Friedhelm Funkel ist ein bisschen erkältet. Aber das hält den Trainer-Dino von Fortuna Düsseldorf nicht davon ab, beim Interview schnell auf Betriebstemperatur zu kommen.

Gelsenkirchen

, 07.11.2019, 17:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie lange dauerten die Feierlichkeiten ihrer Mannschaft am vergangenen Wochenende nach dem Sieg im rheinischen Derby gegen den 1. FC Köln?

Es gab keine. Diese Zeiten sind längst vorbei, auch wenn dieses Spiel für die Fans beider Vereine eine enorme Bedeutung hat. Für mich war einzig und allein wichtig, dass wir die drei Punkte geholt haben.

Wurde denn am 2. März 2019 gefeiert, als die Fortuna beim FC Schalke 04 mit 4:0 triumphierte?

Ja, aber nicht weil wir dieses Spiel gewonnen hatten, sondern weil es das Karnevalswochenende war. Da wird in Düsseldorf natürlich gefeiert, unabhängig von sportlichen Entwicklungen.

Haben Sie noch besondere Erinnerungen an diese Partie vor acht Monaten?

Nein. Ich bin ein Mensch, der sich nicht intensiv damit auseinandersetzt, was bei früheren Spielen passiert. Ich lebe in der Gegenwart.

Friedhelm Funkel vor dem Spiel auf Schalke: „Die Rückrunde mit Fortuna war ein Wunder“

Funkels Triumph, Tedescos Niederlage: Der 4:0-Sieg der Düsseldorfer auf Schalke war Domenico Tedescos letztes Heimspiel vor seiner Entlassung. © NBM

Nach dieser Schalker Niederlage deutete sich an, dass Schalke-Trainer Domenico Tedesco wohl bald nicht mehr zu halten sein wird. Haben Sie damals Mitleid mit ihrem jungen Kollegen empfunden?

Nein, denn das gehört zum Profifußball dazu. Diese leidvolle Erfahrung, dass man seinen Vertrag als Trainer nicht erfüllen darf, habe ich während meiner Karriere auch schon einige Male machen müssen.

Ist solch ein Erfolg auf Schalke am Samstag wiederholbar?

Das wird ein ganz anderes Spiel. Die Schalker Mannschaft ist mit der aus der Vorsaison, was die Spielweise und das Auftreten betrifft, überhaupt nicht mehr zu vergleichen.

Wie beurteilen Sie generell die Schalker Entwicklung?

Sehr gut. David Wagner hat bisher auf Schalke viel bewegt. Von den letzten acht Pflichtspielen haben sie nur eins verloren. Das sagt doch schon alles. Auch Sportvorstand Jochen Schneider macht sehr gute Arbeit. Es herrscht wieder Ruhe im Verein und die Fans stehen voll hinter ihrer Mannschaft.

Friedhelm Funkel vor dem Spiel auf Schalke: „Die Rückrunde mit Fortuna war ein Wunder“

Funkel-Lob für den Schalker Coach: „David Wagner hat bisher auf Schalke viel bewegt.“ © dpa

Hatten Sie eigentlich mal in ihrer langen Trainer-Laufbahn ein Angebot von Schalke 04?

Nein. Das gab es nicht.

Hätte es Sie gereizt?

Das ist hypothetisch. Ich habe auf jeden Fall in meiner Laufbahn bei vielen attraktiven und gut geführten Vereinen gearbeitet. In dieser Hinsicht kann ich mich nicht beklagen.

Was die durchschnittliche Laufstrecke pro Spiel betrifft, steht die Fortuna aktuell nur auf dem letzten Platz. Welche Aussagekraft hat für Sie eine solche Statistik?

Keine große. Da spielen so viele Faktoren wie Gegner, Laufwege, Zweikampfverhalten eine Rolle. In solch eine Laufstatistik fließt ja zum Beispiel auch ein, wenn ein Spieler nach einem Tor bis zur Eckfahne rennt und jubelt. Das sollte man nicht zu hoch hängen, zumal die Unterschiede zwischen den meisten Mannschaften kilometermäßig nicht sehr groß sind.

Wird der Fußball immer wissenschaftlicher?

Das ist so, aber wenn man erfolgreich sein will, ist das auch notwendig. Jeder Bundesligist hat mittlerweile ein Team von Spezialisten.

500 Bundesligaspiele als Trainer

Als 19-Jähriger begann Funkel in der Saison 1973/74 seine Profi-Karriere bei Bayer Uerdingen. Zwischen 1980 und 1983 spielte der torgefährliche Mittelfeldspieler beim 1. FC Kaiserslautern, bevor er anschließend wieder nach Krefeld zurück wechselte. Nach 320 Bundesligaspielen, in denen er 83 Tore erzielte, beendete er im Mai 1990 in Uerdingen seine Karriere. Seine 254 Spiele und 59 Tore für Bayer Uerdingen bedeuten bis heute Bundesligarekord für die Krefelder. Sein größter Erfolg als Spieler war der Gewinn des DFB-Pokals 1985 mit Bayer Uerdingen durch einen 2:1-Sieg über den FC Bayern. Funkel ist der einzige Trainer im deutschen Fußball, der es geschafft hat, sechsmal mit einer Zweitligaelf in die Bundesliga aufzusteigen. Am 3. November 2019 absolvierte Funkel gegen den 1. FC Köln sein 500. Bundesligaspiel als Trainer.

Zwischen Platz zwei und neun liegen aktuell in der Tabelle nur zwei Punkte. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Sie zeigt, dass der FC Bayern München die Liga nicht so stark dominiert wie in den Vorjahren. Ich finde das gut, weil so etwas mehr Spannung reinkommt.

Wer ist ihr Titelkandidat?

Das bleibt der FC Bayern.

Sind die Erwartungen in Düsseldorf nach der tollen vergangenen Saison gestiegen?

Nein. Wir sind Realisten und lassen uns nicht verrückt machen. Unser Ziel ist der Klassenerhalt, also Platz 15. Bis zur Winterpause müssen wir zusehen, dass wir noch möglichst viele Punkte holen, denn so eine Rückrunde wie in der Vorsaison werden wir nicht mehr spielen.

Warum nicht?

Das war für mich ein Wunder, wie oft wir in der zweiten Saisonhälfte gepunktet haben. Damals hat alles gepasst. So etwas lässt sich nicht wiederholen.

Am Samstag gibt es ein Wiedersehen mit ihrem früheren Spieler Benito Raman. Wird er sich auf Schalke durchsetzen können?

Davon gehen ich aus. Benito hat eine tolle Mentalität. Er sprintet in jeder Partie enorm viel und setzt sich immer für die Mannschaft ein.

Der Ex-Schalker Kaan Ayhan hatte im Sommer viele Angebote, auch aus Gelsenkirchen. Hatten Sie Sorge, dass er Düsseldorf verlassen könnte?

Nein. Wir sind bei dieser Personalie ruhig geblieben. Ich wusste, dass Kaan sich hier sehr wohl fühlt.

Was erwarten Sie für ein Spiel am Samstag?

Ein kampfbetontes. Schalke will seine Erfolgsserie fortsetzen, wir wollen dagegenhalten und am liebsten etwas mitnehmen.

2020 läuft ihr Vertrag aus. Was passiert dann?

Das ist noch nicht entschieden. Aktuell macht mir die Arbeit noch sehr viel Spaß. Ich entscheide von Saison zu Saison. Deshalb habe ich in den vergangenen Jahren auch immer nur noch Einjahresverträge abgeschlossen.

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