Manuel Neuer trotzt allen bayrischen Anfeindungen

Stiller Triumph

Man konnte sich das verknautschte Gesicht von Uli Hoeneß nur vorstellen. Im abgeschirmten Spielerbereich war der Präsident des FC Bayern München zu Manuel Neuer gegangen und hatte sich beim Schalker Torhüter für die Anfeindungen der Bayern-Anhänger während des Halbfinales im DFB-Pokal entschuldigt.

MÜNCHEN

von Von Jörg Strohschein

, 03.03.2011, 17:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Berlin, wir kommen: Manuel Neuer jubelt über den königsblauen Coup beim Branchenprímus FC Bayern München.

Berlin, wir kommen: Manuel Neuer jubelt über den königsblauen Coup beim Branchenprímus FC Bayern München.

Der Geschmähte selbst ließ sich allerdings nichts anmerken. Die Zuschauer hatten vor dem Spiel Hunderte Schilder mit der Aufschrift „Koan Neuer“ hochgehalten, während der Partie wurde der Torhüter mit gellenden Pfiffen und Sprechchören unter der Gürtellinie sowie weiteren Spruchbändern traktiert. Neuer ließ sich von diesen andauernden Beschimpfungen allerdings nicht aus der Ruhe bringen und zeigte eine bemerkenswert souveräne Leistung. Er hatte mit seinen Paraden entscheidenden Anteil daran, dass die Schalker das Feld als Sieger verließen. „Ich achte während des Spiels nicht auf Transparente, sondern auf den Ball“, vermied er jegliche emotionale Bemerkung. Dennoch dürften Neuer die ihm entgegen gebrachte Antipathie der Bayern-Anhänger nicht gefallen haben. Womöglich könnte dieser Abend auch entscheidenden Einfluss darauf haben, ob der Torhüter nach dieser Saison dem Werben der Bayern nachkommen wird. „Ich habe nie gesagt, dass ich hierher wechseln werde“, sagte Neuer, der in Schalke einen Vertrag bis 2012 besitzt, kurz und knapp.

Derweil kostete Felix Magath das Erreichen des DFB-Pokalfinales genüsslich aus – auf seine Art. Hatte er sich in den vergangenen Wochen nach den vielfach enttäuschenden Auftritten in der Bundesliga und der wachsenden öffentlichen Kritik dünnhäutig gezeigt, sprudelte es an diesem Abend des großen Erfolgs nur so aus ihm heraus. Die innerliche Verzückung über diesen sportlichen Erfolg, der nach einer beachtlich intelligenten und taktisch durchdachten Mannschaftsleistung zustande gekommen war, dürfte bei Magath aber noch deutlich größer gewesen sein, als er öffentlich verriet.

Mit diesem genauso verdienten wie unerwarteten Schalker Sieg hat sich Magath erst einmal neuen Freiraum im Umfeld aber auch im Klub verschafft, seinen Weg des Umbruchs fortzuführen. „Man sollte eine Saison nicht voreilig abschreiben, bevor nicht der letzte Schlusspfiff erklungen ist“, sagte Innenverteidiger Christoph Metzelder. 

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