Kahn als Favorit in Schalkes Kandidaten-Karussell

GELSENKIRCHEN/RHEDA Der ehemalige „Torwart-Titan“ Oliver Kahn soll als neuer starker Mann die Herkules-Aufgabe im Management des kriselnden FC Schalke 04 stemmen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Oliver Kahn neuer Manager bei Schalke wird, ist sehr hoch“, sagte Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies laut „Bild.de“ nach einem Gespräch mit dem 39 Jahre alten Ex-Nationalkeeper am Donnerstag.

von Ruhr Nachrichten

, 19.03.2009, 16:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach eigenem Bekunden hat Tönnies aber noch andere Asse im Ärmel. „Schalke ist ein geiler Club. Da wollen alle hin. Wir sondieren jetzt den Markt. Ich habe mich schon mit vielen Kandidaten unterhalten und werde mich noch mit vielen unterhalten“, stellte der 52-Jährige klar. „Ob man so etwas macht, hängt von vielen Faktoren und Facetten ab. Es geht darum, was man als Voraussetzung dort vorfindet, und wie man sich dort dann verwirklichen kann“, hatte Kahn in der Online-Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zuvor erklärt. Den Job, von dem ihm unter anderem Franz Beckenbauer und Udo Lattek wegen seiner fehlenden Erfahrung als Manager abgeraten hatten, nannte er reizvoll und sehr interessant. „Für Schalke geht es um viel. Man hat sich von Manager Andreas Müller getrennt und muss in Kürze die neue Saison auf den Weg bringen. Da gibt es, wie bei allen Clubs, viel zu tun“, sagte Kahn, der gerade erst von einer Asien-Reise zurückgekehrt war.

Am Donnerstagmorgen hatte Tönnies - nach dpa-Informationen quasi im Alleingang - den Stein öffentlich ins Rollen gebracht. Tönnies hatte dem WDR das bevorstehende Treffen mit Kahn bestätigt, der schon am Mittwoch mit seinem Berater Peter Ruppert in Rheda eingetroffen war. Geschäftsführer Peter Peters mochte selbst nach Bekanntwerden des Treffens „kein Statement zu der Sache“ abgeben. Kahn ist der erste Kandidat, der von Tönnies namentlich bestätigt wurde. Das sagt viel, heißt aber nicht, dass er einziger Anwärter auf die freigewordene Arbeitsstelle ist. Sicher dürfte sein, dass Trainer Fred Rutten die ihm derzeit anvertraute „Doppelfunktion“ wohl maximal bis Saisonende ausüben darf. Und ob der von Müller geholte Coach, der nach dessen Demission den wichtigsten Fürsprecher im Club verloren hat, überhaupt noch eine lange Zukunft auf Schalke hat, ist ungewiss. Dies hängt stark von der Manager-Lösung ab. Rutten wäre seinerseits in der niederländischen Heimat beim PSV Eindhoven willkommen, wo Huub Stevens im Januar den Dienst quittierte.

Die Gerüchteküche brodelte zuletzt. Das Interesse von Schalkes Ex- Coach Stevens soll sich nur auf die Trainerarbeit bei Schalke beziehen. „Ich bin frei, und wir hatten eine erfolgreiche Zeit“, so Stevens. Die „Stuttgarter Zeitung“ (Donnerstag) will indes erfahren haben, dass der bis 2012 beim VfB Stuttgart gebundene Manager Horst Heldt ein aussichtsreicher Kandidat für das Schalker Projekt sei. Heldt könnte dann auch gleich den beim VfB im November geschassten Meister-Coach von 2007, Armin Veh, mit ins Revier bringen. Eine andere Fährte verfolgt der „kicker“. Die abwartende Haltung in Sachen Vertragsverlängerung von Trainer-Manager-Geschäftsführer Felix Magath beim VfL Wolfsburg, wo sein Kontrakt 2010 ausläuft, wertet das Fachmagazin als Indiz für Schalkes Interesse an ihm. Der Aufsichtsrat des VfL sondiere bereits den Markt, falls Magath es nach Gelsenkirchen ziehen würde. Dessen Vorliebe für den Traditionsclub im Revier ist in der Tat seit langem bekannt. Und zu einem klaren Dementi konnte Magath, der schon zu Rudi Assauers Zeiten mal auf dem Sprung nach Schalke war, sich bisher nicht durchringen. Die ebenfalls gehandelten früheren Spieler wie Andreas Möller (Manager Kickers Offenbach) und Marc Wilmots haben wohl kaum Aussichten.