Max Meyer: "Uns fehlt die letzte Gier"

Das Schalke-Interview

Die Saison des FC Schalke 04 verlief bisher enttäuschend. Im Interview mit dieser Redaktion nimmt Max Meyer kein Blatt vor den Mund. Der Mittelfeldspieler spricht über Schalker Defizite, die ständige Unruhe und Olympia in Rio.

GELSENKIRCHEN

29.04.2016, 06:02 Uhr / Lesedauer: 3 min
Max Meyer soll laut Trainer Andre Breitenreiter im Saison-Endspurt eine wichtige Rolle zukommen.

Max Meyer soll laut Trainer Andre Breitenreiter im Saison-Endspurt eine wichtige Rolle zukommen.

Wie lange haben Sie gebraucht, um die Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen zu verdauen? Kurz nach dem Spiel war ich sehr enttäuscht, aber es muss weiter gehen. Es bringt nichts, diesem Spiel zu lange nachzutrauern, so bitter es auch gewesen ist, nach einer starken Halbzeit am Ende mit leeren Händen dazustehen.

Geht jetzt in der Mannschaft die Angst um, Platz sieben zu verspielen? Das wäre der falsche Ansatz. Sicher sind fünf Punkte Vorsprung auf Rang acht kein Ruhekissen. Aber wir kennen unsere eigenen Stärken. Wenn wir über 90 Minuten so spielen würden wie in der ersten Halbzeit gegen Leverkusen, bräuchten wir vor niemandem Angst zu haben.

Jetzt lesen

Glauben Sie noch wie ihr Teamkollege Caicara an das Erreichen von Platz vier? Ich denke nicht, dass Mönchengladbach und Hertha BSC alle ihre verbleibenden Spiele gewinnen werden. Aber wir müssen zuallererst unsere Spiele siegreich bestreiten. Wir sollten jetzt nicht darüber reden, was wir erreichen wollen, sondern müssen auf dem Platz maximal erfolgreich sein und dann sehen, was dabei rumkommt.

 

Jedoch hat Schalke in dieser Saison jegliche Konstanz vermissen lassen. Haben Sie eine Erklärung dafür? Das ist eine schwierige Frage. Was das Potenzial der Mannschaft betrifft, müssten wir in der Lage sein, konstant oben mitzuspielen. Ich habe aber den Eindruck, dass wir nach zwei, drei Erfolgserlebnissen unterbewusst wieder ein bisschen nachlassen. Uns fehlt dann vielleicht die letzte Gier. Wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen, investieren wir wieder mehr. Das darf aber nicht sein.

 

Aber es ist in den vergangenen Jahren schon öfter vorgekommen. Ich kenne das, seit ich auf Schalke Profi geworden bin. Das müssen wir mit Blickrichtung auf die neue Saison unbedingt verbessern.

Was noch? Uns fehlt - auf gut Deutsch - eine Drecksau, die im Spiel auch mal dazwischenhaut. Ich kann das als 20-Jähriger noch nicht wirklich leisten. Wenn man sieht, wie wir nach dem Leverkusener Anschlusstreffer in Schwierigkeiten gekommen sind, da fehlt uns ein Spieler, der in kritischen Situationen Zeichen setzt. Oder nehmen Sie das Spiel in Ingolstadt, wo wir nach gutem Beginn in Rückstand geraten, vollkommen den Faden verlieren und vogelwild über den Platz laufen.

Schalke braucht also einen Spielertyp wie zum Beispiel Bayerns Vidal? Das ist natürlich die Idealvorstellung. Da gibt es aber nicht viele von. Fußballer, die eine so große Präsenz auf dem Platz ausstrahlen und in jeder Phase Verantwortung übernehmen, wenn es nicht läuft.

 

Mal unabhängig von Schalke, wie zufrieden sind Sie mit ihrer Entwicklung? Ich habe wieder einen Schritt nach vorn gemacht. Fünf Tore und acht Torvorbereitungen, das ist ganz ordentlich. Aber es wäre noch schöner, wenn wir als Mannschaft besser dastehen würden. Wir haben bisher erst 43 Tore erzielt. Das ist für eine Mannschaft wie Schalke 04 nach 31 Spieltagen viel zu wenig.

Sie sind einer der wenigen Schalker Spieler, die kaum verletzt ausgefallen sind. Natürlich ist man nicht davor gefeit, im Spiel mal einen Tritt abzubekommen und womöglich verletzt zu werden. Aber ich tue auch viel dafür. Ich lege sehr viel Wert auf Stabilisationsübungen und Körperpflege. Das zahlt sich aus.

 

Ein großes Thema auf Schalke ist auch in dieser Saison die ständige Unruhe rund um den Verein. Die einen sagen, das sei hausgemacht, andere machen die Medien dafür verantwortlich. Wie ist ihre Meinung? Manchmal habe ich den Eindruck, die Unruhe wird künstlich herbeigeführt. So zum Beispiel zu Saisonbeginn, als wir hervorragend gestartet sind, aber trotzdem keine Ruhe herrschte. Aber teilweise muss man auch mit harter Kritik leben können, wenn die Leistungen auf dem Platz nicht stimmen. Schalke könnte meiner Meinung nach eigentlich jedes Jahr Champions League spielen.

 

Nach der Bundesliga-Saison ist für Sie noch nicht Schluss. Stand jetzt gehe ich davon aus, dass ich bei Olympia in Rio dabei bin. Aber ich werde in den letzten drei Partien noch einmal alles geben. Vielleicht kann ich ja noch auf den Zug für die Europameisterschaft aufspringen. 

Lesen Sie jetzt