Er weiß, wo das Tor steht: Klaus Fischer ist einer der erfolgreichsten Torschützen der Bundesligageschichte. In unserer Gastkolumne verrät er, was er vom Derby erwartet.

von Klaus Fischer

Gelsenkirchen

, 25.10.2019, 17:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schade, schade, schade... Selten war ich von einer Schalker Mannschaft in einem Auswärtsspiel so angetan wie am vergangenen Sonntag bei 1899 Hoffenheim – die Jungs ließen den Gegner überhaupt nicht zur Entfaltung kommen. Wenn der gegnerische Trainer dann sagt – obwohl Hoffenheim eine Woche davor gegen die Bayern gespielt hatte – dass Schalke die stärkste Mannschaft gewesen sei, auf die Hoffenheim bisher getroffen sei, ist das ein schönes Kompliment.

Schalkes bester Torschütze

Mit 182 Toren in 295 Bundesliga-Spielen für den FC Schalke 04 ist Klaus Fischer (69) der erfolgreichste Torschütze in der Vereinsgeschichte der Königsblauen. Fischer spielte von 1970 bis 1981 auf Schalke. In diese Zeit fallen der Pokalsieg 1972 und zwei Vizemeisterschaften - aber auch der Bundesliga-Skandal und der erste Abstieg. Heute betreibt Fischer unter anderem einen Fußballschule und tritt in der Schalker Traditionsmannschaft gegen den Ball.

Kaufen kann sich Schalke dafür allerdings nichts. Hoffenheim gewann 2:0, auch weil Schalke im Spiel nach vorn nicht zwingend genug war. Natürlich gab es die eine oder andere Torchance, insgesamt waren mir die Angriffs-Bemühungen aber zu schüchtern. Mir fehlte die ganz große Gier, unbedingt ein Tor erzielen zu wollen.

Schalke muss im Winter auf dem Transfermarkt tätig werden

Schalke, für diese Erkenntnis muss man kein großer Mathematiker sein, macht zu wenig Stürmer-Tore. Wenn Guido Burgstaller, Mark Uth und Ahmed Kutucu in dieser Saison bislang insgesamt gerade mal ein einziges Tor erzielt haben, spricht das zunächst mal nicht für sie.

Umfrage

Wie endet die Partie gegen den BVB?

148 abgegebene Stimmen

Natürlich ist es ein Wahnsinn, was ein Guido Burgstaller läuft, wie er rackert, arbeitet – aus seinen Möglichkeiten holt er das Maximale heraus, das ist aller Ehren wert. Aber für die ganz große Klasse, für absolutes Top-Niveau, müsste Schalke sich im Winter auf dem Transfermarkt in einer Kategorie umschauen, die aus finanziellen Gründen wohl unerschwinglich ist. Man muss vorerst also mit dem leben, was man hat – eine gewisse Qualität ist zwar vorhanden, aber es ist halt auch nicht die absolute Spitze.

Das erwartet Klaus Fischer vom BVB

Sowieso müssen wir immer sehen, wo Schalke herkommt – vom Abstiegskampf in der Vorsaison direkt in die obere Tabellenhälfte. Das ist keine Selbstverständlichkeit – zumal Trainer David Wagner ja weitestgehend dem Personal vertraut, das in der vergangenen Saison so enttäuscht hat.

Und vielleicht lässt sich die „Knipser-Krise“ ja sogar am besten im Revier-Derby „ausknipsen“ – denn in diesem Spiel passieren ja ohnehin meistens Dinge, mit denen vorher niemand rechnet.

Klaus Fischer: „Das Derby ist eine gute Gelegenheit, die Knipser-Krise auszuknipsen“

Schalke-Stürmer Guido Burgstaller: Platzt gegen den BVB der Knoten? © dpa

Ich rechne jedenfalls nicht damit, dass der BVB auf Schalke wie eine „klassische“ Auswärtsmannschaft auftreten wird. Die Dortmunder wollen den Ball haben, mitspielen, nicht nur auf Fehler des Gegners lauern. Das kann Räume für Schalke schaffen, die ein schneller Spieler wie Rabbi Matondo braucht und vielleicht nutzen kann.

Ein Wort noch zum BVB: Ich weiß nicht, ob die Diskussion um Trainer Lucien Favre ausschließlich von den Medien ausgeht oder ob er auch intern tatsächlich umstritten ist. Für mich steht aber eins fest: Dieser BVB wird bis zum Schluss oben mitspielen – ob es wirklich zum Titel reicht, lässt sich heute sowieso noch nicht seriös vorhersagen.

Schlagworte: