobilien-Geschäft“ investiere.Warum braucht Schalke 04 überhaupt das Geld? Der Traditionsclub hat laut der für das Kalenderjahr 2008 erstellten und veröffentlichten Bilanz 2008 Schulden in Höhe von 137 Millionen Euro. Die Arena-Gesellschaft hatte zum gleichen Zeitpunkt Gesamtverbindlichkeiten von 115 Millionen Euro.

Wie soll der Schuldenberg weiter abgebaut werden? Neben dem GEW-Deal plant der Verein eine drastische Reduzierung seiner Personalkosten. Derzeit beläuft sich der Personaletat früheren Vereinsangaben zufolge auf rund 55 Millionen Euro. „Der Verein muss finanziell auf eine neue Grundlage gestellt werden“, sagt Trainer und Manager Felix Magath. Bereits in der Winterpause könnte es Spielerverkäufe geben. Ebenfalls denkbar: Der Vertrag von Spitzenverdiener Kevin Kuranyi wird nicht verlängert. 

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